Spotify Umsatz Ärger

Spotify expandiert weiter und erhöht den Verlust

Spotifys Wachstumspolitik mach sich bezahlt – derzeit allerdings nur hinsichtlich des Umsatzes. Dafür aber ordentlich, von 190 Millionen auf 435 Millionen Euro hat Letzterer sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Gleiches gelte auch für die Nutzerzahlen, die auf rund 24 Millionen „aktive“ beziehungsweise sechs Millionen bezahlende beziffert werden – 2012 war das Unternehmen auch in Deutschland, Australien, Neuseeland und Irland gestartet. Ende vergangenen Jahres hatte das zu einer Bewertung von drei Milliarden Dollar geführt.

Die Expansion hat man sich einiges kosten lassen. Stattliche 58,7 Millionen Euro Nettoverlust weist das Unternehmen aus, im vergangenen Jahr stand ein Verlust von 45,4 Millionen Euro zu Buche. Hierzulande hatte sich das Streaming-Unternehmen vor allem über eine Kooperation mit der Deutschen Telekom mehr Reichweite verschafft.

Stehen weitere Finanzierungsrunden an?

Bislang wird das 2006 von den beiden Schweden Daniel Ek und Martin Lorentzon gegründete Unternehmen unter anderem von Northzone, Kleiner Perkins Caufield & Byers, Accel Partners und DST finanziert. Knapp 300 Millionen Euro haben diese in den Streamingdienst gesteckt. Man könne nicht ausschließen, in der Zukunft mehr Geld für die Expansion zu benötigen, zitiert Reuters das Unternehmen. Vor Kurzem erst hat das Unternehmen nach Lateinamerika und Asien expandiert, Medienberichten zufolge arbeitet Spotify zudem an der Einführung eines Video-Streaming-Dienstes.

Ganz „ohne“ ist das Geschäftsmodell von Spotify allerdings nicht. Zwar behält das Unternehmen knapp ein Drittel der Einnahmen für sich, knapp 70 Prozent gehen an die Rechteinhaber. Allerdings sehen sich die Streaming-Dienstleister recht hohen Kosten für die Musiklizenzen gegenüber – hohe Nutzerzahlen sind also notwendig. Dem deutlich kleineren Wettbewerber Simfy hatte das zuletzt stark zu schaffen gemacht.

Einige Künstler beschweren sich

Bei den Künstern selbst landet allerdings ein viel kleinerer Teil der Einnahmen. Erst vor Kurzem gab es dahingehend Negativschlagzeilen. Ausgegangen sind diese von Thom Yorke. Der ist kein Unbekannter – wenn der Radiohead-Frontmann sich mit starken Worten gegen die Musik-Streaming-Dienste wendet, dann findet er Gehör. Und Konsequenz zeigt er auch: Sein Solo-Album The Eraser wie auch das Debütalbum seiner zusammen mit dem Produzenten Nigel Godrich gestarteten Atoms for Peace ist weder auf Spotify, Rdio oder Deezer zu finden.

Anzeige
Yorkes Anschuldigung auf Twitter: „Macht euch keine Illusionen, neue Artisten die ihr auf #Spotify entdeckt, werden nicht bezahlt. Währenddessen schwimmen die Investoren in Geld.“ Bandkollege Godrich unterstützt ihn: „Der Grund ist, dass neue Künstler mit dem Modell beschissen schlecht bezahlt werden … Das ist eine Gleichung, die einfach nicht funktioniert.“ Bereits zuvor hatte sich die Band Grizzly Bear zu Wort gemeldet. Spotify möge gut sein für die Reichweite, aber nach rund 10.000 Wiedergaben habe man rund zehn Dollar bekommen.

Der (etwas vereinfachte) Hintergrund: Bei Spotify etwa werden Künstler beziehungsweise Gruppen nach ihrem Anteil am gesamten Streaming bezahlt – wer zwei Prozent des gesamten Streamings auf sich zieht bekommt zwei Prozent der gesamten Spotify-Tantiemen. Der Streaming-Dienst reagiere prompt mit einem Statement, dass man bereits 500 Millionen US-Dollar an die Rechteinhaber bezahlt habe, bis zum Jahresende 2013 will man die Summe auf eine Milliarde US-Dollar ausgeweitet haben.

Spagat zwischen Massengeschäft und Newcomer-Bedürfnissen

Gleichwohl ist das Spotify-Modell darauf ausgelegt, insbesondere die großen Musikvertriebe und namhaften Bands sowie Soloartisten auf die Plattform zu bekommen. Ohne diese, soviel liegt nahe, würden die Abo-Dienste nicht genügend Traktion bekommen. Derweil sind es auch keineswegs alle jungen Künstler, die auf Spotify schimpfen: Das schwedische Duo Cazzette veröffentlichte jüngst ein Album exklusiv auf Spotify – es war das erste Mal, das dies passiert ist. Streaming ist die Zukunft des Musikhörens, da besteht wenig Zweifel.

Und doch gestaltet sich das Medium insbesondere für junge Künstler weiterhin schwierig, und immer öffentlicher machen diese sich Luft. Die Streamingdienste müssen entsprechend den Spagat schaffen, sowohl interessant für die großen Musikgesellschaften zu bleiben und gleichzeitig auch Newcomern eine Plattform zu bieten. Bislang hat das allerdings noch kein Anbieter richtig geschafft.

Bildmaterial: Spotify