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Es ist der Streit zwischen einer Mutter und ihrer verstoßenen Tochter. Holtzbrinck kaufte 2007 die Netzwerke StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ für viele Millionen Euro. Über einen Preis von bis zu 100 Millionen wurde damals spekuliert. Der Verlag aber leitete die Portale nach dem Kauf alles andere als geschickt: Sie verloren massenweise Nutzer und Relevanz. Schließlich verkaufte Holtzbrinck seine Tochter – den StudiVZ-Betreiber Poolworks – im Jahr 2012 an die US-amerikanische Investmentfirma Vert Capital.

Jetzt versucht der Verlag, noch einmal Geld aus dem Verlustgeschäft zu schlagen. Kurz vor der Verjährung der Ansprüche hat Holtzbrinck den StudiVZ-Betreiber verklagt und will alte Forderungen in Höhe von drei Millionen Euro zurückhaben. Die Klage war erfolgreich: Vergangene Woche urteilte das Berliner Landgericht, dass Poolworks das Geld zahlen muss.

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Die Strategie der Anwälte von StudiVZ ist fehlgeschlagen. Bei der letzten Verhandlung am 15.7. argumentierten sie im Gerichtssaal noch, man habe bereits 1,7 Millionen Euro dieser Forderungen beglichen. Einen Zahlungsbeleg dafür habe man nicht, allerdings einen Nachweis aus alten E-Mails. Wie das Urteil nahelegt, war das Gericht von den Unterlagen nicht überzeugt. Auf Nachfrage von Gründerszene äußerte sich Poolworks bisher nicht zu dem Urteil. Es ist offen, ob der StudiVZ-Betreiber plant, in Berufung zu gehen.

Denn das Urteil könnte verheerende Auswirkungen auf das Unternehmen haben. Während einer Verhandlung Ende Mai sagte der vorsitzende Richter Michael Schwarz bereits: „Es entsteht der Eindruck, die Beklagte ist nicht richtig zahlungsfähig – sonst laufen solche Beträge gar nicht erst auf“.

Millionen Euro von Verbindlichkeiten

Eine schlechte finanzielle Lage des StudiVZ-Betreibers offenbart der letzte öffentliche Jahresabschluss aus dem Jahr 2013. Darin steht: „Die aktuellen Verbindlichkeiten der Firma übersteigen das aktuelle Vermögen um 22.823.074 Euro.“ Neuere Abschlüsse seien in Arbeit, hieß es bereits im Januar dieses Jahres auf eine Gründerszene-Anfrage. Die Leiterin der VZ-Netzwerke, Agneta Binninger, gab damals an, noch 15 Mitarbeiter für die VZ-Netzwerke zu beschäftigen. Sie zeigte sich zuversichtlich: Unter ihrer Leitung hätten die VZ-Netzwerke das erste Mal schwarze Zahlen erzielt. Auf eine erneute Anfrage von Gründerszene zu möglichen Liquiditätsproblemen reagierten bisher weder Binninger noch Poolworks.

Auch Holtzbrinck möchte sich nicht zu der Klage gegen seine ehemalige Tochter äußern. Der Verlag hatte die Forderungen über die drei Millionen Euro im Jahr 2012 von Telefonica gekauft – in einem sogenannten Abtretungsvertrag. Poolworks schuldete die Summe danach nicht mehr der Telefongesellschaft, sondern seiner Mutterfirma. Möglicherweise ging Holtzbrinck den Schritt, um seine Tochter zu entlasten und attraktiver für einen Käufer zu machen. Hat ein Unternehmen lediglich Schulden bei seinen Gesellschaftern und nicht bei externen Dritten, ist es als Kaufobjekt interessanter.

Völlig offen ist jetzt, wie viel Geld für den Verlag bei Poolworks tatsächlich zu holen ist.

Weitere Informationen können an christina[at]gruenderszene.de geschickt werden. 

Bild: Screenshot StudiVZ.net