Der neue Hauptsitz von Salesforce ist das höchste Gebäude an der Westküste der USA.

Salesforce ist ein wichtiger Player der Tech-Branche: Allein in diesem Jahr ist der Aktienkurs von etwa 70 auf mehr als 100 US-Dollar gestiegen. An der Börse ist das Unternehmen aus San Francisco heute 74,5 Milliarden Dollar wert.

Gründer und CEO Marc Benioff bietet seinen Unternehmenskunden seit 1999 Geschäftsanwendungen für den Vertrieb, Service und das Marketing in der Cloud an. Auf der Plattform von Salesforce bauen mittlerweile zahlreiche jüngere Startups ihre Geschäfte auf. In einige investiert der Investmentarm der Firma, der über Hunderte Millionen für strategische Beteiligungen verfügt. Was da genau geplant ist, erklärt der Vice President von Salesforce Ventures, Matt Garrett, im Gründerszene-Gespräch.

Salesforce-Ventures-VP Matt Garrett

Matt, wie groß ist Salesforce Ventures?

Wir investieren seit 2009, haben mehr als 200 Portfoliofirmen und beschäftigen drei Investmentmanager in London, zwei in Japan und fünf hier in San Francisco. In den letzten anderthalb Jahren haben wir Fonds mit insgesamt 250 Millionen US-Dollar verkündet, wir sind also sehr aktiv.

Mit sehr wenig Leuten. Wie klappt das?

Wir sind ausschließlich ein strategischer Investor, der sich darauf konzentriert, dass die Portfoliofirmen zu Salesforce passen und gut integriert werden. Wir können auf unsere Cloud-, Produkt- und Operationsteams zurückgreifen, was uns dabei hilft, sehr schnell Due Diligence zu machen und das Startup zu bewerten. Klassische VCs investieren in vielen Bereichen – im Konsumentengeschäft oder in Unternehmenssoftware – und brauchen so mehr Zeit für ihre Due Diligence. Außerdem führen wir keine Runden an und nehmen auch keine Sitze im Board, was auch Zeit spart.

Was bekommen Startups dann von euch außer Geld?

Drei Dinge: Sie bekommen zum einen die Kontakte zum Salesforce-Führungsteam und werden den Managern vorgestellt. Dann verschafft so ein Investment auch Aufmerksamkeit und ein gewisses Branding, was dabei helfen kann, in unser Ökosystem von Kunden zu verkaufen. Und schließlich können unsere Teams den Gründern bei operativen Fragen helfen, zum Beispiel, wenn es darum geht, den richtigen Preis zu finden.

Wie entscheidet ihr euch, wann ihr investiert und wann ihr etwas selber baut?

Wir treffen uns regelmäßig mit unseren Produktmanagern und besprechen die verschiedenen Geschäftsbereiche. Wenn es etwas gibt, das wir noch nicht bauen, aber was wir spannend finden, dann hilft ihnen mein Team dabei, die besten Partner zu finden, in die wir dann investieren. So war das zum Beispiel bei Cloudcraze. Das Unternehmen bietet B2B-E-Commerce an und baut auf der Salesforce-Plattform auf.

Wie schneiden eure Investments denn bisher hab?

Da verraten wir keine Zahlen. Wenn wir intern mit dem Management sprechen, zeigen wir natürlich unsere Ergebnisse. Aber es geht vor allem darum, was neu und was aufregend ist. Wir schauen darauf, ob die Startups zu unserem Geschäft passen, ob sie auf Salesforce aufbauen – denn dadurch machen wir mehr Umsatz – und evaluieren, wie viel Umsatz durch sie eingespielt wird und wie viel leichter es für uns wird, durch sie neue Kunden zu gewinnen. Wenn wir keine guten Returns generieren würden, bekämen wir sicherlich eine Menge Fragen zu hören.

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Wie wichtig ist Deutschland für euch?

Im EMEA-Raum ist Deutschland ein Fokus von uns. Wir haben dort in das Versicherungsstartup Wefox investiert und Your SL gekauft, eine Berliner Digitalberatung. Wir sehen, dass eine Menge Innovationen aus Berlin kommen.

Was sind eure Pläne für die nahe Zukunft?

Um einen sehr wichtigen Bereich kümmert sich zum Beispiel der Einstein-Fonds, der sich auf Unternehmen im Bereich Künstliche Intelligenz und Machine Learning spezialisiert. Unsere Beteiligung TalkIQ ist ein gutes Beispiel: Sie wendet KI auf Kundengespräche an und will Sales-Agenten helfen, besser auf Kunden einzugehen. Wir haben außerdem einen neuen 50-Millionen-Fonds gelauncht, um in Firmen zu investieren, die bei der Implementierung von Salesforce helfen. Das wird immer wichtiger, je mehr Produkte wir anbieten, damit unsere Kunden verstehen, wie sie genutzt werden können. In Deutschland schauen wir uns da gerade übrigens einige Implementierungspartner an. Vergangenes Jahr hatten wir angekündigt, 100 Millionen Dollar in EMEA-Unternehmen zu investieren. Die Hälfte des Geldes ist bereits vergeben.

Danke für das Gespräch, Matt.

Bilder: Salesforce