Das Siccas-Guitars-Management: Manuel Luchena, Mirco und Manuel Sicca (von links). Das Unternehmen aus Karlsruhe belegt im Gründerszene-Ranking der am schnellsten wachsenden Unternehmen Platz 7.

Ein Musikinstrument ist ein sehr persönliches Ding. Musiker spüren intuitiv, ob ein Instrument zu ihnen passt oder nicht. Sie können aber nur selten erklären, warum es ihnen ausgerechnet diese eine Gitarre angetan hat. Man denke nur an Brian May von der Gruppe Queen, der sich als Jugendlicher mit seinem Vater eine Gitarre gebaut und dieses Instrument seitdem nicht mehr aus der Hand gelegt hat. Oder Paul McCartney, der seit mehr als 50 Jahren auf ein eigenwilliges Bass-Modell der deutschen Marke Höfner vertraut, das er sich zum ersten Mal als junger Mann in Hamburg gekauft hat. Muss man ein Instrument spüren, wenn man es kaufen will?

Wenn man sich die Zahlen des Gitarrenhändlers Siccas Guitars anschaut, heißt die etwas überraschende Antwort: nein! 80 Prozent aller Gitarren werden hier über das Internet verkauft, fast alle Gitarrenverkäufe im Laden kommen durch die Webpräsenz zustande. Die Hälfte der Gitarren wird in die USA, den asiatischen Raum und nach Russland ausgeliefert. Die andere Hälfte findet Kunden in ganz Europa. Vor allem klassische Konzertgitarren gehen über den virtuellen Ladentisch. Vereinzelt auch Western- und Elektrogitarren. Auch gebrauchte Instrumente und echte Museumsstücke sind erhältlich.

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Siccas Guitars aus Karlsruhe setzt im Gegensatz zur Konkurrenz auf hochwertige und seltene Gitarren, die auf der Website und über Social-Media-Kanäle angeboten und vorgestellt werden. Mitgründer Manuel Sicca: „Für Händler, die Massenprodukte anbieten, sind transparente Preisvergleiche im Netz natürlich geschäftserschwerend.“ Für Nischenprodukte ist der Effekt genau gegenteilig. Mit Präsenz in den Kanälen des Netzes eröffnet sich ein weltweiter Markt. Sicca: „Man muss ganz klar sagen, dass das Internet in einem Nischenmarkt den Absatz von Produkten erheblich erleichtert.“

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Siccas Guitars ist in Europa nach eigener Aussage der größte Anbieter für klassische und historische Gitarren. Laut Sicca gebe es noch ein paar kleinere Gitarrenläden, die ab und zu interessante Instrumente, aber ein deutlich bescheideneres Angebot führen. Spitzeninstrumente in dieser Menge seien nur bei Siccas Guitars erhältlich. Der Kunde kann sich liebevoll produzierte Videos auf Youtube anschauen. Hier werden die Instrumente von meisterhaften Musikern vorgestellt. Dazu gibt es gepflegte Auftritte auf Facebook, Twitter und Instagram.

Die Brüder Manuel und Mirco interessierten sich schon in ihrer Jugend für Gitarren. Auch für die Geschichte und den Bau der Instrumente. So entstand eine große Sammlung und schließlich die Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Manuels Schwerpunkt liegt im Aufbau und der Erweiterung der Webpräsenz, in der Kundenakquise und im Social-Media-Bereich. Mircos Schwerpunkte im Unternehmen sind das Finanz-, Kunden- und Unternehmensmanagement.

Manchmal fällt es den Brüdern und ihren Angestellten schwer, sich von Instrumenten zu trennen, die sie irgendwo für ihre Kunden aufgespürt haben. Denn wenn ein Musiker sich erst mal in ein Instrument verliebt hat, ist es nicht einfach für ihn, sich wieder davon zu trennen.

Bild: Siccas