Startup-Betrüger erkennen Anleitung

Ein kurzer Exkurs in die Welt der Hochstapelei

Der Aufbau eines Startups ist stets damit verbunden, auf die Unterstützung und das Vertrauen von Dritten zu setzen. Von Investoren über Mitgründer bis hin zu Dienstleistern und individuellen Unterstützern muss man sich auf unterschiedliche Zuarbeiter verlassen können. Allzu oft habe ich dabei aber auch schon erlebt, was geschieht, wenn sich ein schwarzes Schaf zwischen diese Unterstützer mischt. Betrug, Hochstapelei und Unaufrichtigkeit reißen ein Loch in jede Beziehung und können gerade junge Startups Kopf und Kragen kosten.

Trotzdem hat der Betrug ja auch eine düster-faszinierende Komponente, zumindest, wenn er in Form der Hochstapelei gut gemacht ist. Man denke nur an den charismatischen, tolldreisten Scheckbetrüger und Hochstapler Frank William Abagnale, Jr., den dessen Filmbiografie „Catch me if you can“ weltberühmt gemacht hat. In den 1960er Jahren begann Abagnale seine kriminelle Karriere mit kleineren Scheckbetrügereien und gab sich dann mit der Zeit als Pilot bei PanAm, als Kinderarzt in der Smithers Klinik, als Anwaltsgehilfe in einem Staatsanwaltsbüro und sogar als Polizeiwachmann aus.

Und nicht nur in den USA lassen sich Beispiele berühmter Hochstapler finden, auch Deutschland blickt auf eine lange Tradition der Hochstapelei, man denke etwa an Carl Zuckmayers literarische 
Umsetzung des als Hauptmann von Köpenick bekannt gewordenen Friedrich Wilhelm Voigt, der sich auf Flohmärkten die Uniform eines Hauptmanns zusammenstellte und 1906 zwei Trupps mit Gardesoldaten anhielt, die er mit einer gefälschten Kabinettsorder seinem Kommando unterstellte und die Köpenicker Stadtkasse beschlagnahmen ließ.

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Wer es etwas literarischer mag, wird derweil bei E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“, dem Volksbuchhelden Till Eulenspiegel oder Thomas Manns Roman „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ fündig. Die Gegenwart hält derweil den Postboten Gert Postel als zeitgenössischen Vertreter bereit, der in den 1980er Jahren als Facharzt für Psychiatrie durchging. Als Dr. med. Dr. phil. Clemens Bartholdy stellte Postel psychiatrische Gutachten und hielt Vorträge vor Medizinern.

Ähnlich dreist praktizierte es Jürgen Harksen, der mit erfundenen Anlage-Geschäften und immens hohen Renditeversprechen zwischen 1987 und dem Ende der 1990er Jahre die Hamburger Gesellschaft um Millionenbeträge erleichterte.

Die Liste der Hochstapler ist also lang. Etymologisch leitet sich der Begriff des Hochstaplers aus dem Rotwelschen ab, einem Jargon, der hauptsächlich von fahrendem Volk benutzt wird. „Stapeln“ entlehnt sich von „betteln“, die Silbe „hoch“ wiederum besagt, dass die Person sich als „vornehm“ ausgibt. Somit ist ein Hochstapler ein sich als vornehm gebender Bettler.

Walter Serner brachte dieses merkwürdige Phänomen sogar einmal in Zusammenhang mit dem Dadaismus – der Hochstapler als eine Art Performance-Künstler. Schließlich schafft ein Hochstapler mit akribischer Perfektion eine komplexe Illusion, indem er sich mit den Codes, Ritualen und Sprechweisen des entsprechenden Milieus vertraut macht und es versteht, die geheimen und intimen Bedürfnisse seiner Opfer zu
erkennen und zu stimulieren.

Der Hochstapler funktioniert – wenn er denn als solcher enttarnt wird – also als eine Art „Spiegel“ der Gesellschaft, indem er ihr ihre Schwächen aufzeigt. Seine Kritik am System macht ihn scheinbar so sympathisch, weil Unbeteiligte ungläubig über die Naivität der Teilhabenden staunen und doch fürchten, selbst darauf hereinfallen zu können.

Wegelagerei in der Startupszene

Eine Hochstapelei funktioniert also immer nur, weil jemand betrogen werden möchte, weil er zum Opfer seiner eigenen übersteigerten Begierde wird. In seiner spätmittelalterlichen Moralsatire „Das Narrenschiff“ fasste der deutsche Humanist Sebastian Brant dies anschaulich zusammen: „Mundus vult decipi – ergo decipiatur“ (Die Welt will betrogen sein –
 also soll sie betrogen werden).

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Und damit zurück zur Startupszene: Auch sie hat bereits so manchen Betrüger kennengelernt, mal im Verborgenen, mal von der Allgemeinheit entdeckt. Beweise oder harte Fakten gab es dazu in der Öffentlichkeit praktisch nie, Diskussionen blieben dennoch nicht aus. Man denke etwa an den Betrugsverdacht gegenüber Unister oder den kontrovers anmutenden Überlebenskampf des Onlineschneiders YouTailor vor zwei Jahren.

Auch im Pflegebereich war es in der Gründerszene bereits zu Moraldiskussionen gekommen, von den anhaltenden Sorgen um vermeintlichen Ideenklau bei Inkubatoren oder kontrovers diskutierte Vertriebsmethoden wie bei Jamba oder Groupon ganz zu schweigen.

Diskussionen und Aufschreie gibt es oft, wirklichen Betrug (zum Glück) wohl eher selten. Wenn es in der Startupszene jedoch Betrüger gibt, sind dies oft eher plumpe Querulanten, die nichts als Ärger und Enttäuschung einbringen. Wegelagerer, die anderen ihr sauer verdientes Geld aus den Taschen ziehen wollen und dabei schnell ins Straucheln geraten.

Erst kürzlich wieder wurde ich mit gleich zwei Fällen konfrontiert, denen auch der Duft des Betruges anhaftete und die mich zum Nachdenken brachten, ob es denn ein Muster des Betrugs gibt. Eine DNA, die sich zu einer Art Anleitung zum Erkennen von Betrug entwickeln lässt. Schon öfter habe ich von Betrugsvorgängen im Startupbereich gehört, mal aus krimineller Absicht, mal aus purer Gier. Die folgende Anleitung kann deshalb vielleicht helfen, den ein oder anderen davor zu bewahren, selbst auf einen der üblichen Wegelagerer oder sogar Betrüger hereinzufallen… Bitte wenden – hier geht’s zur Anleitung.

BILD: ELNUR, PANTHERMEDIA

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