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Bilanzierung, Buchhaltung, Versicherung und Umsatzsteuervoranmeldung – keins davon ist sexier als das andere. Trotzdem müssen all diese bürokratischen Pflichten erledigt werden. Eine neue Studie befindet nun mal wieder: zu viel Bürokratie in Deutschland! Die Umfrage des Verbands Die jungen Unternehmer soll zeigen, dass Gründer zu viel Zeit in verwaltende Aufgaben stecken müssen.

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Der Verband hat für seine Studie 134 Gründer befragt, allesamt Mitglieder in seinem Klub der Gründer. Nicht repräsentativ, aber interessant: Im Schnitt brauchen 89 Prozent der Befragten zwischen fünf und zehn Stunden pro Woche, um bürokratische Aufgaben zu erledigen. Am Aufwendigsten finden die Befragten die Bereiche Steuerrecht, Arbeitsrecht und -schutz sowie Buchführung und Bilanzierung. Verbandsvorsitzende Lencke Steiner schlussfolgert: „Gründer verlieren im deutschen Bürokratie-Dschungel zu viel Zeit für Papierkram und Formalien und können sich einfach zu wenig um ihr Geschäft kümmern.“ Sie fordert ein Bürokratie-Schutzschild für Gründer. Doch ist der beschriebene Aufwand wirklich zu hoch?

Bei einer Arbeitswoche von 70 Stunden plus, die für Gründer Realität ist, sind fünf bis zehn Stunden wöchentlich für die gesamte bürokratische Organisation gar kein so hoher Anteil. Zudem besteht bereits Aussicht darauf, dass sich die Stundenzahl bald noch reduziert. Die Bundesregierung plant, Gründer unter anderem in den ersten drei Jahren von Berichts- und Informationspflichten zu befreien.

Der Verband aber ist überzeugt, dass der Verwaltungsaufwand kombiniert mit dem Mangel an Risikokapital in Deutschland die Gründe für das historische Tief an Neugründungen seien. Dabei gab es auch von der VC-Front kürzlich erst gute Nachrichten: Das Risikokapital in Deutschland hat sich vergangenes Jahr mehr als verdoppelt und schickt sich an, das Level in Großbritannien einzuholen.

Für die Verbesserung des Gründungsklimas könne noch viel getan werden, so der Verband. Denn: Die Befragten bewerteten ihre gesellschaftliche Akzeptanz im Schnitt mit der Schulnote 2,8. Diese Selbstwahrnehmung steht im Gegensatz zu einer aktuellen und repräsentativen Studie der Axa-Versicherung. Die nämlich befindet, dass Firmengründer in Deutschland hohes Ansehen genießen. Höheres als in den USA.

Bild: © panthermedia.net / Arne Trautmann