Seit gerade mal einem halben Jahr ist Spotcap am Markt. Die Online-Kreditplattform aus dem Hause Rocket Internet war im September 2014 gestartet – allerdings nicht in Berlin, wo es seinen Hauptsitz hat, sondern in Spanien. Die Zielgruppe des Startups: kleine und mittelständische Unternehmen. Die können bei Spotcap online Kredite zwischen 500 und 50.000 Euro bekommen.

Im Oktober sammelte das Startup der beiden Gründer Toby Triebel und Jens Woloszczak insgesamt 13 Millionen Euro ein, unter anderem von den alten Rocket-Bekannten Access Industries und Holtzbrinck Ventures. Damit sollte vor allem das Wachstum des Jungunternehmens finanziert werden. Nun folgt der nächste Schritt: Spotcap expandiert in die Niederlande.

Im Interview mit Gründerszene plaudert Spotcap-Mitgründer Toby Triebel über die die Expansion, ideale Kunden und die Konkurrenz.

Toby, wie bist du zu Spotcap gekommen?

Ich hatte schon länger die Idee dazu, etwas im Lending-Bereich zu machen, habe aber letztlich über Rocket die Möglichkeit bekommen, sie umzusetzen und Spotcap zu gründen und aufzubauen.

Wie kam es genau dazu?

Für mich persönlich kam der Kontakt zu Rocket direkt über Oliver Samwer zustande. Ich habe ihn in London kennengelernt. Wir haben uns ausgetauscht und der Plan zu Spotcap hat sich dann über einen längeren Zeitraum entwickelt. Das war ein Prozess. Und meinen Mitgründer Jens Woloszczak kannte ich schon aus London. Die Idee, das Ganze zusammen zu machen, hatten wir schon lange.

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Ihr sitzt in Berlin, seid aber nicht in Deutschland, sondern in Spanien gestartet. Weshalb?

Im Vordergrund steht dabei, dass es in Spanien unheimlich viele kleinere Unternehmen gibt – sogenannte MSMEs: Micro, Small, and Medium Enterprises. Das ist unsere Zielgruppe. Davon gibt es in Spanien mehr als drei Millionen. Aufgrund der kritischen Wirtschaftslage in Spanien ist es für diese Unternehmen nicht möglich, einfach zu einer Bank zu gehen und einen Kredit zu bekommen. Und da kommen wir ins Spiel. Aber auch in vielen anderen Ländern ist es für solche Unternehmen nicht einfach, eine Finanzierung zu bekommen. Der Mangel an Finanzierungslösungen für kleine und mittelständische Unternehmen ist weltweit ein Thema und wir wollen global präsent sein.

Gutes Stichwort. Gerade habt ihr die Expansion in die Niederlande bekannt gegeben. Warum sind ausgerechnet die Niederlande der nächste Markt, den ihr angeht? Warum nicht Deutschland?

In den Niederlanden ist die Situation ähnlich wie in Spanien. Es gibt dort mehr als 800.000 kleine und mittlere Unternehmen. Die niederländischen Banken können und wollen aber den Finanzierungsbedarf dieser Unternehmen nicht abdecken. Darüber hinaus gibt es in den Niederlanden weitestgehend keine alternativen Finanzierungsmöglichkeiten. Der deutsche Markt ist im Vergleich hierzu anders aufgestellt. Das Problem, das wir lösen wollen, gibt es in Deutschland so also nicht.

Schließt ihr Deutschland demnach komplett aus?

Nein, wir schließen es nicht aus, Deutschland ist aber auch nicht in der unmittelbaren Planung. Unser Fokus liegt momentan noch auf anderen Ländern – aber das könnte sich in der Zukunft ändern.

Bisher seid ihr aber erst in zwei Märkten. Wie ist denn der Wettbewerb in Spanien und in den Niederlanden?

Wir haben dort bisher nicht sehr viele Wettbewerber. Und die Banken sehe ich nicht als Konkurrenz, da sie allgemein weniger Risiko eingehen wollen – und können. Das Risiko für Banken ist eben umso größer, je kleiner das Unternehmen ist, das einen Kredit braucht. Und es ist natürlich eine riesige Chance für Unternehmen wie Spotcap, diese Lücke zu füllen. Ein, zwei direkte Konkurrenten mehr wären aber gar nicht so schlecht. Viele Unternehmen kennen unser Produkt noch nicht, wissen also gar nicht, dass sie online schnell und einfach einen Kredit aufnehmen können. Hätten wir ein paar Konkurrenten mehr, könnten diese uns die Informationsarbeit, die wir betreiben, auch ein Stück weit abnehmen.

