Snapchat: Videos der Zeugenvernehmung aufgetaucht

Am Anfang ist oft alles ganz unverbindlich beim Gründen einer Firma: Man schließt sich drei, vier Wochen ein, programmiert ein bisschen rum, hat dann vielleicht eine App, lässt sie testen, macht ein bisschen PR. Manchmal steigt dann einer der Gründer aus, oder man streitet und trennt sich. Alles halb so wild bis – ja bis die Idee, die man hatte, ein paar Jahre später plötzlich mehrere Milliarden Dollar wert ist.

Darum stehen die beiden Snapchat-Gründer, CEO Evan Spiegel (Bild) und CTO Bobby Murphy, sowie die Investoren des Bildchenverschickers nun vor Gericht: Dorthin gezerrt hat sie Reggie Brown. Der behauptet, er habe die eigentliche Idee zu Snapchat gehabt. Jetzt verlangt er einen Anteil vom riesengroßen Kuchen. Drei bis vier Milliarden Dollar soll Snapchat wert sein – und das obwohl sich ihr Hauptprodukt ständig selbst zerstört: Über Snapchat lassen sich Bilder verschicken, die nach einer bestimmten Zeit wieder gelöscht werden.

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Nun hat die US-Website Business Insider Videos aus der Zeugenvernehmung zu dem Fall veröffentlicht. Und fasst die wesentlichen Kernpunkte zusammen. Danach sind sich die streitenden Parteien offenbar einig, dass die Idee mit den sich selbstzerstörenden Bildern tatsächlich von Reggie Brown stammt.

Im Sommer 2011 arbeiteten Spiegel, Murphy und Brown zu dritt an dem Projekt im Haus von Spiegels Vater. Anschließend muss es zum Streit zwischen Spiegel und Brown gekommen sein – und Brown war nicht mehr mit von der Partie.

In den Video-Mitschnitten, die Business Insider nun veröffentlicht hat, wird deutlich, wie Spiegel und Murphy die Sache sehen: Brown habe für seine Mitarbeit Kost und Logis und vor allem Erfahrung bekommen.

Brown hingegen sagt, er sei Snapchats erster CMO gewesen, was er durch Dokumente und Mails zu belegen versucht.

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Eines der Videos ist besonders, Spiegel wirkt sehr nachdenklich, die Sache scheint ihm nahe zu gehen: Als er gefragt wird, ob er bereut, Brown in das Projekt einbezogen zu haben, sagt er nach einer sehr, sehr langen Pause (37 Sekunden): „Das ist eine wirklich schwere Frage, denn es ist ganz klar, dass ich einen guten Freund verloren habe.“

Er bereue, Brown in das Haus eingeladen zu haben, ihm so viele Chancen gegeben zu haben. Brown habe seine Versuche großzügig zu sein ausgenutzt.

Welche Großzügigkeit, die Burger und das Bier?, fragt der Interviewer.

Spiegel: Die Großzügigkeit, dass Brown an so etwas mitarbeiten konnte.

Interviewer: Für kostenloses Essen und Bier, ja?

Spiegel: Für die Erfahrung, die er nicht hatte.

Interviewer: Bedauern Sie sein Vertrauen, dass er seine Idee mit Ihnen geteilt hat?

Spiegel: Nein.

Alle Videos gibt es beim Business Insider.

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von TechCrunch