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SoundCloud könnte bald über eine Milliarde wert sein

120 Millionen US-Dollar an Kapital hat die Berliner Musikplattform SoundCloud seit ihrem Start 2007 schon eingesammelt – nun könnten noch einmal 150 Millionen dazukommen. Das berichtet das Wall Street Journal, demnach soll die Investmentbank Allen & Company die nächste Finanzierungsrunde betreuen. Die Bewertung von SoundCloud würde damit auf etwa 1,2 Milliarden Dollar ansteigen.

Dabei ist die letzte Kapitalspritze von 60 Millionen Dollar nur ein knappes Jahr her. Wofür braucht SoundCloud die nächsten Millionen?

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Zum einen sind da die Verluste, die das Startup weiter auffangen muss. Im Oktober wurden Geschäftszahlen für das Jahr 2013 bekannt: 23 Millionen Euro Verlust machte SoundCloud 2013, fast doppelt so viel wie 2012.

Noch teurer und drängender aber dürfte für SoundCloud das Thema Copyright sein: Mit wichtigen Rechteinhabern hat SoundCloud noch immer keine Lizenzvereinbarungen. Die aber sind nötig, wenn SoundCloud urheberrechtlich geschützte Inhalte monetarisieren will. An dieser Frage soll schon die im Frühjahr erfolglos verhandelte Übernahme durch Twitter gescheitert sein.

Immerhin: Seit Anfang November besteht zumindest mit einem der wichtigsten Musiklabels ein Deal: Die Warner Music Group von Len Blavatniks Access Industries erhält damit Lizenzgebühren für Songs aus der eigenen Bibliothek, sobald SoundCloud mit diesen Titeln Geld verdient – entweder über den regulär kostenfreien und werbefinanzierten Dienst, oder aber innerhalb eines neuen Abo-Services, der in der ersten Jahreshälfte 2015 starten soll.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene „Das Geschäftsmodell ist nicht das Endziel“ –
SoundCloud-COO Marc Strigel im Interview

Laut dem Wall Street Journal bekam Warner im Zuge des Deals zudem SoundCloud-Anteile im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Mit etwa 60 weiteren Rechteinhabern – kleineren Labels oder einzelnen Künstlern – sollen darüber hinaus bereits Vereinbarungen bestehen.

Doch mit den zwei größten Musiklabels der Welt, Universal und Sony, gibt es weiterhin keine Deals – die Verhandlungen sollen seit Monaten festgefahren sein. Mit dem frischen Kapital könnte SoundCloud die Entwicklung des Abo-Modells beschleunigen und damit wieder Bewegung in die Gespräche bringen; mehr Geld dürfte den Berlinern in den Verhandlungen zusätzlich einfach einen größeren Hebel an die Hand geben.

Der dritte Grund: Zwar hat SoundCloud in der Wahrnehmung des Startups nach den Worten von COO Marc Strigel keinen direkten Konkurrenten, doch insbesondere, wenn es um das Wachstum der Nutzerschaft und den Ausbau des Diensts geht, ist der schwedische Streaming-Service Spotify für die Zukunft ein ernstzunehmender Wettbewerber. Spotify zählt zwar nur etwa 50 Millionen Nutzer – SoundCloud stolze 175 Millionen –, aber das Startup aus Stockholm hat über 500 Millionen Dollar an Kapital eingesammelt, 2013 allein 250 Millionen. Auch hier hilft eine gut gefüllte Kriegskasse.

Bild: Hannah Löffler