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CleanAgents-Gründer und -Geschäftsführer Sergiej Rewiakin (34)

„Startup-Held“ Sergiej Rewiakin im Interview

Die Putzkräftevermittlung ist einer der Online-Trends des Jahres. Immer mehr Menschen, auch Studenten, nehmen heute für die Wohnungsreinigung die Hilfe von professionellen Putzkräften in Anspruch. Gleich mehrere Jungunternehmen, wie Book A Tiger, Helpling und mittlerweile auch das US-Vorbild Homejoy, stellen dafür in Deutschland die passende Buchungsapp bereit.

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Sergiej Rewiakin hatte im Juni 2013 den deutschen Pionier im Segment, CleanAgents, gegründet. Für 12 Euro pro Stunde können Privatleute und Firmen über die Plattform Helfer – beziehungsweise Helferinnen, 85 Prozent der „Agents“ sind laut Unternehmensangaben weiblich – buchen. Das Startup ist mittlerweile in vier Ländern aktiv, beschäftigt aber noch wie zur Zeit der Gründung fünf Mitarbeiter. Zuvor hatte Rewiakin den Dienstleistungsmarktplatz TurnYourTime gegründet und als Sales-Manager bei 9flats gearbeitet. In der Reihe „Startup-Helden“ spricht er über die wachsende CleanAgents-Konkurrenz und gibt Gründungstipps.

Wie bist Du auf die Idee zu CleanAgents gekommen?

Das war im Zug. Dort lernte ich ein paar Putzkräfte kennen, die täglich von Stettin in Polen nach Berlin reisten, um dort Wohnungen zu putzen. Nachdem ich mir ihre Geschichten angehört hatte, war ich davon überzeugt, dass es ein Problem gibt, das mithilfe einer einfachen Buchungsplattform gelöst werden kann.

Wie reagierst Du auf die Welle von Putzkraftvermittlungen, die nach CleanAgents in Deutschland gestartet ist?

Ich bin überrascht, dass sie sich so viel Zeit gelassen haben. Ich war fast neun Monate lang allein auf dem Markt. Es war klar, dass es früher oder später zu einem Umbruch in diesem veralteten Dienstleistungssegment kommen musste. Glücklicherweise war ich der Erste, was mir ein guten Lernvorteil verschafft hat, der mir nun wiederum dabei hilft, neue Kunden zu überzeugen.

Siehst Du neben der bereits kräftig expandierenden Rocket-Internet-Konkurrenz noch Chancen für CleanAgents und wie wollt Ihr Euch absetzen?

Seitdem die anderen Unternehmen in den Markt einstiegen, haben wir unsere Umsätze beinahe verdreifacht. Es ist sehr teuer, einen Markt aufzubauen. Die mediale Aufmerksamkeit und verschiedenste Kundentests helfen uns enorm dabei, in neue Städte zu expandieren und mehr Putzkräfte zu erreichen, die über die Plattform vermittelt werden wollen. Das riesige Marketing-Budget von Rocket Internet führt dazu, dass wir kreativer sein und weniger kapitalintensive Marketingkanäle erschließen müssen. Am Ende geht es darum, innovativ zu sein.

Welche Tipps gibst Du Gründern nach Deinen eigenen Erfahrungen mit auf den Weg?.

Habt keine Angst vor gewagten Ideen und davor, bestehende Produkte und Dienstleistungen neu zu denken. Deutschland ist ein sehr konservativer Markt, der Tausende Möglichkeiten zur Revolutionierung traditioneller Dienstleistungen birgt. Versucht, eure Idee so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen und euch auf den Vertrieb zu konzentrieren. Der Vertrieb ist der stärkste Innovations- und Kundenfeedback-Treiber. Die meisten meiner deutschen Freunde verfügen über eine ausgesprochene Ingenieurs-Mentalität und wollen ständig neue Dinge schaffen, schaffen, schaffen – ohne zu fragen, ob irgendwer es brauchen könnte.

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Ich mache genau das Gegenteil. Ehrlich gesagt habe ich CleanAgents erst aufgebaut, als wir schon 100 zahlende Kunden hatten, die wir über kostenlose Facebook-Werbung auf uns aufmerksam gemacht hatten und die wir mit Google-Kalender-Terminen koordinierten. Als mein Kalender keine freien Kapazitäten mehr aufwies, fingen wir an, ein ordentliches Buchungssystem zu entwickeln. Solltet ihr also planen, ein Startup aufzubauen, fangt bitte mit einem Problem an und fragt eure potenziellen Kunden, ob sie für eure Lösung zu diesem Problem zahlen würden. Scheitert ihr an diesem ersten Schritt, hat es keinen Sinn, Zeit für Technik, Marketing et cetera zu vergeuden.

Welche aktuellen Trends siehst du in der Internetwirtschaft?

Mit CareAgents haben wir uns bereits in den Bereich Pflegedienste vorgewagt. Ich glaube, dass es viele neue Märkte und Bereiche unseres Lebens geben wird, in denen schnelle, praktische Dienste von Nutzen sein werden.

Bild: Sergiej Rewiakin
Das Interview wurde in englischer Sprache geführt und aus dem Englischen übersetzt von Magdalena Räth.