Scorp, Video, Social Media

Auf Scorp tauscht man sich per Selfie-Video aus

Videos sind gerade der Trend im Social Web. Facebook versucht schon länger, mehr Bewegtbild auf seine Plattform zu bringen, erst vergangene Woche öffnete das Netzwerk die Livestreaming-Funktion für alle Nutzer.

Wie Social Media nur auf Basis von Video funktionieren kann, das machen zwei Studenten aus der Türkei vor. Vor einem Jahr haben Sercan Isik und Izzet Zakuto in Istanbul die App Scorp gestartet – und inzwischen die eindrucksvolle Marke von 2,5 Millionen angemeldeten Nutzern erreicht, 800.000 sind regelmäßig – mindestens einmal im Monat – aktiv.

In Deutschland ist die App seit Mitte Februar live – und schon jetzt haben sich mehr als 50.000 Nutzer registriert, berichtet Sinan Keles, der für die Deutschland-Expansion zuständig ist. Dabei ist Scorp eigentlich ein eher schlichtes Produkt: Nutzer teilen Selfie-Videos von maximal 15 Sekunden und zwar nicht nur mit ihren Freunden oder Followern – sondern mit der gesamten Community. Strukturiert wird der Austausch wie einem traditionellen Internetforum über Diskussionsstränge. Eine Art Video-Reddit.

„Was machst du gerade?“, wäre so ein Headline-Thema, zu dem jeder sein Statement per Video in sogenannten Scorps abgeben kann. „Uns geht es um den Unterhaltungsfaktor, der über die reine Video-Interaktion stattfindet“, erklärt Keles. Nutzer sehen beim Öffnen der App zwei Feeds, einen mit den derzeitigen Top-Themen und einen mit abonnierten Headlines.

Die Scorp-Gründer Sercan Isik (links) und Izzet Zakuto

Den ersten Feed nutzt das Startup für die Monetarisierung. Die ersten beiden Headlines sind gesponsert – so hat zum Beispiel Nike während des Istanbul-Marathons im letzten Jahr mit der Community zu thematisch passenden Themen interagiert: Native Advertising im Video-Social-Network.

In der Türkei habe man mit derartigen Aktionen bereits über 600.000 Euro erwirtschaften können, heißt es vom Unternehmen. Ansonsten finanziert sich das Startup mit derzeit 30 Mitarbeitern über ein Angel-Investment über eine Million US-Dollar. Mit dem Kapital will Scorp auch in die USA gehen. Dass das ein ambitioniertes Ziel ist, wissen die Gründer. „Um ein Unicorn auf unserem Gebiet zu werden, muss man sich in den USA beweisen“, so CEO Sercan Isik zu Gründerszene. „Außerdem ist das der schnellste Weg, um globale Aufmerksamkeit zu bekommen.“

Um bekannt zu werden, setzt Scorp auf Kooperationen mit TV-Formaten. In der Türkei gab es bereits einen Deal mit einer Late-Night-Show, in Deutschland ist eine Zusammenarbeit mit dem Social TV-Sender Joiz geplant. Zuschauer sollen über die App direkt an einer Show teilnehmen und ihre Kommentare einspielen können.

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Für den schnellen Aufstieg in Deutschland ist aber Mundpropaganda verantwortlich: Unter Deutschtürken, die die App von Freunden und Familie aus der Türkei empfohlen bekamen, ist Scorp enorm populär.

Vor zwei Jahren hatte mit Pinio schon einmal ein Startup versucht, mit kleinen Videoschnipseln die Diskussionskultur anzuregen. Obwohl selbst Kanzlerin Angela Merkel einen Video-Beitrag postete, blieb App in der Beta-Phase stecken, virales Wachstum setzte nie ein.

Wer weiß, vielleicht kann das nun Scorp gelingen. Allerdings müssen die Macher der App bis dahin noch diverse Qualitätsprobleme in den Griff bekommen. In Googles Play-Store bewerten derzeit über 12.000 Nutzer die App eher negativ – dafür hat Scorp aber auch eine Menge eingefleischter Fans: Fast 13.000 mal gibt es die beste Bewertung mit fünf Sternen.

Bilder: Scorp / Screenshot