OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Die Yeay-Gründerin Melanie Mohr auf der Online-Marketing-Rockstars-Konferenz

Laut einem Sprichwort sagt ein Bild mehr als 1.000 Worte. Ein Video müsste dann ein Vielfaches dessen aussagen. Das ist zumindest die Meinung der Gründer der Shopping-App Yeay. Auf der Plattform können Nutzer Dinge verkaufen, die sie nicht mehr brauchen oder die sie selbst hergestellt haben. Dinge wie alte Taschen, Comic-Hefte, Ketten, Bettwäsche oder selbst designte Pullis – also Waren, die man auch auf einem Flohmarkt finden würde. 

Im November 2015 haben Melanie Mohr und Ben Hochberg das Unternehmen in Berlin gegründet. Mehr als 30 Mitarbeiter arbeiten dort mittlerweile. Heute gibt es die App in 19 Sprachen, sie ist weltweit erhältlich. Die aktuellen Kundenzahlen will die Gründerin nicht verraten, sie spricht aber von Tausenden von Verkäufern, darunter 700 Markenherstellern – und von rund 500.000 Video-Views in der Woche.

Hier erzählt sie, woran die Firma gerade arbeitet und wie sie mit den Videos mal Geld verdienen will.

Anzeige
Wie kamst Du auf die Idee für Dein Startup?

Ich habe 20 Jahre im Filmbereich als Produzent gearbeitet, kannte mich also mit Storytelling und bewegten Bildern aus. Eines Tages sah ich mir den Videoshopping-Kanal von Judith Williams an. Der läuft sehr erfolgreich. Ich dachte mir aber, dass diese Art von Videoshopping für die Generation meiner Teenager-Kinder nicht mehr funktioniert. Ich fragte mich: Was wäre, wenn Snapchat und Ebay Kleinanzeigen ein Baby bekommen würden? Der Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen. 

Was ist eure Zielgruppe?

Im engsten Sinn richten wir uns an die 12 bis 18-Jährigen. Also an die sogenannte Generation Z oder auch Generation Selfie, wie man sie manchmal nennt. Wenn man es ein bisschen weiter fasst, könnte man die 10 bis 25-jährigen einbeziehen. Und auch einige Markenhersteller verkaufen über unsere App.

Kinder verdienen kein eigenes Geld gelten jetzt nicht als sehr kaufkräftig. Warum glaubst du trotzdem, dass eine Shoppingplattform für sie funktionieren kann?

Das stimmt, allerdings haben meine Kinder den Zugang zu meinen Kreditkarten. Sie können damit in Absprache mit mir einkaufen. Und so handhaben es viele Familien, die ich kenne. 

Außerdem ist es unsere Kernzielgruppe gewöhnt, jeden Tag Videos mit ihrem Handy zu produzieren. Viele Jugendliche sind sehr unternehmerisch und kreativ veranlagt, sie kreieren ihre eigene Marke. Wir bieten ihnen eine Plattform, auf der sie sich ausleben oder auch einfach nur ihre alte Jacke verkaufen können, um das Taschengeld aufzubessern. Außerdem muss man ja auch nicht immer etwas verkaufen. Die Videos können einem auch einfach so gefallen. 

Woran arbeitet ihr gerade?

Wir sind im Januar aus der Betaphase rausgegangen und waren „Featured App“ im App Store, was uns natürlich gefreut hat. Jetzt arbeiten wir gerade daran, den Kunden zu vermitteln, wie ein gutes Produktvideo aussieht. Das funktioniert nämlich anders als Werbung. Die Jugendlichen wissen das zwar meist, aber gerade die Unternehmen brauchen da oft noch ein bisschen Hilfe. In den vergangenen Wochen haben wir immer wieder von vielen Marken diesbezüglich Anfragen bekommen. Dieses Wissen zu verbreiten ist unsere nächste große Aufgabe.

Was macht denn ein gutes Produktvideo aus?

Es muss wie eine Empfehlung von einem guten Freund daherkommen, aber gleichzeitig auch kreativ und im Idealfall auch lustig sowie ehrlich sein. Und klar: Man muss einen guten Überblick über das Produkt bekommen, man will es von allen Seiten sehen. Einer der häufigsten Fehler ist, dass die Leute das Video einen Tick zu kurz aufnehmen, mehr wie ein Foto, das man dem Kunden zwei, drei Sekunden vorhält.

Viele wollen sich das Produkt schon richtig anschauen  können. Sie wollen Kontext, verstehen, wer es verkauft und sehen, für was für eine Marke es steht. Wenn man das mit Gefühlen und Informationen in einem Video übermitteln kann, erzielt man auch einen höheren Kaufpreis oder verkauft es schneller. 

Anzeige

Derzeit nehmt Ihr noch keine Gebühr für die Plattform. Wie wollt Ihr damit mal Geld verdienen?

Wir haben Ende letzten Jahres in einer Seedrunde Kapital im einstelligen Millionenbereich gesammelt. Der Hauptinvestor war Grazia Equit. Und diesen Sommer wird es noch eine Series-A-Runde geben. Klar, wir haben auch eine Strategie, wie wir mal Geld verdienen wollen. Sonst würden wir ja kein Investment bekommen. Irgendwann werden wir sicher eine Kommission nehmen, also einen bestimmten Satz für ein verkauftes Kleidungsstück.

Aber derzeit setzen wir erstmal alles auf Wachstum. Während die meisten Marktplätze lokal launchen, haben wir vom ersten Tag an global gedacht. 

Bild: Anne-Katrin Schade