Daniel Weiner, Carlo Oberkönig und Maximilian Fleitmann von StudyHelp (v.l.n.r.)

Ein Gastbeitrag von Daniel Weiner, Gründer von StudyHelp. Das 2013 in Paderborn gegründete Startup bietet Vorbereitungskurse für Schüler und Studenten. In den kommenden Wochen wird Daniel Weiner an dieser Stelle in insgesamt vier Folgen von seinem Alltag als Junggründer berichten. In der ersten Folge seines Gründertagebuchs schreibt er über erste Berührungspunkte mit der Selbstständigkeit, den Weg von Einzelnachhilfe zu ausgebuchten Crashkursen und darüber, dass sich auch Networking auf Unipartys auszahlen kann.

Früh übt sich: Erste Kontakte mit der Selbstständigkeit

Bewertung der Geschäftsidee? Marktanalyse? Business Model Canvas? Damals waren das Fremdwörter. „Einfach mal machen“, spiegelt meine Gedanken kurz vor der Gründung meines Unternehmens am besten wider. Wie ich es geschafft habe, ein Startup aus dem Boden zu stampfen, ist mir im Nachhinein immer noch ein Rätsel. Vermutlich war es mein jugendlicher Leichtsinn gepaart mit Phasen unglaublichen Arbeitseifers, der mich packt, wenn ich mich komplett entfalten kann, ohne dass jemand auf die Bremse drückt.

Schon während meiner Jugend habe ich gerne selber etwas auf die Beine gestellt. Zeitungen austragen wurde mir schnell zu öde – Ebay war da viel interessanter. Mit kleinen Auktionen schlachtete ich mein Zimmer aus oder brachte die „10 goldenen Regeln bei Sportwetten“ an den Mann. Das waren die ersten Kontakte mit dem Thema Selbstständigkeit. Trotzdem war damals an ein eigenes Unternehmen noch nicht zu denken. Als frisch gebackener Abiturient folgte ich vielmehr den Erwartungen der Gesellschaft – also den meiner Eltern – und ging zur Universität. Schließlich werden Wirtschaftsingenieure in der Fachrichtung Maschinenbau ja immer gesucht…

Nachfrage riesig – kein vernünftiges Angebot

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Da meine Noten im Studium (für meine Eltern nach wie vor „erstaunlicherweise“) ganz passabel waren, habe ich begonnen als Tutor im Fach Technische Mechanik zu arbeiten, ein typisches „Siebfach“ im Ingenieurstudium. Als ich in der Materie immer fitter wurde, passierte etwas, mit dem ich nie gerechnet hätte: Immer mehr Studenten kamen extra in mein Tutorium, anscheinend weil ich die Inhalte in studentenfreundlicher Sprache erkläre – also ganz anders als der Prof.

Und das, obwohl ich mit meinem Studium wie die meisten durchaus zu kämpfen hatte. Dieser Kampf war zunächst sicher dadurch begründet, dass ich noch gar nicht wusste, wie man überhaupt richtig lernt und dass „einen Tag vor der Klausur mal reinzuschauen“ im Studium einfach nicht mehr reicht. Diese Schwierigkeiten ließen sich per Copy und Paste auf so gut wie all meine Mitstudenten übertragen. Mit der Zeit, den richtigen Leuten und dem richtigen Werkzeug gelang es mir jedoch, das Studium zu bewältigen und trotzdem Freizeit, Freunde und Feiern nicht zu vernachlässigen.

In der Klausurphase wurde die Bibo (#BegriffMadeInPaderborn) zu meiner Heimat, die ich nur zum Schlafen verließ. Dort wurde ich während meiner Zeit als Tutor immer häufiger von Kommilitonen angesprochen, ob ich ihnen nicht mal kurz das ein oder andere Thema erklären könnte. Scheinbar war der Bedarf an effizienter Nachhilfe riesig und in Paderborn kein vernünftiges Angebot vorhanden. Nachdem ich also ein Jahr lang Einzelnachhilfe gegeben hatte, kam mir schließlich die Idee, die mich zu meinem eigenen Unternehmen brachte.

