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Die SmartLaw-Geschäftsführer Daniel Biene (o.l.), Christoph Herrlich (o.r.), Ralf-Michael Schmidt (u.l.) und CTO David Linner (u.r.)

Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Wir sind SmartLaw (www.smartlaw.de) und ermöglichen es Unternehmen und Privatpersonen, ihre Verträge und andere Rechtsdokumente einfach, schnell und sicher selbst zu entwerfen, ohne einen Anwalt bemühen oder auf riskante Mustervorlagen zurückgreifen zu müssen. Dem Nutzer werden am Bildschirm einfach verständliche Fragen gestellt, die er beantwortet. Sofort darauf erhält er sein individuelles Rechtsdokument.

Dahinter steckt ein Cloud-Dienst, der weltweit einzigartig ist und den wir in anderthalbjähriger intensiver Arbeit von Grund auf entwickelt haben. Die juristischen Inhalte werden dabei nicht von uns, sondern von sehr renommierten führenden Fachjuristen entwickelt und aktuell gehalten.

Wie seid Ihr auf Eure Idee gestoßen?

Das war ein längerer Prozess mit unterschiedlichen Erfahrungen, die wir gesammelt haben. Ich habe mich in meinen vorherigen beruflichen Stationen und auch privat immer sehr darüber geärgert, bei der Gestaltung von Rechtsdokumenten nur die Wahl zwischen wackligen „Quick-and-Dirty-Lösungen“ oder der umständlichen und vor allem teuren Zusammenarbeit mit Anwälten zu haben. Da ich (Daniel Biene) selbst ausgebildeter Anwalt bin und einen Hintergrund im Management von Medienunternehmen habe, wusste ich aber, dass es jedenfalls bei nicht extrem komplexen Dokumenten auch anders gehen kann.

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Christoph (Herrlich) war in einem Startup unter anderem für die Rechtsthemen verantwortlich und hatte ständige Bauchschmerzen, diese Aufgaben aus Zeit- und Geldmangel nie wirklich wasserfest lösen zu können. Und Ralf (-Michael Schmidt) kannte die Bedürfnisse aus der kaufmännisch-operativen Perspektive. Also haben wir gemeinsam mit unserem CTO David Linner überlegt, wie eine Lösung für das digitale Zeitalter konkret aussehen muss und technisch umzusetzen ist.

Was habt ihr Gründer vorher gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

Wir sind alle drei Rechtsanwälte, die schon seit vielen Jahren hauptberuflich nicht mehr als Anwälte, sondern im Management von Medien- und Technologieunternehmen arbeiten. Christoph hat vorher sechs Jahre lang sehr erfolgreich ein Software-Startup in München aufgebaut. Ralf war bei der Axel Springer AG im Bereich Controlling und Personal tätig. Und ich war zuletzt Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft der Axel Springer AG in den USA. Christoph kenne ich noch aus dem Hörsaal im ersten Semester, und Ralf habe ich bei Axel Springer kennengelernt.

Wie funktioniert das Geschäftsmodell? Und wie groß ist das Marktpotenzial?

Ganz einfach: Jedes Dokument hat bei uns einen Preis, den der Nutzer im Voraus kennt – im Gegensatz zur häufig schwierigen Preistransparenz beim Anwalt. Von diesen Erlösen bleibt ein Teil bei uns, und ein Teil geht an unsere juristischen Fachautoren. Zukünftig werden wir daneben auch Flatrate-Modelle anbieten. Der Markt für professionell erstellte Rechtsdokumente hat allein in Deutschland ein Volumen von mehr als fünf Milliarden Euro. Es geht also um alles andere als ein Nischenpotenzial.

Im Netz gibt es bereits zahlreiche Portale, auf denen man sich rechtsgültige Musterverträge kostenlos herunterladen kann. Warum sollte ein Kunde dann beispielsweise 49 Euro für einen Arbeitsvertrag bei SmartLaw bezahlen?

Wir bieten keine formularmäßigen Musterverträge, sondern auf die Bedürfnisse und die Situation des Nutzers maßgeschneiderte Dokumente. Da gibt es wenig Gemeinsamkeiten. Natürlich kann man auch Mustervorlagen nutzen, aber aufgrund der fehlenden Gestaltungsmöglichkeiten und der unklaren Qualität und Aktualität wird das letztlich schnell sehr viel teurer kommen.

Wie finanziert Ihr Euch?

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Mit Venture Capital. Nachdem eine Handvoll Business Angels sich bei uns engagiert haben, sind wir inzwischen eine Beteiligung von Holtzbrinck Ventures, Senovo und Florian Langenscheidt. Derzeit befinden wir uns in einer neuen Finanzierungsrunde, um gemeinsam mit den Bestandsinvestoren weitere Investoren an Bord zu holen, und werden diese Runde in wenigen Wochen schließen.

Gibt es ein großes Vorbild für Euch?

LegalZoom und Rocket Lawyer sind in den USA sehr erfolgreich und insofern sicherlich Vorbilder für uns. Deren Herangehensweise und Technik unterscheiden sich allerdings stark von uns, ebenso wie die Rechtssysteme und Rechtskulturen auf beiden Seiten des Atlantiks.

Stellt Euch vor, Ihr könntet ein Lunch gewinnen. Wen würdet ihr aus der deutschen Startup-Branche gerne mit an den Tisch holen?

Das ist wirklich schwer zu sagen. Gerade hier in Berlin gibt es so viele spannende und inspirierende Unternehmer. Wahrscheinlich würde es jemand sein, der etablierte Branchen oder Prozesse durch ganz neues Nachdenken auf den Kopf gestellt hat.

Wo steht Ihr heute in einem Jahr?

Wir werden das in den USA schon lange etablierte Konzept des „Online Legal Document Service“ auch in Deutschland ein großes Stück weiter ins Bewusstsein gerückt haben und der Marktführer in diesem Bereich sein.

Bilder: SmartLaw