Die SoundClound-Gründer Alex Ljung (links) und Eric Wahlforss bei der Deutschland-Launchparty für ihren Premiumdienst Anfang Dezember

Die Berliner Musikplattform SoundCloud hat 2015 über 50 Millionen Euro Verlust gemacht. Das geht aus dem heute im britischen Handelsregister veröffentlichten Geschäftsbericht hervor. Ein äußerst moderates Wachstum auf der Einnahmenseite und eine deutlich vergrößerte Belegschaft – vor allem im Produktbereich – ist dafür verantwortlich.

Exakt 51,2 Millionen Euro betrugen die SoundCloud-Verluste für 2015. Damit wurden die 39,1 Millionen Verlust aus 2014 noch einmal deutlich übertroffen. Der Umsatz wuchs um 22 Prozent auf 21,1 Millionen Euro an (2014: 17,4 Millionen). Weil der kostenpflichtige Abo-Dienst SoundCloud Go erst 2016 gelauncht wurde, stammen die Einnahmen 2015 vor allem aus Werbung.

In dem Geschäftsbericht macht die Unternehmensleitung deutlich, wie viel vom Erfolg von SoundCloud Go abhängt: „Die Annahme eines erfolgreichen Launchs des neuen Abo-Diensts ist das Schlüsselelement der Finanzplanung für die nächsten drei Jahre.“

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Ob der Premium-Dienst aber in den vergangenen Monaten für das notwendige Einnahmenplus gesorgt hat, ist mehr als unklar: SoundCloud macht keine Angaben zu zahlenden Nutzern, Experten gehen derweil von dramatisch niedrigen Abozahlen aus: Der Branchenanalyst Mark Mulligan schätzte die Zahl unlängst auf gerade mal 250.000. Zum Vergleich: Bei Spotify zahlen 40 Millionen Nutzer für die Premiumversion, bei Apple Music 20 Millionen. SoundCloud Go gibt es bislang in acht Ländern.

Der größten Kostenblock des Berliner Startups ist weiterhin die Belegschaft, die 2015 im Durchschnitt 295 Mitarbeiter stark war (gegenüber 236 in 2014). Der Aufwand für das Team betrug allein 35,6 Millionen Euro – im Vorjahr waren es „nur“ 24,6 Millionen Euro. Mit insgesamt 159 Mitarbeitern sind Produkt, Engineering und Design die wichtigsten Abteilungen.

Laut dem aktuellen Businessplan, so heißt es in dem Bericht, wird SoundCloud auch in den kommenden drei Jahren Verluste schreiben. Die große Frage aber ist, ob diese endlich verringert werden können. Ansonsten wird es für die Gesellschafter des Berliner Startups immer schwieriger, einen Käufer zu finden. Gerüchteweise soll aktuell auch der US-Tech-Gigant Google an einer Übernahme interessiert sein. Statt der bei den letzten Finanzierungsrunden aufgerufenen Bewertung von 700 Millionen Euro soll Google aber nicht bereit sein, mehr als 500 Millionen zu zahlen.

Bild: Getty Images / Matthias Nareyek