ruben gerlach

Ruben Gerlach entwickelt Spiele-Apps für das Smartphone. Aber im Gegensatz zur Konkurrenz will er nicht das nächste Pokémon Go bauen, sondern bietet klassische Kartenspiele wie Skat, Schafkopf oder Mau-Mau. Damit gehört Gerlach laut Mobile-Analyst App Annie zu den 25 erfolgreichsten App-Entwicklern in Deutschland.

Gerlach kündigte 2013 seinen Job als Lead-Entwickler, um sich auf sein jetziges Projekt Spiele-Palast zu fokussieren. Heute arbeiten neun Mitarbeiter für das Berliner Startup, dessen Umsatz sich jedes Jahr verdreifacht habe, so der Gründer. Den meisten davon erwirtschafte die App Skat-Palast. Die Spiele für Android, iOS, Facebook und Browser erreichen nach eigenen Angaben über 250.000 Spieler im Monat. Zwei neue Spiele befinden sich gerade in der Entwicklung, eines davon ist Rommé, das im Spätsommer fertig sein soll. Der Gründer im Gespräch mit Gründerszene.

Ruben, wie wurdest Du zum Spiele-Unternehmer?

Meine erste Zeile Code habe ich mit zwölf Jahren geschrieben. Das waren damals Text-Adventures. Mit 17 habe ich 3D-Programmierung gelernt. Ein richtiges 3D-Spiel zu machen, hat allerdings nie geklappt. Ich musste einsehen, dass ich mir immer viel zu komplexe Projekte vorgenommen habe. Und so bin ich zu Kartenspielen gekommen, denn das war ein Projekt, was für eine Person alleine zu stemmen ist.

Ist das trotzdem eine Herzensangelegenheit?

Ich habe den Traum, noch mal ein klassisches Rollenspiel zu machen. Aber auch eine Kartenspiel-Firma ist sehr erfüllend, weil es etwas eigenes ist.

Mit Deiner jetzigen Firma wirst Du so ein Projekt aber nicht umsetzen?

Nein, wir sind eine Kartenspielfirma, weil es zwischen den einzelnen Kartenspielen Synergieeffekte gibt. Wenn wir irgendwann zehn bis zwölf Kartenspiele und genug Ressourcen haben, dann würde ich gerne experimentieren.

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Welche Synergien sind das?

Wir haben ein Framework, also einen technischen Rahmen, entwickelt, das auf Kartenspiele spezialisiert ist. Wenn wir eine neue App entwickeln, müssen wir uns nur noch auf wenige Sachen konzentrieren, wie die Spielelogik. Die Kartendecks, der Shop, die Freundeslisten und die Logins sind schon da.

Wie unterscheiden sich Deine Spiele von der Konkurrenz?

Wir haben einen Fokus auf Online, die meisten Kartenspiele, die man anderswo bekommt sind aber offline. Man kann bei uns also synchron mit anderen menschlichen Spielern spielen, auch in Ligen und Vereinen. Bei der Konkurrenz spielt man gegen den Computer.

Deine Spiele können kostenlos gespielt werden, Premium-Features schlagen teilweise mit bis zu 350 Euro zu Buche. Wie kostenlos sind die Spiele wirklich?

Bei uns können Spieler mit Spielgeld spielen. Wenn das verspielt ist, dann kaufen sie sich mit echtem Geld neues oder warten bis zum nächsten Tag, da kriegen sie gratis neues. Es gibt aber auch kostenlose Tische, die eine Runde ohne Spielgeld spielbar sind. Bei uns spielt aber, wie bei allen anderen Free-to-play-Spielen, die große Mehrheit kostenlos.

Du bist damit sehr erfolgreich. Was ist Dein Geheimnis?

Gerade was mein erstes Projekt Skat angeht, lag es am Timing. Als ich anfing, hatte ich keine Ahnung vom Geschäft. Unser Glück war, dass die Leute direkt nach dem Titel gesucht haben, sie kannten das Spiel ja bereits. Wenn ich aber ein Spiel wie Candy Crush entwickle, dann brauche ich erst ein Marketingbudget, um es bekannt zu machen. Zudem gab es am Anfang auch noch keine große Konkurrenz.

Tauschst Du Dich mit den anderen großen Unternehmen in Deutschland aus?

Ich bin nicht so der Netzwerker, der sich auf den Meetups rumtreibt. Am liebsten sitze ich am Schreibtisch und arbeite an meinem Produkt. Wir haben ganz gute Kontakte zu einigen größeren Entwicklerstudios und Startups, aber die große Mehrheit hat uns sicher noch nicht wahrgenommen. Aber das muss ja kein Nachteil sein.

Du willst internationalisieren. Musst Du da zu anderen Titeln greifen?

Ja, Spiele wie Skat oder Schafkopf sind nur im deutschsprachigen Raum vertreten. Mau-Mau gibt es in zahlreichen Varianten in vielen Ländern, ist aber auch bei weitem nicht so international wie etwa Poker. Wir schauen mal, wie wir international abschneiden.

Bild: Spiele-Palast