Der Kampf der Musikstreaming-Dienste ist in die nächste Runde gegangen. Anbieter und Nutzer sind sich einig: In Zukunft kommt die Musik aus dem Netz. Die Frage ist nur, wer sich den größten Teil des Geschäftes unter den Nagel reißen wird. Seit Apple Music im vergangenen Jahr mit einem Angebot gestartet ist, hat sich der Kampf noch verschärft.

Apples Musikstreaming-Dienst hat einen großen Vorteil: Er ist tief in die Betriebssysteme der Apple-Geräte integriert, alle Nutzer sind potenzielle Kunden. Die Kreditkarte ist per Apple-ID hinterlegt und der Weg bis zum zahlenden Streaming-Kunden ist nur einen Klick entfernt.

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Spotify hat den Vorteil, dass ein Grunddienst auch gratis genutzt werden kann. Das zieht vor allem junge Leute an, die dafür in Kauf nehmen, dass Werbung eingeblendet wird. Außerdem ist Spotify länger auf dem Markt und zählt als Marktführer 30 Millionen zahlende Kunden. Die Gesamtzahl der Nutzer ist unbekannt. Bei Apple sind es derzeit elf Millionen.

Dazu kommen als Konkurrenten noch YouTube, das in den USA gerade seine Musik-App gelauncht hat. Und Tidal von Rap-Star Jay-Z, das in seinem ersten Jahr die Marke von drei Millionen zahlender Abo-Kunden geknackt hat und mit besserer Soundqualität offenbar bei Musikenthusiasten sehr beliebt ist. 45 Prozent der Nutzer zahlen 19,99 Dollar pro Monat für höhere Übertragungsrate der Musikdateien.

Erst seit dieser Woche und bislang nur in den USA verfügbar ist SoundCloud Go. Der Dienst setzt als gebührenpflichtiges Premium-Abo auf die normale SoundCloud auf, mit 125 Millionen Songs verfügen Nutzer dort über eine besonders große Bibliothek.

Infografik: Spotify dominiert den Streaming-Markt | Statista

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In der Schlacht um die Marktherrschaft versucht Spotify nun, seinen Vorsprung zu sichern. Dazu hat sich das Unternehmen eine Milliarde Dollar bei Investoren geliehen, als Wandelanleihe. Ein mutiger Deal. Die Finanzinvestoren TPG und Dragoneer steigen mit 750 Millionen Dollar ein, die restlichen 250 Millionen Dollar kommen von Kunden der Bank Goldman Sachs. Dafür bekommen die Geldgeber die Möglichkeit, ihre Schuldpapiere in Spotify-Aktien umzuwandeln, wenn das Unternehmen im kommenden Jahr an die Börse geht. Je länger es bis zum Börsengang dauert, desto teurer wird der Deal für Spotify.

Mit der Milliarde will Spotify laut offizieller Begründung Wachstum und Marketing forcieren. Keine schlechte Idee. Denn wer am Ende auf dem Siegertreppchen im Streaming-Wettbewerb stehen will, muss jetzt schnell mehr Kunden anlocken und sie von den Vorzügen des Musikkonsums aus dem Netz überzeugen. Der Absatz ist zwar rückläufig, aber es werden weltweit immer noch sehr viele CDs verkauft – sogar die gute, alte Schallplatte verzeichnet einen Aufwärtstrend. Dazu hat der schärfste Konkurrent Apple fast unbegrenzte finanzielle Ressourcen, um seinen eigenen Dienst zu promoten. Ein bedrohlicher Gegner.

Laut Wall Street Journal besitzt Spotify derzeit Barreserven in Höhe von 600 Millionen Dollar. Braucht man da wirklich diesen riskanten Milliarden-Deal? Vielleicht stehen ja auch Zukäufe und Übernahmen auf dem Programm. Das könnte der Firma helfen, denn derzeit schreibt Spotify auf Kosten des schnellen Wachstums immer noch Verluste.

Telekom-Kunden mit Streaming-Option müssen sich übrigens ab Ende April auf eine Drosselung ihrer Spotify-Zugänge einstellen. Der Konzern hat angekündigt, ab dem 28. April mit dem Aufbrauchen des monatlichen Datenvolumens im Mobilfunk der Datenverkehr auch beim Musik-Streaming gebremst werden soll.

Bild: Attribution Some rights reserved by Kashirin Nickolai