Daniela Koch ist 31 Jahre alt, lebt in Österreich und hatte bis vor kurzem einen Job nach dem anderen, der ihr keinen Spaß machte. Seit einem halben Jahr ist sie nun ihr eigener Chef. Und endlich zufrieden, sagt sie. Im Oktober gründete Koch den Online-Shop Second Passion und bietet dort gebrauchte Damen-Kleidung an.

Die Kleider für den Shop stammen derzeit häufig noch von Freundinnen oder Bekannten, die ihre Kleiderschränke aussortieren. Teilweise ist es aber auch Ware aus Nachlässen. Koch lagert die Kleidungsstücke momentan in ihrer 140-Quadratmeter-Privatwohnung ein, wo sie die Produkte abfotografiert und anschließend online stellt.

Der Shop, ein fertiges System, das sie mit eigenen HTML-Kenntnissen erweitert habe, umfasse derzeit 1.600 Artikel. Bis Ende des Jahres sollen es 10.000 sein. „Natürlich spiele ich in einer anderen Liga als Kleiderkreisel oder Mädchenflohmarkt“, sagt Koch. „Aber ich bin komplett eigenfinanziert, große Werbekampagnen kann ich mir einfach nicht leisten.“ Um ihre Bekanntheit zu steigern, will sie mit PopUp-Events in Österreich auf Tour gehen. Aber auch in Deutschland, dort sollen die meisten Kunden herkommen. Nur 30 Prozent der Bestellungen kämen aus Österreich, sagt Koch.

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Bereits in ein bis zwei Jahren möchte sie mit den Marktführern konkurrieren können. Und „in fünf Jahren will ich das Zalando für Secondhand-Mode sein“, gibt sich die Gründerin kämpferisch. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg: Bisher habe sie einen Umsatz im mittleren fünfstelligen Bereich erwirtschaftet. Allerdings arbeite sie bereits profitabel. Der nächste Schritt sei die Zusammenstellung eines kleinen Vertriebs-Teams. Auch die Produktfotos könne sie nicht mehr lange selber machen, sagt sie. Die Masse an neuen Produkten übersteige ihre Kapazitäten.

Eine Retouren-Rate, wie sie große Modeversender verzeichnen, habe ihr Shop nicht. Und darüber sei sie auch froh, das könne mit dem Gedanken von Nachhaltigkeit nicht in Einklang gebracht werden. Und dieser Gedanke sei der Gründerin sowohl privat als auch bei ihrem Geschäft wichtig: „Ich möchte, dass die Menschen merken, dass gebrauchte Kleidung genauso hochwertig sein kann, wie neue – und nicht nur etwas für Lumpensammler ist.“

Koch bekomme regelmäßig Anfragen, ob die Kleidung auch vor Ort angesehen werden könne. „Die Kunden sind bereit, 150 Kilometer zu fahren, um die Ware anzufassen und anzuprobieren“, meint sie. Deshalb baue sie gerade einen Showroom auf, der auch Platz für ein Lager und Büro beherbergen soll. Die neuen Geschäftsräume sollen in einem denkmalgeschützten Altbau im österreichischen Melk eröffnet werden. „Auch der ist quasi Second-Hand.“

Wie viele andere Gründer hat auch Koch eine Sieben-Tage-Woche. Aber sie bleibt gelassen, denn trotz des Drucks mache ihr die Selbstständigkeit deutlich mehr Spaß, als die langweiligen Jobs zuvor.

Bild: Daniela Koch