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Marian Pufahl (Mitte) erklärt im Data Space das Geschäftsmodell seines Startups Synfioo, daneben sitzen Stephan Gilles (links) und Joachim von Goetz (rechts) vom SAP-Accelerator

Man gönnt sich ja sonst nichts. Mitten in der Mitte von Berlin, großzügige, schicke Arbeitsräume, neueste Technik, eine automatisierte „Data Kitchen“ mit vorzüglicher Küche zu überschaubaren Berlin-Preisen – SAP hat seine Startup-Beschleunigungs-Station am Hackeschen Markt, die im Dezember eröffnet wurde, mit den ersten Entrepreneur-Teams bevölkert und will in Kürze auch ein Event-Programm starten. Denn das Center soll sich in diesem Jahr als ein Treffpunkt der Digital- und Startupszene in der Hauptstadt etablieren. Wir durften schon mal hinter die Kulissen schauen.

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Das Data Space will natürlich nicht nur ein weiterer Accelerator in der Hauptstadt sein. Und deshalb hat man sich in den Weiten des Startup-Biotops eine Nische gesucht: Hier am Hackeschen Markt soll es vor allem um Entwicklungen, Innovationen und Ideen im Bereich des Internet der Dinge gehen – und um Produkte für Geschäftskunden. Außerdem müssen die Geschäftsideen der Gründer zu SAP passen.

Überwachung von Transportketten in Echtzeit

Ein perfektes Beispiel für so ein Startup ist Synfioo, das bereits eingezogen ist. Das Team besteht aus sieben Mitarbeitern und programmiert im Data Space an einer Software, die die Überwachung von Transportketten in Echtzeit ermöglichen soll. Die Software lasse sich nahtlos in bestehende SAP-Anwendungen einbinden, heißt es. Wie praktisch. Marian Pufahl, Mitgründer und Geschäftsführer Synfioo, sagt: „Wir haben bereits drei Jahre am Hasso-Plattner-Institut zu unserem Thema geforscht. Mit Hilfe des SAP-IoT-Startup-Accelerators wollen wir unser Produkt jetzt im Markt etablieren und unser Team langsam vergrößern.“ Das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik ist Teil der Universität Potsdam, Gründer und Namensgeber des Instituts ist der SAP-Mitgründer und -Aufsichtsratsvorsitzende Hasso Plattner.

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Hier kann man auch essen, wenn man nicht im Data Space arbeitet


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Genug Raum für digitale Inspiration

Auch die anderen Startups, die hier arbeiten, werden von der SAP-Zentrale ausgewählt. Sie sollen an Lösungen für Probleme von SAP-Kunden arbeiten. Für die Startups bedeutet das, dass sie gleich am Anfang mit den speziellen Anforderungen des Marktes konfrontiert werden und so konsequenter an einem Produkt arbeiten können, das auch wirklich benötigt wird.

Zukunftsthemen, die gerade hoch im Kurs stehen

Auch bei Synfioo war das so. Pufahl erklärt: „Unsere Software stellt sicher, dass unsere Kunden auf Schwierigkeiten beim Transport ihrer Güter aufmerksam gemacht werden. Kunden erfahren sofort, wo und wie sich störende Einflüsse wie Staus, Zollkontrollen, Streiks oder schlechtes Wetter negativ auf ihre Transportplanungen auswirken. Die Planung kann dann basierend auf den aktuellen Daten konkret angepasst werden.“ Um wirksame Prognosen über Lieferzeiträume in Echtzeit erstellen zu können, setzt Synfioo auf künstliche Intelligenz und selbstlernende Algorithmen. Also auf zwei Zukunftsthemen, die gemeinsam mit Anwendungen für das Internet der Dinge gerade ganz hoch im Kurs stehen.

Neben Mentoring bekommen die Teilnehmer in dem dreimonatigen Programm hier im Data Space auch Zugang zum SAP-Ökosystem. Der Schwerpunkt des Programms liegt dabei auf der Marktanalyse, Entwicklung von Prototypen in einem spezifischen Kundenszenario und der technischen Integration in SAP-Lösungen.

Produkte, die ein Problem der Kundschaft lösen können

Ignatz Schatz ist der Startup Engagement Manager im SAP-Accelerator und kümmert sich um das Tagesgeschäft: „Uns war es wichtig, mit unserem Programm eine relevante Nische zu treffen. Startups, die Produkte für Geschäftskunden entwickeln, erfahren in Berlin noch zu wenig Unterstützung und haben es entsprechend schwer. Dabei können sie eine riesige Wirkung im Markt entwickeln, wenn sie echte Kundenproblem lösen.“ Da SAP ein weltweites Netzwerk von Millionen Kunden hat, gebe es unzählige Möglichkeiten, neue Geschäftsideen in der Praxis umzusetzen.

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In diesem Raum sollen bald die ersten Events über die Bühne gehen


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Essen ist fertig: Die Fächer der Data Kitchen lassen sich per App öffnen

Im Data Space wird gerade Lunch serviert. Die Kundschaft holt sich das Essen, das vorher per App geordert wurde, aus Kochboxen. Die Kantine ist gut besucht. Schatz muss gleich den nächsten Neugierigen erzählen, was hier eigentlich den ganzen Tag gemacht wird.

Es sieht so aus, als ob SAP eine gute Chance hat, sich hier in der Mitte Berlins zum Anlaufpunkt für die Startup-Szene zu entwickeln. Dazu müssen die Startups aber erfolgreich arbeiten. Ignatz: „Klar müssen wir Ziele erreichen. Das heißt, wir wollen am Ende gute Prototypen vorweisen können, die Mehrwerte für Geschäftskunden erzeugen.“

Neben Synfioo nehmen folgende Startups am ersten Programm teil:

  • Skysense
    Mit Hilfe der Lösung von Skysense können Drohnen ohne geringen menschlichen Einsatz zur Inspektion von industriellen Einrichtungen genutzt werden. Informationen zu Maschinen, die nur schwer und unter potentieller Gefahr erreichbar sind – wie Bohranlagen für Öl und Gas oder Windräder – lassen sich so einholen. Über sogenannte Wegpunkte werden automatisiert Wartungsinformationen gesammelt. Das Startup wirbt damit, eine Verbesserung zum bisherigen Einsatz von Drohnen, bei dem für jeden Flug ein neuer Routenplan erstellt wird, zu leisten.
  • XMPro
    Das Startup will im industriellen Umfeld die Verbindung zwischen mechanischen und elektronischen Anlagen mit der Unternehmenssoftware schaffen. Aktuell werden in der industriellen Fertigung und Verarbeitung bereits viele Daten gesammelt. XMPro hat eine Lösung entwickelt, mit der die Vielzahl der Daten leicht und schnell lesbar gemacht werden und automatisiert in Echtzeit Geschäftsereignisse auslösen können.
Bilder: Chris Marxen / Gründerszene