Steuerhinterziehung - KPMG

Die Herausforderungen bei der Gründung eines Unternehmens sind immens. Von der Ideensuche über die Umsetzung bis hin zum An-Bord-holen der richtigen Partner und Mitarbeiter liegen so einige Stolperfallen, die zu schlaflosen Nächten führen können.

Ein weiteres Thema, das einem jungen Unternehmen Sorgenfalten auf die Stirn treibt? Finanzen – genauer gesagt: Steuern.

Viele Fragen zum Thema Steuern

Bereits bei der ersten Investition, bei den ersten Euros, die ausgegeben werden, muss man sich den Beleg beziehungsweise die Rechnung genauer ansehen. Typische Fragen, die dabei aufkommen, sind:

„Bekomme ich die dort ausgewiesene Umsatzsteuer vom Finanzamt wieder – und muss ich sie somit nicht mitfinanzieren?“

„Kann ich mir erst einmal die Umsatzsteuer vom Finanzamt wiederholen und zahle sie dann im nächsten Jahr bei Abgabe der Umsatzsteuer-Jahreserklärung zurück, wenn ich merke, dass ich sie mir gar nicht hätte erstatten lassen dürfen?“

„Sind die Ausgaben für die Präsentation unserer neuen Firma mit Freunden und Partnern eigentlich von der Steuer absetzbar? Oder muss ich noch eine zusätzliche Steuer für die Party abführen?“

Und irgendwann passiert es ja: Die Finanzämter fragen nach und wollen sich die Unterlagen und Jahresabschlüsse für die letzten Geschäftsjahre ansehen. Oder einfach nur die Umsatzsteuer-Voranmeldungen des letzten Jahres im Rahmen einer Umsatzsteuer-Sonderprüfung beziehungsweise Nachschau, da man es noch nicht geschafft hat, eine Umsatzsteuerjahreserklärung abzugeben.

Kleine Fehler mit großen Folgen

Wer seine Bücher penibel führt, wähnt sich zumeist auf der sicheren Seite. Doch bereits die kleinsten Fehler in der Deklaration können schwerwiegende Folgen haben.

Egal, ob man aus Versehen seinen Gewinn verkürzt hat, weil eine Rechnung nicht richtig erfasst wurde oder der Vorsteuer-Abzug aus Eingangsrechnungen falsch berechnet wurde: Wem das passiert, dem droht ein Ordnungswidrigkeits- oder gar Strafverfahren.


Der Gesetzgeber kann bereits bei einer fehlerhaften Steuererklärung beziehungsweise fehlerhaften Anmeldung von einer versuchten Steuerhinterziehung beziehungsweise einer versuchten Steuerverkürzung ausgehen.


Je nach Bekanntheitsgrad des Unternehmens und der Umsatzsumme drohen nicht nur üppige Strafzahlungen, sondern auch Reputationsschäden für das Unternehmen – die sind zumeist noch teurer als die Forderungen vom Finanzamt. So manch ein junges Unternehmen ist durch eine nachträgliche Steuerzahlung auch schon in finanzielle Schwierigkeiten gekommen, da diese Nachzahlung nicht in die Finanzierung einkalkuliert war.


Übrigens: 17 Milliarden Euro Steuermehreinnahmen verzeichnet die Bundesrepublik Deutschland durch Betriebsprüfungen.


Kontrollsysteme: Steuerabteilung als neue Compliance-Instanz

Tatsächlich haben sich viele Unternehmen bereits einem Wandel unterzogen: Die Steuerabteilung ist nicht mehr nur eine Facheinheit, losgelöst von allen anderen, ihr wird oftmals die Rolle einer Compliance-Instanz zugeschrieben – und das ist auch gut so.

Selbst wenn es einen Steuerberater gibt, der einen betreut, sind die richtige interne Aufstellung des Unternehmens und die vollständige Dokumentation der Prozesse und Unterlagen unerlässlich.

Compliance-Systeme gehören heute in jedes moderne Unternehmen. Die Belegschaft ist zwar willens, doch die Umsetzung bezüglich der steuerlichen Themen ist häufig noch mangelhaft. Das hat Gründe: Den Mitarbeitern sind die Vorgaben oft gar nicht voll umfänglich bekannt oder die Anforderungen sind so komplex und detailliert, dass sie kaum verstanden werden. Dazu kommt, dass sich die abgeforderten Maßnahmen im Tagesgeschäft als nicht praktikabel herausstellen und gefühlt „eigentlich nur das Wachstum verhindern“.


Wer sich im Unternehmen mit Steuern befasst, kann durch ein Tax Compliance Management System im wahrsten Sinne des Wortes zum Steuermann werden – und für mehr Sicherheit sorgen.


Tax Compliance Management System für mehr Sicherheit

Wer es schafft, ausgehend von der Steuerabteilung ein ganzheitliches Tax Compliance Management System aufzubauen, schafft nicht nur im eigenen Haus mehr Vertrauen, sondern auch beim zuständigen Finanzamt, denn nach der Prüfung ist vor der Prüfung.

So hatte das Bundesministerium für Finanzen den Unternehmen vor einiger Zeit die Möglichkeit eingeräumt, durch ein sogenanntes innerbetriebliches Kontrollsystem dem Vorwurf des Vorsatzes oder der Leichtfertigkeit bei der fehlerhaften Steuerdeklaration entgegenzutreten.


Kurzum: Hat sich ein Fehler in den Steuererklärungen eingeschlichen, kann das interne Kontrollsystem dafür sorgen, den Tatverdacht zu entkräften und insbesondere den Finanzbeamten helfen, die Korrektur einfach als Berichtigung der Steuererklärung zu akzeptieren.


Damit eine verzahnte Kontrollinstanz auch wirklich funktionsfähig ist, hat das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) den Prüfungsstandard 980 etabliert, mit dem Unternehmen überprüfen können, ob alle relevanten Mechanismen – zum Beispiel auch die bei den steuerlichen Verpflichtungen – ineinandergreifen.

Der IDW PS 980 ist die Grundlage für Wirtschaftsprüfer, die im Unternehmen die Wirksamkeit eines solchen Tax Compliance Management System bescheinigen und die angesprochene Rechtssicherheit erhöhen.

Internes Kontrollsystem an Bedarf des Startups ausrichten

Aber auch hierbei ist natürlich zu beachten, dass man nicht von Anfang an ein internes Kontrollsystem implementiert, das für ein DAX-Unternehmen ausreichend ist. Genauso, wie alle anderen Abteilungen und Prozesse bei einem jungen Unternehmen sich mit den Aufgaben und steigenden Umsätzen verändern, sollte ein internes Kontrollsystem auf die Bedürfnisse des Geschäftes und die Prozesse innerhalb und außerhalb (Steuerberater / Buchhalter) abgestimmt sein und mit dem Unternehmen mitwachsen.

Für die verantwortlichen Personen im jungen Unternehmen gilt noch immer der Spruch: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

 

Bild: Liam/eyeem.com