Spoonflower_Printing

Die Fabrik von Spoonflower befindet sich wenige Blocks von der Sonnenallee in Neukölln entfernt, einem Berliner Bezirk, der sich im Wandel befindet. Das Gebäude selbst ist leicht zu übersehen, aber das Innere der 1.100 Quadratmeter großen Fabrik von Spoonflower sieht genauso aus, wie man es von einem handwerklich orientierten Startup erwarten würde: Überall gibt es leuchtende, schöne Farben und Muster.

Das Unternehmen, das seinen Kunden einzigartige digitale Designs von Herstellern aus der ganzen Welt verspricht, hat sich auf die Herstellung einer Vielzahl von Textilien wie Tapeten, Gewebe und Geschenkpapier spezialisiert.

„Als es an der Zeit war, nachzuforschen, wo wir uns für Spoonflower ansiedeln könnten, suchte ich nach einer kreativen Hauptstadt, in der es eine Mischung aus Technologie, Design und Mode gibt“, sagt CEO und Mitgründer Gart Davis in einem Interview mit Gründerszene. „Und wir wählten Berlin. Ich bin froh – wirklich aufgeregt -, dass wir es getan haben.“

Video: So sieht es bei Spoonflower in Berlin aus

Das war vor zwei Jahren. Seitdem blieb die amerikanische Textildruckfirma weitgehend unter dem Radar, obwohl sie ihre internationalen Aktivitäten mit einem Knall startete: Das Unternehmen, das ursprünglich aus Durham in North Carolina stammt, sammelte 25 Millionen US-Dollar ein, angeführt von North Bridge Growth Equity und Bull City Venture Partners, verrät Davis.

Im Werk Neukölln arbeiten 22 Mitarbeiter, die entlang des gesamten Produktionskreislaufs tätig sind: Aufträge, Versand, Marketing, Stoffherstellung. Von hier aus werden Aufträge nach Asien, in den Mittleren Osten, nach Europa, Afrika, Australien und Südamerika verschifft, erklärt Allie Tate, Marketing-Leiterin von Spoonflower. Im Jahr 2015 vermeldete das Unternehmen, dass etwa 30 Prozent seiner täglichen Aufträge außerhalb der USA versandt wurden.

„Die Sprache von Spoonflower ist Textildesign“, sagt Davis. „Es ist eine globale Sprache, also war es sinnlos, den Marktplatz und die Technologie von Spoonflower für Nordamerika einzuschränken.“

Davis, der die Fabrik regelmäßig aus den USA besucht, und sein Geschäftspartner Stephen Fraser planen eine Zeit lang von Berlin aus zu arbeiten. Sie haben einen 10-Jahres-Mietvertrag unterschrieben.

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Ein Grund dafür, dass Spoonflower in Deutschland vielen unbekannt ist, liegt laut Davis darin, dass sie die nächste „Marketing-Schwelle“ überschreiten, nämlich ein Einkaufserlebnis in anderen Währungen und Sprachen zu bieten. Ihre Website, die fast nur in englischer Sprache verfügbar ist und deren Preise in Dollar und die Maße in Yards statt in Metern angegeben sind, wird einer Überarbeitung unterzogen, um den europäischen Markt besser anzusprechen.

Spoonflower sei profitabel, sagt Davis in einem Interview mit Gründerszene. Konkrete Zahlen nannte er allerdings nicht. Dafür schloss der CEO aber weitere Investments in den USA oder Europa aus.

Mehr als Personalisierung

Textilien sind ein sehr altes Medium, sagt Davis. „In vielerlei Hinsicht ist es das letzte große analoge Medium.“

„Die langfristige Vision ist, dass all die Dinge, die wir mit Video, Audio und Büchern gesehen haben, irgendwann auch mit Textilien passieren werden“, erklärt Davis. „Das ist eine Explosion von Produktion und Kreativität – denn jeder kann auf die digitale Herstellung von Textilien zugreifen und es ist eine Explosion der Wahlmöglichkeiten für die Verbraucher.“

Die hauseigene Drucker Kornit Allegro, ein Riese mit einem Preis von rund 500.000 Dollar, ist auf den Direktdruck mit Sublimationstinten oder Druckfarben spezialisiert, die speziell für hohe Hitze- und Druckbelastung ausgelegt sind. Anstatt digitaler Übertragungstechniken, die das „Bedrucken von Spiegelbildern auf Transferpapier und die Übertragung des Bildes auf Polyestergewebe erfordern“, erklärt die Federation of European Screen Printing Associations (FESPA).

Der Direktdruck ist ein Trend in der Branche, denn er hat laut FESPA erhebliche Vorteile. Das Wichtigste ist die Fähigkeit, lokal zu drucken und kleine Auflagen zu produzieren – beides ist wichtig für das Geschäftsmodell von Spoonflower. Tausende Meter Stoff müssen nicht mehr bedruckt werden.

Die Kunden von Spoonflower bestellen durchschnittlich vier Meter, erklärt Tate. „Die Kosten für das Hinzufügen von mehr Farben zu einem Design ändern den Preis nicht. Der Preis ändert sich je nach Stofftyp“, fährt sie fort.

Basteln in Berlin

Berlin ist auch Sitz anderer handwerklicher Startups, wie die Platform Makerist und Etsy-Rivale DaWanda, der im Juni 2017 25 Prozent seiner Mitarbeiter entlassen musste.

In Deutschland hat Spoonflower rund 1.500 aktive Designer und 16.000 weltweit. Jeder Designer erhält 10 Prozent des Verkaufspreises des Stoffes, wenn das Muster verkauft wird.

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„Wir wollten ein besseres Angebot als herkömmliche Aufträge für Oberflächengestaltung. Wir wollten etwas Transparentes“, sagt Tate.

Davis sieht Spoonflower als einen Teil der „Maker Economy“, aber immer noch im Unterschied zu anderen Handwerks-Startups. Der offensichtlichste Unterschied: Im Gegensatz zu DaWanda und Makerist geht Spoonflower über den E-Commerce hinaus und arbeitet mit dem On-Demand-Produktionssektor zusammen. Etwas, was wir von einem deutschen Startup noch nicht gesehen haben.

Bild: Spoonflower