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Heute geht ein Traum von Jonas Piela erst einmal zu Ende. Sein Fintech-Startup Avuba schließt die letzten Kundenkonten. Piela wollte mit seinem Jungunternehmen das Bankgeschäft neu erfinden. Es war bereits sein zweiter Anlauf. Zuerst hatten er und Mitgründer Oliver Lukesch auf eine App gesetzt, mit der Nutzer unkompliziert Geld versenden konnten. Es sollte der erste Schritt zum eigentlichen Plan sein. Doch die technologische Basis war zu schwach, das Gründer-Duo startete neu und meldete sich im März 2016 mit einem kleinen Team, großen Plänen und einer neuen App zurück.

Ich treffe Jonas Piela in seiner schummrig beleuchteten Wohnung in Berlin-Friedrichshain. Das Avuba-Büro wurde schon vor einigen Wochen geschlossen. Ich merke Piela an, dass ihm die vergangenen Monate nicht leicht gefallen sind. Aber auch, dass er die Zeit genutzt hat, um über das Scheitern zu reflektieren.

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Warum Avuba letztendlich aufgeben musste? Er denke, es habe an klassischen Management-Fehlern gelegen, hatte mir Piela schon vorab per Email geschrieben. Nun erklärt er, was er meint: „Ich habe es nicht geschafft, das Team so aufzustellen, dass wir meine Vision eines guten Produktes umsetzen konnten.“ Er als Mitgründer und CEO hätte besser mit allen Beteiligen kommunizieren sollen, sagt er. Etwa, was es zu erreichen galt, damit das Unternehmen erfolgreich sein kann. Oder was es für das Erreichen der Ziele im Unternehmen braucht. „Und in dem Moment, in dem das nicht geschehen ist, habe ich zu spät Konsequenzen daraus gezogen.“

Jonas-Piela-Avuba-Scheitern-3Schnell wird im Gespräch klar, dass die mangelhafte Kommunikation für Piela nur ein Aspekt bei der Fehlersuche ist. Er hat sich Papier und Stift geholt, um seine Gedanken zu verbildlichen.

Er zeichnet einen Zeitstrahl und erzählt von den einzelnen Projekten seines Gründer-Lebens. Vom Abstand, den er zwischen dem Berufsleben und sich selbst als Person bewahren möchte. Und vom Scheitern als eine Erfahrung, die ihn zwar beeinflusst und aus der er gelernt hat, die ihn aber nicht bestimmen oder definieren soll.

Dann kommt er zum grundlegenden Problem, das sein Startup vor allem in den letzten Monaten geprägt hat: „Als CEO hast Du verloren, wenn die Mitarbeiter Dir nicht vertrauen“, sagt Piela. Auch gegenüber seinem Mitgründer Oliver Lukesch gelte das. Spannungen zwischen beiden Gründern seien nicht immer ausgeblieben. „Er hat mir wahrscheinlich nicht mehr vertraut, nicht gedacht, dass ich einen guten Job mache. Und da hat er Recht gehabt.“ Wenn das Vertrauen fehle, werde alles hinterfragt und das lähme ein Unternehmen regelrecht.

Das Gründen will Piela aber nicht hinter sich lassen, auch wenn er jetzt erst einmal Banken bei der Digitalisierung berät, samt kleinem Team. „Ich möchte wieder CEO werden, es macht mir Spaß, Leute zusammenzubringen.“ Aber er will auch vieles anders machen: Dafür sorgen, dass alle nötigen Kompetenzen für Produkt, Technik und Marketing im Team vorhanden sind. Dass genug Geld da ist – die Kapitaldecke bei Avuba war eher dünn. Dass alle Partner wissen, was es bedeutet, mit einem Startup zusammenzuarbeiten. Und dass das Unternehmen strikter nach einem Plan arbeitet und bei den ersten Abweichungen die Konsequenzen evaluiert.

„Es ist nach wie vor Platz für ein gutes Produkt, das mehr als alle anderen Wettbewerber Wert auf hohe Qualität legt, besonders im Umgang mit dem Kunden“, erklärt Piela. Digitales Banking sei weiterhin eine seiner Leidenschaften, sagt er. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde.“ Wenn er neu gründet, will er sich deshalb wieder dem Bereich Fintech widmen. „Dann werde ich die Anfängerfehler vermeiden.“

Artikelbild: Chris Marxen / Gründerszene