Sid-Gruender

Drei von vier Sid-Machern: Toine Diepstraten, Henri Hagenow und Nils Krüger (von links)

„Nachrichten, die du in diesem Chat sendest, sind mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt“, heißt es seit einiger Zeit in WhatsApp-Chats. Damit ist für viele die private Kommunikation – zumindest ein bisschen – sicherer geworden. Umso mehr verwundert es, dass etablierte Software für die Geschäftskommunikation wie Slack oder HipChat noch keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung integriert haben. Und das, obwohl es im professionellen Umfeld mindestens genauso wichtig wäre, Informationen ungesehen auszutauschen.

Dass nun auch ein deutsches Startup einen solchen Dienst anbietet, überrascht wenig. Schließlich sind den Deutschen ihre Daten heilig. Spherebox heißt das Berliner Unternehmen, das mit seinem Team-Kommunikations- und Dateiaustausch-Tool Sid eine Art deutsche Antwort auf Slack entwickelt. Das Programm ist vor zwei Monaten auf den meisten Betriebssystemen an den Start gegangen.

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Zur Datenübertragung setzt Sid auf die Peer-to-Peer-Technologie (P2P). Server stellen dabei lediglich eine Verbindung zwischen den eigenen und den Geräten der Kollegen her, die Daten werden nicht auf einem Server oder in der Cloud gespeichert. Alle Inhalte und Texte werden über individuelle Schlüssel chiffriert und erst beim Empfänger mit darauf passenden Schlüsseln wieder decodiert. Erzeugt werden diese Schlüssel direkt auf den Geräten der Nutzer.

Zum Slack-Vergleich, dem Marktführer aus den USA, der nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt ist, sagt Spherebox-Mitgründer Nils Krüger: „Slack hat tolle Features, aber einige Sicherheitsprobleme, die wir mit unserem Ansatz vermeiden können.“ Die Beta-Version ihres Tools habe noch nicht den Funktionsumfang von Slack, doch man arbeite daran, die jetzige Basis-Technologie zu erweitern. So wolle man etwa die gemeinsame Verwaltung von Aufgaben verbessern, Mitarbeitern die Möglichkeit geben, Aufgaben zu verteilen und einen verschlüsselten Kalender einrichten, der von allen Mitgliedern eines Teams genutzt werden kann.

Toine Diepstraten, Mitgründer und Mitgeschäftsführer von Spherebox, brachte einst auch Babbel mit auf den Weg. Im Sid-Kernteam arbeiten neben Krüger und Diepstraten auch Henri Hagenow und Klaus Voltmer.

Nun übernahm Diepstraten die Seed-Finanzierung des Startups. Derzeit, so Krüger, befinde man sich in Gesprächen mit weiteren Investoren. Später soll sich das Modell über einen Freemium-Ansatz finanzieren: In seinen Basis-Funktionen soll das Tool kostenlos bleiben, wer aber mehr Geräte nutzen und bestimmte Formen von Teams anlegen will, müsse zahlen. Die erste Zielgruppe von Sid sind Startups.

Spherebox ist nicht das erste Unternehmen, das einen sichereren Slack-Nachfolger baut: Ein weiterer, kürzlich gestarteter Ende-zu-Ende-Dienst aus den USA ist ClearChat.

Bild: iKlick Fotostudio