Manfred Spitzer ängstig sich vor der Technik. Das Mikro ist okay.

Erst vor wenigen Tagen gab es einen Aufschrei – Wurst erhöht das Krebsrisiko. Das hatte eine Analyse der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergeben. Etwas versteckt im Handelsblatt von heute kommt der zweite Schlag in die Magengrube, man verschluckt sich glatt am Salami-Brötchen. Nun ist auch das Internet krebserregend, äußerte Manfred Spitzer, Hirnforscher an der Uni-Klinik Ulm, in dem Interview. So heißt es, die „digitale Revolution“ provoziere Schäden „von Depressionen bis zu Suchtsymptomen und von Schlaflosigkeit über Bluthochdruck bis zu Krebs“.

Der Professor führt aus:

„Es geht um chronischen Stress, der sich letztlich aus dem Gefühl des Kontrollverlustes speist, in diesem Fall der Angst, die digitalen Angebote nicht mehr zu beherrschen. Chronischer Stress regelt Verdauung, Wachstum und das Immunsystem runter und erhöht damit zwangsläufig die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung.“

Dafür verantwortlich sei eine „Kombination aus Internet, Smartphone-Siegeszug und einer nicht mehr berrschbaren Medienindustrie“, heißt es weiter. Wer denkt, dass es damit genug sei, hat sich getäuscht. Denn: Internet sei gefährlicher als Rauchen, mit dieser steilen These wirft Spitzer um sich. O-Ton:

„Nach der Auswertung von Hunderten neuer Studien sage ich Ihnen: Die Folgen der Digitalära sind weit schlimmer für die Menschheit, als es Nikotin je war. Schon jetzt sind global 4,5 Milliarden Smartphones verkauft. Wir reden von der Weltbevölkerung! Natürlich stirbt niemand unmittelbar wegen seines Handys,  aber es fällt ja auch niemand mit der Zigarette in der Hand und Krebs in der Lunge um! Es geht hier um die langfristige Wahrscheinlichkeiten, an stressbedingten Folgen zu erkranken.“

Also das Smartphone aus dem Fenster werfen und das Internetkabel aus der Wand reißen? Das findet der Professor auch nicht gut, denn er arbeitet jeden Tag damit. Stattdessen müsse man Kinder davor „schützen“ und die Nutzung bei Jugendlichen „dosieren“. Wirklich guten Rat, wie sich der tägliche Gebrauch einschränken lässt, hat der 57-Jährige aber nicht parat. „Ein Meeting, bei dem alle aufs Handy starren, könne Sie sich sparen“, ist einer seiner Tipps. Aha.

Anzeige
Nur weil ein Professor aus Ulm das Internet blöd findet, wird kein Jugendlicher das Smartphone weglegen. Vor allem, weil das Gerät mittlerweile ein elementarer Bestandteil unseres Lebens geworden ist.

Es gibt andere Wege – mit Hilfe der Technik. Beispielsweise lässt sich auf dem iPhone die Zugriffszeit auf Apps für Kinder beschränken. Statt die „Digitalära“ zu verteufeln, kann man also pragmatische Wege finden, mit neuen Technologien umzugehen. Beantworten beispielsweise Manager nach Feierabend noch E-Mails – wie in dem Interview angesprochen –, ist das nicht ein Problem der Technik, sondern eines der Arbeitskultur. Schließlich könnten sie auch Brieftauben schicken.

Spitzer verkürzt den digitalen Fortschritt auf eine Generation unkonzentrierter Digital-Addicts: So unterhalte sich ein Chirurg, den er kenne, während Operationen öfter mal mit den Assistenten. „Neulich hat er gefragt, wie lange der 30-jährige Krieg dauerte. Der Assistent habe geantwortet, er wisse es nicht, könne aber googeln.“

Wir überlegen unsere Artikel ab jetzt mit einem Warnhinweis zu versehen: „Bitte ausdrucken – das Lesen dieses Artikels ist sonst krebserregend.“

Bild: Youtube