sascha-lobo-startups-internet

Sascha Lobo bezeichnet sich selber als „Inhaber einer gut gehenden Frisur“.

Ist er beleidigt? Oder enttäuscht und verbittert? Wahrscheinlich irgendetwas dazwischen. Sascha Lobo ist eigentlich eine der Galionsfiguren für einen optimistischen Umgang mit dem Netz in Deutschland. Eine Art außerparlamentarischer Internetminister. Doch seit den Enthüllungen von Edward Snowden hängt seine selbstironische, rote Irokesenfrisur auf Halbmast. Dem Magazin Wired sagte er in einem Interview: „Leute, die begeistert weitermachen wie früher, halte ich nicht für netzoptimistisch, sondern für realitätsfern.“ Ein Patentrezept, wie man mit Monopolisten wie Google umgeht oder darauf reagiert, dass „Totalüberwachung überall mitschwingt“, hat er auch nicht. Irgendwie müsste die Netzgemeinde aktiver werden und mehr für die gute Sache tun, außerdem müsste mehr reguliert werden, ist wohl seine generelle Linie.

Anzeige
Seine Rede bei der Internetkonferenz Re:publica hat Lobo abgesagt und kümmert sich derzeit lieber um seine Frau und sein digitales Leseportal Sobooks. Aber im Interview präsentiert er sich gewohnt meinungsstark und äußert sich auch zur Startupszene in Deutschland. „Über das Berliner Biotop weiß ich gar nicht so viel. Von den Typen her, die ich kenne, würde ich sagen: Berlin ist mehr so ein Spielfeld, mit etwas weniger Ernsthaftigkeit. Die Startups in Hamburg oder München haben einen erwachseneren Ansatz – was aber beides seine Berechtigung hat.“

Auch zu den Samwer-Brüdern und ihrer Firma Rocket Internet hat Lobo eine Meinung: „Nicht einstimmen werde ich in den Chor der Leute, die über die Kopiermaschine Rocket Internet und die Samwer-Brüder schimpfen. Man kann ihnen zwar einiges vorwerfen, vor allem mangelnde unternehmerische Ethik. Aber kaum, dass sie bloß Copycats wären und fremde Ideen klauen. Schuhe zu verkaufen – um Gottes Willen, das ist doch keine Idee. Da kommt es einfach sehr auf die Umsetzung an. Und in dem Punkt können sie offenbar etwas, was andere nicht können.“

Auch auf die Öffentlichkeitsarbeit von Startups geht der ehemalige Werber ein. Da ist er immer noch Spezialist. Immerhin hat er sich selbst zu einer erfolgreichen Marke als deutscher Interneterklärer gemacht. Lobo: „Ich lebe von dieser Rolle – und das recht gut.“ Doch die jungen Unternehmer haben seiner Meinung nach auf diesem Gebiet noch große Defizite: „Seit ich selbst Teil eines Startups bin, fällt mir stärker auf, wie grauenhaft schlecht die Promotion ist, die die meisten jungen Firmen machen. Oder vielmehr nicht machen. Weder richtig Social Media noch richtig PR – was tun deren Kommunikationsabteilungen eigentlich die ganze Zeit?“ Und weiter: „Das kann nicht sein, dass die Gründer in ihrem ureigenen Feld, dem Internet, so wenig Öffentlichkeit herstellen können. Die sind ja nicht doof, eigentlich. Nicht alle jedenfalls.“

Seine durchaus vorhandene Enttäuschung über das Internet will Lobo jetzt jedenfalls in positive Energie umwandeln. „Machen!“, ist seine Devise. „Nicht nur reden.“ Wir können an dieser Stelle leider nicht sagen, ob er direkt nach dem Interview damit angefangen hat.

NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von re:publica 2015