StartupBus Afrika

„Wenn du mit 40 Leuten fünf Tage lang in einem Bus bist, dann liebst du sie am Ende – oder du hasst sie“

„Die afrikanische Startupszene ist aufstrebend und spannend“, sagt Fabian Guhl. „In Afrika gibt es viele Nischen zu besetzen. Etwa im Mobile-Bereich, in dem sich auf dem Kontinent in den letzten Jahren viel getan hat“.

Guhl hat die gemeinnützige Organisation Ampion gegründet, die im vergangenen November ein paar Dutzend Programmierer, Designer und Business-Experten in einen Bus packte. Fünf Tage lang tourten die Tech-Begeisterten von Harare in Simbabwe bis ins südafrikanische Kapstadt. Das Ziel: Mitstreiter finden, ein Produkt entwickeln und an jedem Halt in größeren Städten um die Gunst von Investoren buhlen. Am Donnerstag stellte Ampion in Berlin die Neuauflage des Projekts vor.

Mobile First trotz mangelhafter Stromversorgung

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„Gründungen in den USA sind teurer als Gründungen in Europa und die wiederum sind teurer als Gründungen in Afrika. Mit weniger Kapital kommen Startups dort weiter“, erklärt Kresten Buch vom afrikanischen VC 88mph. Entrepreneure und Investoren müssten in Afrika in anderen Dimensionen denken.

Aus Philadelphia pflichtet Entwickler und Investor Jon Gosier per Videokonferenz bei und erklärt, dass es trotz Startup-Hype in Städten wie Nairobi tatsächlich eine kritische Masse von Gründern mit innovativen Ideen gebe. Die Herausforderung sei, neben einer Handvoll gut laufender Unternehmen mit Kapital und Kontakten auch auf regional verankerte, vielversprechende Entrepreneure aufmerksam zu werden und sie zu unterstützen.

Im Bereich Mobile Payment etwa hätte Afrika die USA und Europa bereits abgehängt. Gerade in Kenia, wo mobile Bezahllösungen einen zweistelligen Prozentsatz am gesamten Zahlungsverkehr ausmachen, wachse die Branche. Wie Anirudh Narla vom ghanaischen Inkubator Meltwater berichtet, hätte Afrika viele Entwicklungsschritte im Tech-Segment einfach übersprungen.

Laptops zum Beispiel gebe es kaum – die Nutzer seien direkt zu Smartphones übergegangen. „Viele Haushalte sind ohne Strom. Trotzdem nutzen die Leute WhatsApp und Facebook auf billigen Smartphones“, so Narla. Die mobile Infrastruktur sei überraschend weit entwickelt.

Fünf Trips durch Nord-, Ost-, Süd- und Westafrika

Einen für das Projekt geeigneten Bus mit WLAN zu finden, war vor der ersten Tour im November 2013 trotzdem nicht gerade einfach. Bereits drei Jahre zuvor war der erste Bus seiner Art im Silicon Valley gestartet, später schwappte das Konzept auch nach Europa über. Fabian Guhl heuerte bei StartupBus Europe an, merkte aber schnell, dass er in aufstrebenden Märkten aktiv werden wollte. So entstand die Idee zu Ampion und dem Spinoff StartupBus Africa.

Acht Startups sind aus der Pilot-Fahrt hervorgegangen, vier davon gibt es noch, zwei haben Finanzierungen erhalten. Darunter Sterio.me, ein E-Learning-Dienst, über den Lehrer Lernimpulse an ihre Schüler schicken können – per SMS. Heute, mehr als ein halbes Jahr nach der letzten Spritztour, sind die nächsten Roadtrips längst geplant. Fünf sollen es in diesem Jahr sein, jeweils einer in Nord-, Ost- und Südafrika, zwei an der Westküste. Insgesamt sollen 160 Teilnehmer mitfahren und 15 Länder durchquert werden.

Die Touren werden zwischen September und Dezember stattfinden. Bewerben können sich Programmier, Designer und Gründer aus der ganzen Welt. Der Fokus soll erneut auf den Bereichen Mobile, Energie und Gesundheit liegen. Die Teilnehmer sollen am Ende zur Hälfte aus Afrika, zur anderen Hälfte von anderen Kontinenten stammen. Besonderen Wert legen die Macher auf ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis.

Fellowship-Programm verspricht Office, Startkapital und Mentoring

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Gesponsert wird das Projekt unter anderem von der namibischen Regierung. Erstmals sollen die innovativsten Teilnehmer am Ende der Tour an einem Fellowship-Programm teilnehmen können. Ihnen will Ampion kostenlose Büroräume zur Verfügung stellen, außerdem winkt ein Seed-Funding und der Anschluss an ein weltweites Mentoren-Netzwerk. Wie hoch die Startfinanzierung ausfallen wird, steht noch nicht fest.

Der StartupBus, wirbt Guhl, funktioniere besser als jedes Assessment-Center. „Wenn du mit 40 Leuten fünf Tage lang in einem Bus unterwegs bist, dann liebst du sie am Ende – oder du hasst sie.“

Bild: Ampion