Als der Europäische Gerichtshof (EuGH) das Safe-Harbor-Abkommen kippte, das den Datenaustausch zwischen der Europäischen Union und den USA regelte, richteten sich die Blicke vor allem auf Facebook und andere amerikanische Unternehmen. Sie müssen jetzt nach anderen Lösungen suchen. Doch mit SAP ist auch auch ein deutscher IT-Konzern weltweit aktiv.

Zwar habe sich SAP nicht auf das Safe-Harbor-Abkommen verlassen, doch Finanzvorstand Luka Mucic spricht sich trotzdem dafür aus, möglichst bald ein neues Abkommen zwischen den USA und der EU zu schließen.

„Wir treten als SAP für einen möglichst globalen, und wenn das nicht möglich ist, zumindest einen EU-weiten digitalen Markt ein, in dem die Spielregeln für den Datenaustausch klar und einheitlich definiert sind“, sagte Mucic der „Welt“. „Wir dürfen uns jetzt nicht national abschotten und die Datenrollläden herunterlassen.“

Absage an nationale Insellösungen

Mucic, der im SAP-Vorstand neben den Finanzen auch das Thema Datenschutz verantwortet, betonte, dass der Konzern selbst durch die Safe-Harbor-Entscheidung kaum beeinträchtigt werde. „Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs betrifft uns vergleichsweise wenig, weil wir uns auch schon in der Vergangenheit nicht auf Safe Harbor verlassen haben.“ Stattdessen habe man individuelle Verträge zum Datenaustausch geschlossen.

Safe Harbor stand schon seit Längerem in der Kritik von Datenschutzexperten, weil US-Unternehmen die Möglichkeit hatten, sich per Selbst-Zertifizierung den Status eines sicheren Datenempfängers zu verleihen, ohne dass eine unabhängige Überprüfung stattfand. „Wir haben im Nachhinein betrachtet alles richtig gemacht, indem wir nicht auf Safe Harbor gesetzt haben“, sagte Mucic.

Der Konzern verfüge über insgesamt 42 Datencenter in zwölf Ländern, so dass man europäische Daten auch in Europa speichern könne. „Unabhängig von Gerichtsurteilen war es schon immer unser Ansatz, unseren Kunden weltweit ein hohes Schutzniveau für ihre Daten zu bieten“, sagte Mucic. Er wünsche möglichst schnelle Erfolge bei den Verhandlungen über ein neues Abkommen.

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„Wir sind ein globaler Anbieter, deshalb ist es auch für uns einfacher, wenn die Rechtsvorschriften global so weit wie möglich harmonisiert werden und wir nicht in nationale Insellösungen abgleiten“, sagte Mucic. Er glaube, dass den Verhandlungspartnern die Dringlichkeit und Bedeutung des Themas sowohl in den USA als auch in Europa bewusst seien. „Ich bin optimistisch, dass man zu einer Lösung kommen wird, weil für beide Seiten zu viel auf dem Spiel steht.“

Das Interesse der Kunden, den Speicherort der eigenen Daten festzulegen, sei von Branche zu Branche, aber auch von Region zu Region unterschiedlich groß. „In Europa und im Nahen Osten ist der Wunsch zu wissen, wo die Daten gespeichert sind, stärker ausgeprägt“, sagte Mucic. In einigen Staaten wie China und Russland sei es sogar verboten, Daten außerhalb des Landes zu speichern.

„Privatunternehmen haben in den USA bei diesem Thema eine größere Gelassenheit“, sagte Mucic. „Aber auch dort gibt es Bereiche, in denen Kunden großen Wert auf den Speicherort legen. Behörden achten beispielsweise auch in den USA sehr genau darauf.“ Man richte sich selbstverständlich immer nach dem Wunsch des Kunden.

In Europa gehe es längst nicht mehr nur darum, wo die Daten gespeichert werden, sondern auch darum, von wo aus bei Wartungsprozessen auf die Informationen zugegriffen werden darf. SAP biete deshalb die Option an, dass nur aus der EU ein Zugriff auf die Daten erfolgen dürfe.

Umbaukosten schmälern den SAP-Gewinn

Das sicherzustellen, sei schwieriger, als nur den Speicherort festzulegen. Denn dafür müsse man in den einzelnen Regionen nicht nur die Speicherkapazitäten, sondern auch die Mitarbeiter mit der nötigen Qualifikation haben. „Das ist für einige unserer Wettbewerber ungemütlich, die ihre Supportabteilungen ausschließlich in den USA haben“, sagte Mucic.

SAP steckt derzeit in einem radikalen Umbau. Statt auf den Verkauf von Softwarelizenzen setzt man künftig auf die Vermietung von Programmen über Abo-Modelle. Im Zuge dieses Umbaus streicht der Walldorfer Konzern auch Stellen in Abteilungen, die nicht mehr in das neue Konzept passen.

Weil mehr Mitarbeiter als gedacht die Abfindungsangebote angenommen haben, drücken die Kosten des Umbaus auf den Gewinn. Zwar stieg der SAP-Umsatz in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres deutlich um 19 Prozent auf nun 14,45 Milliarden Euro, der Gewinn nach Steuern sank jedoch um zehn Prozent auf 1,78 Milliarden Euro. Damit übertraf der Konzern dennoch seine selbst gesteckten Ziele.

Dieser Text erschien zuerst in der Welt.

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