Wie genau funktioniert die Kreditvergabe bei euch? Ich habe gelesen, dass alles in ein paar Minuten erledigt sein soll.

Genau, der Bewerbungsprozess für einen Kredit dauert nur wenige Minuten. Und die Kreditentscheidung bekommen die Unternehmen dann innerhalb von einigen Stunden. Diese basiert komplett auf unserem Algorithmus. Und im besten Fall hat der Unternehmer das Geld dann am nächsten Werktag auf dem Konto.

Auf welcher Datenbasis arbeitet euer Algorithmus?

Wir schauen uns eine Reihe von Daten an, die wir online beziehen können. Die sammeln wir von verschiedenen Quellen, die öffentlich zugänglich sind. Und wir fragen natürlich auch die Unternehmen nach Daten, die wir dann auswerten können. Da werden natürlich auch Informationen wie die Bonität abgefragt.

Okay, nehmen wir an, die Kreditbewerbung ist erfolgreich. Was kostet das Ganze dann für das Unternehmen? Mit anderen Worten: Wie verdient ihr Geld?

Unser Einkommen ist natürlich das Zinseinkommen. Wir geben variable Kreditlinien heraus, unter denen der Unternehmer dann den Kredit ziehen kann. Die Zinsen und die Kreditliniengebühren, die wir erheben, entsprechen der Kreditqualität. Die Zinsen beginnen in Spanien und in den Niederlanden bei 0,5 Prozent im Monat. Die Kreditliniengebühren werden in Spanien in den ersten zwei Monaten gezahlt und beginnen bei einem Prozent. In den Niederlanden werden die Kreditliniengebühren einmalig gezahlt und beginnen bei zwei Prozent. Je besser die Bonität des Unternehmens, desto weniger zahlt es dann auch. Es gibt also ein Ranking je nach Risiko.

Und wo liegen die Zinsen für ein Unternehmen im schlechtesten Fall?

Das möchte ich nicht angeben – die Banken verraten ihre Zinsobergrenzen ja auch nicht. Ich kann aber sagen, dass der durchschnittliche Zinsbetrag bei eins bis 1,5 Prozent liegt. Dieser hängt natürlich stark von der Bonität des jeweiligen Unternehmens ab. Was der Kredit tatsächlich kostet, steht dann in dem Vertrag drin, den das Unternehmen mit uns abschließt. Da fallen also auch im Nachhinein keine weiteren Kosten an.

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Welche Unternehmen bekommen bei euch keinen Kredit?

Wir sind insgesamt schon in der Lage, deutlich öfter Kredite zu vergeben als Banken.Wir schließen aber natürlich solche Unternehmen aus, die betrügerisch sind, also gar nicht erst existieren. Oder Unternehmen, die bankrott oder völlig überschuldet sind, das wäre fahrlässig – auch gegenüber unseren Investoren. Außerdem müssen Unternehmen, die sich bei uns um einen Kredit bewerben, schon mindestens neun bis zwölf Monate existieren, denn die Kreditentscheidung muss ja auf irgendwelchen Informationen beruhen, nicht einfach auf einer Vision.

Woher kommt das Geld eigentlich, dass Spotcap für die Kredite nutzt?

Das ist derzeit Eigenkapital, wir haben ja im vergangenen Jahr 13 Millionen Euro gesammelt, von Holtzbrinck, Access und anderen Investoren. In der Zukunft wird das auch Fremdkapital von institutionellen Investoren sein.

Welche Schritte sind als nächstes geplant?

Wir wollen weiterhin stark wachsen und expandieren. Die Expansion in den niederländischen Markt ist nach dem Launch in Spanien der erste Schritt unseres globalen Rollout-Plans. Es ist unser Ziel, in allen Ländern präsent zu sein, in denen ein akuter Bedarf an alternativen Finanzierungslösungen besteht.

Danke für das Gespräch, Toby!

Bild: Gründerszene / Lydia Skrabania