Feedback, Reporting, Screenshot, Startup, Wien, Österreich

Die beiden Gründer von Usersnap Josef Trauner und Florian Dorfbauer (rechts).

In den USA gehören die Giganten Facebook, Microsoft und Google zu den Kunden von Usersnap – insgesamt sind es bereits mehr als 1.000 Geschäftskunden. Zwei Jahre nach der Gründung hat das österreichische Startup sein Feedback-Tool vor Kurzem auch für den deutschsprachigen Markt gelauncht. Anders als die meisten Startups haben die Wiener Gründer das Pferd von hinten aufgezäumt: Statt im Heimatland zu starten, ging es zum Start direkt in die USA.

„Nachdem unsere Integrationspartner fast ausschließlich Englisch als Sprache verwendeten, war es für uns anfangs auch naheliegend, das Produkt und unsere Marketingaktivitäten in Englisch auszurollen“, sagt Mitgründer und CEO, Florian Dorfbauer. Mit den Partnern sind Task-Manager oder Kommunikations-Tools wie Asana, Slack oder Evernote gemeint, in die das Tool von Usersnap integriert werden kann.

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Die großen Tech-Unternehmen seien durch Inbound-Marketing in den USA, beispielsweise durch Gastbeiträge auf anderen Blogs, auf die Österreicher aufmerksam geworden. Danach war es ein typischer Fall von Mund-zu-Mund-Propaganda. Usersnap ist Bug-Tracker, Screenshot-Tool und Produktmanagement-Plattform in einem: „Ältere Bug-Tracking-Applikationen bestehen oft auf unzähligen Formularfeldern. Wir wollten den Akt des Bug-Reportings dorthin bringen, wo der Bug wahrgenommen wird: im Browser“, sagt Dorfbauer. Deshalb setzt das Startup auch vornehmlich auf Screenshots.

Ein klassischer Anwendungsfall: Ein Unternehmen beschäftigt externe Entwickler. Um Absprachen zu treffen oder Bugs zu melden, stehen eine Vielzahl an Möglichkeiten bereit – E-Mail, Instant-Messaging, Video-Chats und vieles mehr. Das Problem: Bei den verbalen oder schriftlichen Absprachen kann es zu Missverständnissen kommen, notwendige Informationen fehlen und der Überblick geht verloren. Der Aufwand für die Klarstellung kostet Auftraggeber und Dienstleister Zeit und Nerven – ein bekannter Reibungspunkt beim Outsourcing.

Usersnap setzt als Reporting- und Kommunikations-Tool deshalb auf den visuellen Austausch und bietet dafür eine Bearbeitungsoberfläche als Dashboard sowie ein Ticketsystem für die Aufgabenverteilung. Damit solle das Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Werkzeugen vereinfacht werden, sagt Dorfbauer: „Usersnap stellt neben Informationen zur Browserversion, Bildschirmgröße und verwendetes Betriebssystem naturgemäß auch den Inhalt des Browsers zur Verfügung.“ Zudem können auch Code-Snippets eingefügt werden, damit der Entwickler gleich weiß, wo er ansetzen muss. Die Reporting-Software lässt sich mit rund 30 anderen Tools kombinieren, sodass der eigene Workflow beibehalten werden kann.

Dieses Video zeigt in aller Kürze, wie Usersnap funktioniert:

Unter den rund 25.000 Nutzern seien Webdesigner, Developer, Quality-Assurance-Agenturen oder auch Kundenservice-Abteilungen, sagt Marketing-Managerin Rebecca Vogels. Während einige der Open-Source Bug-Tracker oder auch Screenshot-Tools kostenlos sind, schlägt Usersnap je nach Teamgröße und Projektanzahl mit 19 bis 129 US-Dollar im Monat zu Buche. Ein vergleichbares und ebenfalls kostenpflichtiges Feedback-Tool mit Integrationen bietet auch Pageproofer.

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Obwohl 80 Prozent der Kunden aus dem englischsprachigen Raum kommen, beschäftigt Usersnap bisher nur zehn Mitarbeiter in Wien und Linz. Das vergangene Geschäftsjahr habe man mit einem hohen sechsstelligen Umsatz abgeschlossen, für dieses Jahr werde ein siebenstelliger Betrag erwartet, sagt Vogels zu Gründerszene. Außerdem sei man bereits profitabel.

Vom Wiener Seed-Investor Speedinvest habe das Startup bei der ersten Runde 2013 einen „hohen sechsstelligen“ Euro-Betrag erhalten. Vier Business Angels aus Österreich und den USA haben das Startup von Anbeginn begleitet, sagt Vogels. Gerade gehe das Startup die nächste Finanzierungsrunde an. Details wolle man allerdings noch nicht verraten. Mit den großen Tech-Namen aus den USA im Gepäck kommt das Startup Ende Mai einige Wochen nach Berlin und wird ein neues Produkt vorstellen – doch worum es sich dabei handelt, ist noch geheim.

Bild: Usersnap