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Heutzutage ist ja alles Mögliche smart: Das Telefon natürlich, aber auch das SmartHome, bei dem der Kühlschrank neue Milch bestellt. Oder das schlaue Auto, das der Wohnungsheizung mitteilt, wann wir zu Hause sein werden und es warm haben wollen. Im vergangenen Jahr entdeckten eine Reihe von Startups den Koffer als nächstes Objekt, das dringend schlauer werden sollte. Firmen wie Bluesmart oder Raden brachten „Smart Luggage“ auf den Weg: Diese Gepäckstücke sind mit einem Sensor ausgestattet und teilen dem Besitzer mit, wo sie sich gerade befinden. Sie haben außerdem eingebaute Batterien, um das Handy aufzuladen und eine Waage, mit der man kontrollieren kann, wie schwer der Koffer ist.

Doch dieser Schnickschnack ist schon fast wieder veraltet, wenn man zwei Startups glauben darf, die beide die Zukunft des Koffers erschaffen haben wollen. Das erste ist das Chicagoer Startup Modobag mit seinem gleichnamigen Koffer, auf dem man sitzend durch den Flughafen fahren kann. Nummer zwei ist die Firma Cowarobot aus Shanghai mit dem Cowarobot R1, einem selbstfahrenden Koffer, der dem Besitzer wie ein treuer Hund auf Schritt und Tritt folgt.

Das Verkaufsvideo von Modobag verspricht nicht weniger, als „die Art und Weise zu verändern, wie Menschen auf der ganzen Welt verreisen“. Man sieht lachende Menschen, die in unwürdiger, zusammengekauerter Pose auf ihren Koffern über Straßen, Bürgersteige und durch Abflughallen fahren. Mit knapp 13 Stundenkilometern sei der Modobag dreimal schneller als Fußgänger, so die Firma.

Crowdfunding-Erfolg für den Autoscooter-Koffer

Wegen der zusätzlichen Elektronik hat der kleine Koffer (Maße: 56 Zentimeter Läge, 23 Zentimeter Breite, 36 Zentimeter Höhe) knapp acht Kilo Leergewicht. Tragen will man das Ding also vollgepackt auf keinen Fall. Als Handgepäck eignet es sich für Europa nicht. Lufthansa, Eurowings und Airberlin erlauben beispielsweise acht Kilo Maximalgewicht für Handgepäck. In den USA gibt es dagegen in der Regel keine Gewichtsbeschränkungen für Gepäckstücke in der Flugzeugkabine.

Laut Produktbeschreibung hat der Modobag außerdem rund 15 Prozent weniger Platz als ein Koffer vergleichbarer Größe und soll 995 Dollar kosten, umgerechnet 890 Euro. Trotzdem ist der Autoscooter-Koffer im Internet ein großer Hit. Innerhalb von zwei Monaten sammelte Modobag auf der Crowdfunding-Webseite Indiegogo 369.649 Dollar – über sechsmal mehr als die Firma ursprünglich als nötiges Startkapital berechnet hatte. Im Februar 2017 sollen die ersten Modobags ausgeliefert werden.

Dank GPS-Chip weiß der Koffer, wo sich Herrchen befindet

Ähnlich erfolgreich lief die Finanzierung des selbstfahrenden Koffers Cowarobot R1. Exakt 514.039 Dollar sammelten die Chinesen bei Indiegogo ein und damit fünfmal mehr als benötigt. Die Firma will das gleiche Problem lösen, allerdings auf eine andere Weise. Auch der Cowarobot ist für Menschen gedacht, die ihren Koffer weder schleppen noch durch die Gegend ziehen oder schieben wollen. Allerdings erspart einem der Cowarobot, sich dafür auf seinen Koffer hocken zu müssen. Stattdessen soll der Cowarobot dem Besitzer wie ein wohlerzogenes Haustier folgen. Der Vorteil: Man hat die Hände frei für seinen Kaffeebecher oder das Handy, darf beziehungsweise muss dafür aber noch selber laufen.
Von der Größe entspricht der Cowarobot in etwa dem Modobag, ist jedoch mit fünf Kilogramm etwas leichter. Der Frühkäuferpreis lag bei 429 Dollar, soll später serienmäßig dann bei 700 Dollar liegen. Die ersten Lieferungen sind für Oktober geplant.


Laut Webseite ist der Koffer mit einem Sonar, Kameras, Lichtsensoren und einen GPS-Chip ausgestattet. Der Chip ist mit einem Armband verbunden, das der Kofferbesitzer tragen muss. So weiß der Koffer, wo Herrchen sich befindet. Die anderen Sensoren sollen verhindern, dass der Koffer gegen ein Hindernis prallt oder eine Treppe herabstürzt. Sollte man den Folgemodus des Koffers ausgeschaltet und dann das Gepäckstück irgendwo vergessen haben, reicht ein Knopfdruck auf dem Armband und der Koffer setzt sich in Bewegung, um Herrchen zu finden. Klingt alles zu praktisch, um wahr zu sein. Die Firma muss aber noch beweisen, dass es tatsächlich auch funktioniert.

Dieser Text erschien zuerst in der Welt.

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Bild: Screenshot Youtube