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CEO Hannes Klöpper

Es gibt Startups, die scheitern. Und es gibt Startups, die scheitern und trotzdem weitermachen. So auch der Fall Iversity. Nach einem geplatzten Investoren-Deal musste die Online-Lernplattform für Weiterbildungskurse im Juni Insolvenz anmelden und fast alle Mitarbeiter entlassen. Doch CEO Hannes Klöpper weigerte sich aufgeben. Im August rettete Investor Holtzbrinck Digital das Startup überraschend vor dem endgültigen Aus. Im „Schöner Scheitern“-Interview erzählt Klöpper, wie er die Zeit erlebt hat.

Hannes, statt eines neuen Investments musstest Du im Juni die Insolvenz verkünden. Was war passiert?

Wir sind langsam aber sicher auf den Abgrund zugeschlittert. Es war schon lange klar, dass wir Mitte 2016 neues Kapital gebraucht hätten. Wir haben lange gesucht. Einer unserer Altinvestoren hat uns eine Brückenfinanzierung in Aussicht gestellt. Der Vertrag sollte nur noch eine Formsache sein. Und dann hieß es plötzlich: Doch nicht! Wir haben versucht, noch in der letzten Minute andere Investoren zu überzeugen. Das hat nicht geklappt. Am 9. Juni mussten wir Insolvenz anmelden.

Wie haben deine Mitarbeiter das plötzliche Aus aufgenommen?

Die haben das schon kommen sehen. Wir waren da über Monate hinweg transparent. Es war ja nicht so, als hätten wir nach der Absage noch andere Optionen gehabt. Wir haben damals von 24 Mitarbeiter auf vier reduziert. Heute sind wir wieder neun. Soweit ich das mitbekommen habe, sind aber alle ehemaligen Mitarbeiter gut untergekommen. Vor ein paar Tagen habe ich mit einem ehemaligen Kollegen gesprochen: Der verdient mittlerweile das Anderthalbfache und ist sehr, sehr happy.

Wie hast Du dich währenddessen gefühlt?

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Die Zeit vor der Insolvenz ist natürlich eine Zeit, in der man immer auf die Fresse kriegt. Man spricht mit so vielen Investoren und versucht, ihnen die Idee zu verkaufen. Am Ende lief es trotzdem nicht – und das ist echt frustrierend.

Ich war nicht traurig oder sauer. Es war eher beklemmend. Klaustrophobisch. Ich habe mich gefühlt, als bekäme ich immer weniger Luft.

Wie war der Tag der Insolvenz für dich?

Das war ein Riesenmist. Ich habe mir gedacht: Scheiße! Am nächsten Morgen bin ich hingegen aufgewacht und war regelrecht befreit. Schlimmer konnte es nicht werden.

Hast Du dir nach der Insolvenz eine Auszeit genommen?

Nein, ich bin um 8:30 Uhr ins Büro gefahren und habe mir eine Liste mit Investoren gemacht, die ich ansprechen wollte.

Du hast sofort weitergemacht?

Ja. Ich habe mich am Abend auch nicht betrunken, oder so. Ich wollte weitermachen.

Im August kam die Wende: Holtzbrinck Digital hat euch einen Deal angeboten. Wie habt Ihr es geschafft, den neuen Investor zu überzeugen?

Na ja, wenn man es als Seed-Case betrachtet: Wir waren noch vier Leute – und brachten ziemlich viel mit. Welches Startup hat schon eine Plattform, mit einer Million Kursanmeldungen? Wer hat am Anfang schon eine international bekannte Marke, Hundert Partnerschaften mit Hochschulen und ein Kundenportfolio mit lauter großen Namen?

Von der Insolvenzverwalterin hatten wir ein Datum festgesetzt bekommen. Bis dahin hieß es: Kauft ihr oder kauft ihr nicht? Danach wäre es vorbei gewesen. Dieser Zeitdruck hat dazu geführt, dass uns der Investor schnell ein Angebot machen musste – über das wir dann hart verhandelt haben. Am Ende war der Deal für uns sehr, sehr gut.

Schöner Scheitern: So fühlten sich die Gründer

Was hast Du gedacht, als der entscheidende Anruf kam?

Ich beneide Fußballspieler um den Moment, wenn sie in der 90. Minute das Tor schießen. Anders als beim Sport hält man seine Freude im Zaum. Einfach bis man sich wirklich sicher ist, was genau in den Verträgen steht und man sich nicht zu früh freut. Wenn man aber dann beim Notar sitzt, hat man sich schon zu sehr an den Gedanken gewöhnt. Den Strike-Moment gab es nicht.

Wenn Du heute nochmal neu mit Iversity anfangen könntest – was würdest Du anders machen?

Für mich war Iversity der erste Job. Und von unseren 30 Mitarbeitern war die Hälfte ehemalige Praktikanten. Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet. Aber vielleicht wären wir mit weniger, aber erfahreneren Leuten besser gefahren.

Bild: Iversity