rubin lind

Rubin Lind hat die Lern-App Skills4School gegründet

Die falschen Themen für die Klausur gelernt? Das ist ein Albtraum für viele Schüler. Rubin Lind ging selbst noch zur Schule, als ihm vor einem Jahr die Idee zu einer App kam, die Schüler mit Multiple-Choice-Fragen gezielt auf die nächste Klausur vorbereiten soll. Die Themen dafür legt der Lehrer fest.

Lind ist 17 Jahre jung – und Gründer und Geschäftsführer von Skills4School. Die Lern-App wurde zu Anfang von der Initiative Startup Teens unterstützt, Geld gab es für das gemeinnützige Unternehmen unter anderem von Stiftungen. Neben Skills4School leitet Lind die Firma ERC, die als Schulprojekt gestartet ist und Unternehmen in Energie-Fragen berät. Das Projekt entstand 2011 als Reaktion auf die Nuklearkatastrophe in Fukushima. Der Gründer im Gespräch.

Rubin, wie viel Digitalität steckt in unseren Schulen?

Schüler präsentieren zwar digital und suchen im Internet alles zusammen, aber ansonsten ist Digitalität im Unterricht oder Lernen nicht eingebaut. Und wenn doch, dann auf die Eigeninitiative der Lehrer hin.

Wie sähe für Dich der optimale digitale Unterricht aus?

Die Schule ist dafür da, dass man das Gespräch mit den anderen sucht. Das wird immer so bleiben, man wird nicht irgendwann nur noch vor dem PC sitzen und nicht mehr miteinander sprechen. Aber das Lernen nach der Schule ist noch zu analog.

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Abseits vom Lernen nach der Schule ist Dir der Unterricht also digital genug? Du brauchst nicht mehr iPads, mehr digitale Tafeln oder Whatsapp im Unterricht?

Nein, das ist kein Thema für mich. Es wird mehr Digitalität kommen. Aber es ist trotzdem wichtig, dass Schüler miteinander interagieren und sprechen, es Gruppenarbeiten gibt und wir weiterhin analog stattfinden.

Wie sehen das Deine Mitschüler?

Ich denke, sie sehen das ähnlich. Wir nutzen Handys und Computer ja schon in der Freizeit.

Mit Skills4Skool hast Du eine App für Klausurvorbereitungen entwickelt. Wie kam es dazu?

Ich saß in der Matheklausur und war verzweifelt, weil ich nicht wusste, welche Themen rankommen. Ich fragte mich, warum es keinen Weg gibt, sich so vorzubereiten, wie es der Lehrer erwartet und so dass niemand am Thema vorbei lernt. Und da es nichts gab, was meinen Vorstellungen entsprach, habe ich es einfach selber gemacht.

Über Deine App wählen Lehrer Themen für die nächste Klausur aus. Wie genau funktioniert das?

Die Themen für die nächste Klausur wählt der Lehrer auf unserer Webseite oder direkt in der App. Ich arbeite dazu mit Schulbuchverlagen zusammen. Der Lehrer muss dann nur noch die Jahrgangsstufe, den Schulbuchverlag und das Bundesland auswählen und kriegt dann Themen ausgespuckt. Unter diesen wählt er dann die passenden für die Klausur. Und bei Bedarf kann er eigene Fragen hinzufügen. Anschließend sind die Fragen über einen Code für die Schüler zu finden. Und im Schüler-Profil sieht der Nutzer, wie weit er schon gelernt hat, was noch bearbeitet werden muss und wo besondere Schwachstellen liegen.

Wie kommt die App bei den Lehrern an? Denn nur, wenn die mitmachen, funktioniert sie.

Richtig. Wirklich sinnvoll ist es, wenn die Lerninhalte von den Lehrern zunächst ausgewählt werden. Damit die App jedoch auch so genutzt werden kann, kann sich der Schüler die Themen auch selbst auswählen. Die jüngeren Lehrer sind sehr aufgeschlossen. Die älteren sind allgemein gegen Technik und Digitalität. Sie machen hauptsächlich Frontalunterricht und wenig methodisches Lernen, jedoch entwickelt sich der Trend momentan hin zum digitaleren Lernen. Unser Ziel ist es deshalb, auch die älteren Lehrer für die Plattform zu gewinnen, indem wir mit niedrigen technischen Hürden arbeiten, also viel mit nur wenigen Klicks umsetzbar ist.

