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Der Guacamole-Gründer: Nicolaus Vorwerk wollte eigentlich Priester werden

Wer Nicolaus Vorwerk zu Avocados befragt, bekommt einen minutenlangen Vortrag. Die birnenförmige Frucht sei gesund, habe keinen Zucker, dafür aber gute Fette. Zudem ist sie die Hauptzutat in Guacamole die der Gründer seit drei Jahren unter der Marke Solpuro in mehr als 3.500 Märkten, unter anderem Edeka und Rewe, und an 1.000 Gastronomiekunden verkauft. Der erzielte Umsatz im Monat: 200.000 Euro.

Dabei wollte Vorwerk anfangs kein Unternehmer werden. Der gebürtige Chilene kommt zwar aus einer Kaufmannsfamilie, aber sein Traumberuf war ein anderer: Er wollte Priester werden.

Nach seiner Zeit bei der chilenischen Marine studierte er von 2006 bis 2010 Theologie und Philosophie in Santiago de Chile. Für seine Priester-Ausbildung ging er zwei Jahre in den Dschungel Paraguays. In einem Kloster bekam er eine Einführung in das religiöse Leben. Das Eremiten-Dasein soll zeigen, ob es das richtige für ihn ist. Dabei habe er sich viel mit sich selbst beschäftigt. Dass sei ihm besonders am Anfang sehr schwer gefallen, da es keine Ablenkung gegeben habe, erzählt er. Nach der Zeit im Dschungel arbeitete er ein halbes Jahr in einem Krankenhaus in Argentinien, er bediente und wusch die Patienten.

Aber dann brach er das Studium ab. „Als Priester ist man immer vorne, muss sich immer gut benehmen und ein Vorbild sein“, sagt Vorwerk. Das sei ihm einfach zu viel gewesen. Er wollte nicht immer im Mittelpunkt stehen, sondern lieber in der Masse untertauchen. Deshalb beschloss er, nach dem Theologie-Studium sein zuvor begonnenes BWL-Studium zu beenden. Für den Bachelor kam er nach Hamburg, auch hier hat er Familie.

2013 war der heutige Gründer gezwungen, sich einen Job zu suchen. Doch die Bewerbungen liefen schleppend, „weil ich schon 30 und meine Noten nicht gut waren“, sagt er. „Ich habe alles abgebrochen, was ich angefangen habe. Das hat den Firmen wahrscheinlich nicht so zugesagt”, erzählt er. Nach zahlreichen Absagen gerät Nicolaus Vorwerk zufällig an Don Limón. Eine kleine Firma, die sich auf den Handel von Früchten aus Indien und Mexiko spezialisiert hat. „Die haben es mit mir versucht, nach dem Motto: Mal sehen, was daraus wird.“

Aber nach drei Monaten wollte er wieder etwas anderes machen, obwohl er in der Firma glücklich gewesen sei, sagt er. Der Grund: Während seiner Zeit bei der Importfirma lernte er einen mexikanischen Familienbetrieb kennen, der Guacamole herstellt. Vorwerk ließ sich Proben nach Hamburg schicken und war so begeistert von dem Produkt, dass er sich sofort einen 20-Tonnen-Container davon liefert ließ  ohne einen Abnehmer zu haben. „Ich bin so“, sagt er. Das Geld für die die spontane Aktion kam von der Familie.

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Doch Erfolg hat er mit dieser Guacamole nicht, sie sei viel zu scharf und knoblauchlastig gewesen, erinnert er sich. Er wurde nicht alles los, viel ging an die Hamburger Tafel.

Aber Vorwerk glaubte an die Guacamole, deren Zutaten aus Mexiko kommen und die dort auch produziert wird. Er probierte weitere Rezepte aus und der Erfolg kam. Im zweiten Jahr verkaufte er bereits sieben Container. Im dritten waren es 30. Heute beschäftigt Vorwerk acht Mitarbeiter in Hamburg. Investoren hat er keine und soll es in absehbarer Zeit auch nicht geben, er kann sich selbst finanzieren. Das Unternehmen sei etwas persönliches, sagt er.

Von der Konkurrenz setzt sich die Solpuro-Guacamole unter anderem durch ein spezielles Hochdruckverfahren ab. Das sei zwar teurer als gängige Verfahren, dafür aber schonender und halte das Produkt länger frisch. Dadurch kann der Guacamole-Macher auf Konservierungsstoffe und Ascorbinsäure verzichten. Die würden den originalen mexikanischen Geschmack verfälschen, sagt der Gründer.

Einen Trick, um an die Supermärkte und Gastronomen zu kommen, gebe es nicht. Das kontinuierliche Wachstum habe vor allem einen Grund: „Telefonieren und Insistieren bis man umfällt.“ Und der Gründer will hoch hinaus: In einem Jahr will er möglichst in jedem deutschen Supermarkt vertreten sein. Schon heute liefert Vorwerk auch in die Niederlande, die Türkei und nach Norwegen. Und in ein bis zwei Jahren will er nach Dubai, China und Korea. Die Gespräche laufen bereits.

Auch mit den Zahlen ist Nicolaus Vorwerk noch nicht zufrieden. Der jährliche Umsatz von zuletzt etwa zwei Millionen Euro ist ihm zu wenig. Und als das Startup kürzlich einen Werbespot auf Youtube und Facebook veröffentlicht, der über eine Millionen Mal geschaut wird, freut sich der Gründer zwar, es sei sehr gut angekommen. Aber: „Es hätte noch mehr sein können.“


Video: Mit diesem Spot präsentiert sich Solpuro im Netz

Bild: Agora America