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StudiVZ kommt nicht zur Ruhe: Das ehemalige Erfolgsnetzwerk wird ein weiteres Mal verkauft. Der bisherige Mehrheitseigner Vert Capital gibt die Betreiberfirma Poolworks an das Entertainment-Unternehmen Momentous Entertainment Group (MEG) aus den USA ab. Auch das Schwester-Netzwerk MeinVZ ist Teil der Übernahme, für die zehn Millionen US-Dollar in Form von Vorzugsaktien gezahlt werden und die bis Ende Dezember abgewickelt worden sein soll.

Für MEG sei der Kauf von StudiVZ und MeinVZ wichtig, um den deutschsprachigen Markt zu erreichen, lässt sich der CEO des Unternehmens, Kurt Neubauer, in einer Mitteilung zitieren. Noch immer sollen die beiden Netzwerke über zehn Millionen Nutzer verfügen und mehr als 45 Millionen Page Impressions pro Monat erreichen.

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In Anbetracht von Microsofts geplanter Übernahme von LinkedIn zu einer Bewertung von 247 US-Dollar pro Nutzer und Facebooks Bewertung von 200 US-Dollar pro Nutzer sei die Poolworks-Akquisition zu gerade mal einem Dollar pro User daher sehr günstig, erklärt Neubauer – ein mutiger Vergleich. Der MEG-Chef gibt sich aber sogar überzeugt, mit der Übernahme die „nötigen Vermögenswerte zu bekommen, um den Prozess eines möglichen Uplisting in den Nasdaq oder die New York Stock Exchange zu starten“.

Eine Kooperation von MEG und Poolworks existiert bereits seit Juli: Damals kündigten die Unternehmen an, dass MEG die Portale der StudiVZ-Gruppe mit Entertainment-Programmen versorgen solle.

StudiVZ, 2005 von Ehssan Dariani und Dennis Bemman gegründet, erreichte zu Spitzenzeiten 16 Millionen Nutzer. 2007 kaufte der Holtzbrinck-Verlag das Netzwerk für 85 Millionen Euro und fasste es mit den Schwester-Portalen MeinVZ und SchülerVZ unter der Holding Poolworks zusammen. Es ging bergab mit den sozialen Netzwerken, die Nutzerzahlen und die Relevanz sanken. 2012 verkaufte der Verlag das Unternehmen an den US-amerikanischen Investor Vert Capital weiter.

Zum 10-jährigen Jubiläum: Der phänomenale Aufstieg von StudiVZ

Der phänomenale Aufstieg von StudiVZ

Heute ist StudiVZ eine Geisterstadt. Aber als zwei Studenten das Netzwerk vor zehn Jahren gründeten, war das der Startschuss für eine unglaubliche Startup-Story.

Auch dieser schafft es nicht, dem strauchelnden Unternehmen auf die Füße zu helfen. Eine schlechte finanzielle Lage des StudiVZ-Betreibers offenbart der letzte öffentliche Jahresabschluss aus dem Jahr 2013. Darin steht: „Die aktuellen Verbindlichkeiten der Firma übersteigen das aktuelle Vermögen um 22.823.074 Euro.“

Darüber war Poolworks zuletzt mit juristischen Problemen konfrontiert: Der frühere VZ-Eigner Holtzbrinck klagte im Mai dieses Jahres gegen den bisherigen Betreiber und verlangte die Begleichung alter Forderungen in Höhe von drei Millionen Euro. Bereits damals sagte der zuständige Richter: „Es entsteht der Eindruck, die Beklagte ist nicht richtig zahlungsfähig – sonst laufen solche Beträge gar nicht erst auf.“ Das Gericht verurteilte Poolworks schließlich zur Zahlung des Betrags.

Bild: Screenshot StudiVZ.net