Und wie wird die App von Deinen Mitschülern angenommen?

Die finden das klasse, da bekomme ich positives Feedback. Ich habe die Beta-Version der App auf dem Handy und lasse die immer mal wieder ausprobieren.

Derzeit ist die App noch in der Entwicklungsphase. Wo soll sie Ende 2017 stehen?

Da soll die App dann für die ersten Fächer auf dem Markt sein. Das werden vorerst Naturwissenschaften sein wie Mathematik, Biologie und Physik, weil die als Fragen am einfachsten zu integrieren sind.

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Du bietest die App kostenlos an. Warum?

Es geht mir dabei um Chancengleichheit, denn einige Schüler haben es durch ihre Eltern wesentlich schwerer im Bildungssystem. Eine Lernplattform, die Geld kostet, wird vorrangig von der Mittel- und Oberschicht in Anspruch genommen. Die bildungsferneren Schichten, welche die Förderung jedoch am meisten nötig hätten, haben keine Möglichkeit, diese zu beanspruchen.

Am 7. April war Dein letzter Schultag. Was machst Du jetzt?

Bevor ich jetzt ins Ausland gehe oder etwas anderes mache, werde ich mich wahrscheinlich in einem Coworking-Space ein Jahr in Vollzeit um die Firma kümmern. Danach werde ich dann wahrscheinlich studieren, um mir mehr Wissen anzueignen. Mein bisheriges Wissen für die Entwicklung der App habe ich mir selber beigebracht.

Und was willst Du studieren?

Es wird in Richtung Wirtschaft gehen, höchstwahrscheinlich Wirtschaftsingenieurwesen oder BWL. Ich bin noch dabei, mich für einen passenden Studiengang zu entscheiden.

Ist Skills4School trotzdem ein langfristiges Projekt?

Definitiv. Das ist kein Projekt für ein bis zwei Jahre. Das soll nachhaltig sein und sich weiterentwickeln. Zunächst geht es ja um das reine Abfragen der Schüler und das Überprüfen des Lernfortschritts. In naher Zukunft soll die Plattform Lernmöglichkeiten für alle didaktischen Lernmethoden bieten. Nutzer werden mit anderen Schülern kommunizieren und sich austauschen können, Zeichnungen zu Aufgaben anfertigen und somit motorisch lernen. Und auch Videos und Audiodateien helfen beim Lernen.

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Wie soll sich die App in Zukunft finanzieren?

Je mehr Schüler die App nutzen, umso mehr statistische Bildungsdaten entstehen, die wir verkaufen können. Das ist nicht nur für Schulbuchverlage interessant, weil sie so erfahren, wo die Schwachstellen in ihren Schulbüchern sind. Dafür gibt es in der App ein Analysetool, das auswertet, wo die Schüler Schwierigkeiten haben, wo sie länger brauchen. Neben den Verlagen ist auch das statistische Bundesamt an Daten interessiert, wie Schüler lernen oder wie ihre Leistung ist.

Wie hast Du Schule und Unternehmen unter einen Hut gebracht?

Ich habe mich nach der Schule bewusst hingesetzt und daran gearbeitet. Aber wenn eine E-Mail reinkam, habe ich natürlich nicht bis nachmittags mit der Beantwortung gewartet, sondern das schon in der Schule gemacht. Klar ist das in der letzten Zeit immer mehr geworden, aber deshalb bin ich jetzt umso glücklicher, dass ich mich voll und ganz auf Skills4School konzentrieren kann.

Kamen dadurch Freundschaften zu kurz?

Sie kamen zwar nicht zu kurz – aber natürlich hat man weniger Zeit für Freunde und Hobbies. Aber das nehme ich gerne in Kauf, wenn ich meine ganze Leidenschaft und Energie in so ein Vorhaben stecken kann.

Also ist Unternehmertum kein Hobby für Dich?

Das ist es natürlich (lacht). Sonst mache ich viel Sport, wie Tennis und Wakeboarden. Ich versuche, einen gesunden Ausgleich zu finden. Denn nur am PC zu sitzen, ist auch nicht gesund.

Glaubst Du, dass Unternehmertum in der Schule präsenter sein sollte?

Es gibt viele Berufsberatungen, man wählt aus zwischen Ausbildung oder Studium. Aber über Selbständigkeit wird nicht geredet. Das finde ich schade.

Bild: Skills4School