Sex, Drogen und das Silicon Valley

Christian Grey kann den Unternehmern im Silicon Valley nicht das Wasser reichen. Fifty Shades of Grey mag bei Hausfrauen aus der Vorstadt Fantasien entfesselt haben – und die Nachfrage nach unkonventionellem Zubehör angekurbelt – doch im Silicon Valley gibt es bereits ein reiches Ökosystem sexueller Experimentierfreude.

Für die CNN-Money-Sendereihe „Sex, Drugs and Silicon Valley“ habe ich mich hinter verschlossene Türen gewagt, mich eingehend mit dem Lifestyle der High-Tech-Elite befasst und dabei von allen erdenklichen Experimenten erfahren, vom Swingen bis hin zu polyamoren Beziehungen.

Die Produktmanagerin Miju Han bezeichnet sich selbst als polyamor, ein Kunstwort, das „viele Lieben“ bedeutet. Sie hat nicht nur einen Verlobten, sondern führt nebenbei drei weitere Beziehungen. Und ja, alle wissen voneinander. Es sei ein Risiko, eine offene Beziehung zu führen, erzählte sie mir, doch in der Bay Area von San Franciscos sei der Appetit nach Risiko auch einfach größer.

Ich sprach zudem mit Chris Messina, der bei Twitter die Verwendung des Hashtags prägte. Er nutzt für Beziehungen eine datengesteuerte Herangehensweise. Angesichts der Statistiken, die belegen, dass viele Ehen mit Scheidung enden, resümiert er: Wieso solle man nicht andere Strukturen ausprobieren? Messina bezeichnet seinen Beziehungsstatus als „monogam-ish“, was so viel bedeutet, wie dass er in einer festen Beziehung lebt, jedoch Sex außerhalb dieser Partnerschaft haben kann. In San Francisco wird sogar ein Kurs „Monoga-maybe“ für Paare angeboten, die mehr über das Konzept nicht monogamer Beziehungen erfahren wollen..

Ich habe mich auch auf eine Swinger-Party in der High-Tech-Welt gewagt, auf der es vor Startup-Unternehmern nur so wimmelte. Erinnert sich noch jemand an die Schlüsselpartys, die Paare in den 1970er Jahren besucht haben? Für die modernen Swinger von heute ist das Smartphone der „Schlüssel“. Ben Fuller, der eine Veranstaltung namens „Bronze Party“ organisiert, erzählte mir, dass Paare, die seine Veranstaltungen besuchten, oft Apps nutzen würden, die ihren Partnertausch am Abend bestimmen würden.

Schon seit Jahrzehnten gibt es solche Lebensgemeinschaften, doch erst durch die moderne Technik wird diese Gegenkultur sichtbarer und alternative Beziehungsmodelle werden einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Apps wie Secret, die es ermöglichen, anonym Beiträge zu verfassen, oder Internetforen wie Reddit werden zu Plattformen, auf denen Leute offen ihre sexuelle Ausdrucksformen und alternative Beziehungsmodelle diskutieren. Messina erklärte mir dazu Folgendes: „Es bringt dir die Erkenntnis: Wow, du bist gar nicht so merkwürdig. Im Internet kann ich inzwischen wahrscheinlich 100.000 Leuten finden, die genau so denken wie ich, wohingegen ich vor ein paar Jahren noch der Ansicht gewesen wäre, ich bin der Einzige, der das tut.“ Sollte E. L. James eine High-Tech-Fortsetzung planen, könnte sie im Silicon Valley wohl jede Menge Inspiration dafür finden.


Außerdem aus der CNN-Reihe „Sex, Drugs and Silicon Valley“:

 

Dieser Artikel erschien zuerst bei CNN Money.