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Tobi Lütke, deutscher Gründer der kanadischen Software-Sensation Shopify

Im Online-Shop von Breitbart, der ultrarechten US-Nachrichtenseite, die dieses Jahr auch nach Deutschland expandieren will, kann man eine Menge trendiger Kleidungsstücke erwerben: ein T-Shirt im Hipster-Style zum Beispiel, das einwanderungswilligen Nicht-Amerikanern erklärt: „Stellt euch an!“ Oder ein Muscle-Shirt, auf dem mit einer fiktiven „Breitbart Border Wall Construction Company“ die von Präsident Trump geplante Mauer zu Mexiko gefeiert wird.

Der Shop ist für Breitbart eine wichtige Einkommensquelle, denn seit einer von der US-Kampagne Sleeping Giants angestoßenen Boykottaktion wollen immer weniger Firmen auf der Seite Werbung schalten. Das technische System hinter dem Shop stammt von einem kanadischen Unternehmen, das 2006 von zwei Deutschen gegründet wurde: Shopify. 2014 gelang dem Unternehmen ein erfolgreicher Börsengang, heute arbeiten mehr als 1.750 Mitarbeiter für die Firma der Gründer Tobi Lütke und Daniel Weinand und mehr als 325.000 aktive Shops sind an die Plattform angebunden.

Nun sieht sich Shopify mit einem rasant größer werdenden Proteststurm konfrontiert: Von dem Unternehmen und seinen Gründern wird verlangt, die Geschäftsbeziehung mit Breitbart zu beenden und damit dem „Hass-Medium“ nicht weiter zu helfen, Einnahmen zu generieren.

Deutschland-Start ungewiss

Obwohl Breitbart-Autor Milo Yiannopoulos gegenüber dem Economist angekündigt hatte, dass sein Medium noch im Januar nach Deutschland und Frankreich expandieren würde, ist in beiden Ländern bislang offenbar nichts passiert. Stattdessen wurde die Expansion sogar erschwert: Aktivisten kaperten in beiden Ländern die entsprechenden Domains. So sind beispielsweise Breitbart.de, Breitbart-News.de, Breitbartnews.de sowie Breitbartnewsnetwork.fr und Breitbartnews.fr inzwischen vergeben, teilweise leiten die Webseiten auf Anti-Rechts-Initiativen weiter.

Schon im Januar gab es eine erste Petition, die diese Forderung unterstützte; sie liegt im Moment bei mehr als 23.000 Unterschriften. Weil sich Shopify weigerte, dem nachzukommen, verschärften die Aktivisten den Ton: Inzwischen werben Unterstützer der Kampagne mit dem Hashtag #DeleteShopify sogar dafür, auf andere Shopsysteme umzusteigen. „Shopify profitiert ganz konkret von den angebotenen Waren, die fremdenfeindliche und rassistische Ideale propagieren“, heißt es in einem Statement der Sleeping-Giants-Initiative an das Vice-Portal Motherboard. „Das verletzt eine Menge Leute und entzweit unser Land. Niemand sollte davon profitieren dürfen.“

Bislang besteht das Unternehmen allerdings auf seiner Position: „Shopify wurde gegründet und arbeitet als eine Plattform, die Meinungsfreiheit voll unterstützt“, erklärte das Unternehmen gegenüber BuzzFeed. „Wenn wir anfangen, willkürlich Produkte und Händler von unserer Plattform zu entfernen, schaden wir diesem Grundwert und gefährden seine Unverletzlichkeit als treibende Kraft hinter unserem Unternehmen und der Gesellschaft im Allgemeinen.“

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Laut BuzzFeed ist diese Haltung aber auch unternehmensintern hochgradig umstritten. Demnach fordern Mitarbeiter seit Monaten eine eindeutige Antwort auf die Frage, mit welcher Art von Kunden Shopify nicht zusammenarbeiten würde. Eine Gruppe von Angestellten soll einen offenen Brief an CEO Tobi Lütke verfasst haben, in dem eine neue Haltung zu Hatespeech gefordert wurde. Doch Lütke habe ablehnend reagiert, heißt es.

Dabei tritt der Gründer öffentlich sonst eigentlich für liberale Werte ein. Nach dem US-Einreiseverbot für Menschen aus sieben muslimischen Ländern unterschrieb der Shopify-Chef einen Brief an die kanadische Regierung und forderte, dass diese betroffenen Reisenden Notfall-Visa ausstellte. Doch an der Unternehmenspolitik von Shopify will Lütke bislang nichts ändern.

Bild: Shopify