Schweizer Startups

Noch vor einigen Jahren gab es wenig über Schweizer Internet-Startups zu berichten, dies hat sich offenbar geändert. Mittlerweile hat die Internet-Startup-Szene der Nachbarländer einiges zu bieten. Die staatliche Unterstützung für Gründer und innovative Ideen ist mittlerweile gut ausgebaut, die Kultur der Schweizer ist allerdings nicht wie in Berlin. Beim Swiss Web Startup Roundtable vergangene Woche im Berliner Soho House stellte das Zürcher PR-Hub Rollfeld gemeinsam mit dem Investorennetzwerk CTI Invest vor, was in der Schweizer Szene derzeit passiert. Auch einige Schweizer Gründer selbst, darunter der Business-Angel Christophe Maire, kamen zu Wort.

Die Schweiz: Nicht nur teure Uhren und Banken

Vor fünf Jahren hat Gründerszene über die schlechte Situation des Startup-Ökosystems in der Schweiz berichtet. Damals ging es noch um staatliche Unterstützung, die noch keine große Wirkung gezeigt hatte. Mittlerweile ist jede dritte Technologiefirma in der Schweiz ein Internetunternehmen, sodass Schweizer Wirtschaftsmagazin Bilanz. Doodle, das Tool zum Termineabstimmen, zum Beispiel, kommt aus der Schweiz und ist mittlerweile international bekannt.

Ziemlich deutlich sieht man die Vielzahl der Internet-Startups auch beim Top-100-Ranking von Startup.ch, dort wird jährlich ein Ranking der 100 besten Technologie-Startups der Schweiz gemacht. In dieser Liste findet man auch einige bekannte Unternehmen, wie: Paper.li, HouseTrip, GetYourGuide oder AppAware.

Schweizer Eidgenossenschaft als Inkubator

Während man in Deutschland mehr Unterstützung für Startups fordert, bietet die Schweizer Regierung genau dies bereits. Die Kommission für Technologie und Innovation (CTI) finanziert Weiterbildung und Unterstützung für Entrepreneurship. Im Jahr 2007 wurde über diese Schiene zum Beispiel eine Doku-Serie über Schweizer Startups im staatlichen Fernsehen der Schweiz ausgestrahlt, die der Szene viel Aufmerksamkeit gebracht hat.

Die Kommission selbst, welche Innovation schon seit kurz nach dem zweiten Weltkrieg unterstützt, hat die übergeordnete Rolle inne. Praktische Hilfe erhält das Startup-Ökosystem hauptsächlich von drei Organisationen, in Zusammenarbeit mit der Behörde: Venturelab, CTI Invest und CTI Startup.

CTI bildet Gründer aus

Venturelab und CTI Startup bieten Kurse für Studenten und Gründer und bringen ihnen bei, wie man Unternehmen aufbaut. Letztere Organisation funktioniert in dem System auch als eine Art Filter, weil Ideen eine Art Gütezertifikat bekommen können.

„Ohne dieses Zertifikat sind Investoren skeptisch, dann steht eben die Frage im Raum, wieso man das Zertifikat eigentlich nicht bekommen hat“, sagt Elia Palme, CEO der Schweizer App Newscron, beim von CTI mitorganisierten Swiss Web Startup Roundtable vergangene Woche im Berliner Soho House.

Hier kommt CTI Invest ins Spiel, die Organisation vernetzt Gründer und Investoren und zeigt Entrepreneuren, wie man einerseits Finanzierung bekommt, aber auch, wie man dann in der Praxis damit umgeht, zum Beispiel wie man richtig pitcht. Bisher ist CTI Invest vor allem ein Hub für Kapitalgeber und Startups, strebt aber an, eigenes Kapital zu bündeln. „Wir wollen aus CTI Invest das machen, was der High-Tech Gründerfonds in Deutschland ist, das ist unser Ziel“, erklärt Jean-Pierre Vuilleumier, Director von CTI Invest, beim Roundtable.

Nach der Zertifizierung durch CTI Startup werden Ideen indirekt unterstützt. Die öffentlichen Gelder gehen zuerst an Universitäten, die dann für Forschungsprojekte von Absolventen oder Studierenden genutzt werden. Das Geld geht also nicht, wie bei der Exist-Förderung, direkt an die Gründer, sondern wird von den Universitäten verwaltet und den jeweiligen Forschungsprojekten zugeordnet.

Präzision und Qualität – vielleicht manchmal zu viel davon

Die Schweiz kann ja kulturell nicht viel weiter entfernt sein, als sie es geografisch ist, könnte man meinen: Weit genug, um von der jeweils anderen Mentalität zu lernen. Beim Roundtable haben sich Gründer zu ihren Erfahrungen und Einschätzungen der Schweizer Startups geäußert.

Johannes Reck ist zwar kein Schweizer, hat aber in der Schweiz studiert und dort GetYourGuide (www.getyourguide.com) gegründet: „In der Schweiz hat man uns für unsere einfache Technik belächelt und in Berlin wurden wir als Hightech-Startup gelobt.“ Auch die rechtlichen Bedingungen in der Schweiz gefallen dem deutschen Gründer, dort braucht zum Beispiel generell keiner einen Steuerberater.

Unternehmensgründung in der Schweiz ist zudem mit weniger Bürokratie verbunden. Der Business-Angel und Txtr-CEO Christophe Maire findet hingegen, dass die Bürokratie in Deutschland mittlerweile kein Problem mehr darstellt und dass es ein Mythos sei, dass Gründung hier so kompliziert sei.

Christophe Maire kommt selbst aus der Schweiz und kennt die Gründer-Mentalität seiner Landsleute: „Swissness heißt, dass man auf Qualität achtet und nicht launcht, bevor das Produkt perfekt ist. Dieser Qualitätsanspruch ist am Markt aber leider nicht immer erwünscht. Man müsste den Perfektionismus der Schweizer mit der Leichtigkeit der Berliner oder der Furchtlosigkeit der Amerikaner kombinieren.“

Bild: grigoriprime auf Flickr