Crashkurs schlägt Einzelnachhilfe

Wieso als Student teure Einzelnachhilfe nehmen, bei der man jede Woche seine Zeit (und sein Geld) opfert, um es dann bis zur Klausur eh alles wieder vergessen zu haben anstatt sich einmal vor den Klausuren alles in Form eines Crashkurses reinzuhauen? Als Student würde ich auf jeden Fall das zweite Modell bevorzugen, denn im Semester ist Zeit schließlich ein kostbares Gut. Okay, Crashkurse waren eine klasse Idee und das Angebot solcher Intensivvorbereitungen bisher sehr gering. Warum dann nicht einfach selber machen? Na gut, „einfach mal machen“.

Als erstes mussten die grundlegendsten Fragen geklärt werden: Welche Kurse biete ich an? Was kann ich noch? Und vor allem: Wie mache ich die Studenten auf mein Angebot aufmerksam? Da ich kein IT-Nerd bin, fiel eine eigene Homepage weg, aber Gott schuf Mark Zuckerberg und dieser wiederum schuf Facebook – die ideale Plattform für mein Vorhaben. Das „Kind“ brauchte also nur noch einen Namen und was passt für eine Leistung von Studenten für Studenten besser als „StudyHelp“?!

Schnell war eine Facebookseite erstellt, die die Studenten über das neue Angebot an der Uni informieren sollte. Auch die Organisation der Kurse über die Funktion „eigene Veranstaltungen“ war denkbar einfach. Durch das Liken der Veranstaltung konnte man sich einen der begehrten Plätze sichern. Also eröffnete ich eines Abends einfach mal das erste Event im Maschinenbau-Bereich und hoffte, dass in den nächsten Tagen ein paar Zusagen eintrudeln würden. Am nächsten Morgen konnte ich meinen Augen nicht trauen. Die „Facebook-Magie“ hatte zugeschlagen und die Fanpage hatte bereits mehr als 100 Fans und auch das Event war voll.

Jede Gelegenheit zum Netzwerken nutzen – und sei es eine Uniparty

Was hatte ich also bisher alles? Name – check. Facebookseite – check. Einen ersten Proof of Concept – check. Es fehlte eigentlich nur noch ein Mitgründer. Am besten jemand mit guten Noten, der mich bei meinen Höhenflügen auf den Boden der Tatsachen zurückholen könnte, ein Ausgleich sozusagen. Also habe ich mich direkt auf die Suche nach dem idealen Mitgründer begeben – Augen auf bei der Partnerwahl! Zunächst bin ich gedanklich natürlich meinen Freundeskreis durchgegangen, weil man ja viel Zeit miteinander verbringen würde und dazu am besten auf einer Wellenlänge ist. Schnell fiel mir bei der Suche meine eigene eingeschränkte Mobilität ein: Mein Mitgründer sollte also auf jeden Fall eins mitbringen: ein Auto.

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Bald kam mir mein Kommilitone Carlo Oberkönig den Sinn, der nicht nur viel Know-How, sondern praktischerweise auch ein Auto mitbringen würde. Zudem könnten wir uns perfekt gegenseitig motivieren und gleichzeitig auch Spaß bei der Arbeit haben. Auf der nächsten Uniparty packte ich die Gelegenheit beim Schopf und konnte nicht nur Carlo als Mitgründer, sondern einen weiteren Kumpel als Statistikdozent gewinnen.

So lernte ich direkt die erste Lektion des Gründerseins: Man sollte jede Gelegenheit zum Netzwerken nutzen, auch wenn es eine Uniparty ist. Die Facebook-Veranstaltung für Statistik platzte überraschenderweise mit 500 Zusagen aus allen Nähten. Das war natürlich eine Hausnummer, waren es doch beim ersten Kurs nur um die 70 Leute gewesen. Es wurde also nicht nur ernst sondern auch höchste Zeit für eine eigene Homepage, die unter anderem die Anmeldung und die Zahlungsabwicklung – die Preise lagen damals bei 15 bis 20 Euro pro Teilnehmer – erleichtern sollte.

Carlo und ich begaben uns auf die Suche nach jemandem, der uns in diesem Bereich unterstützen konnte und wurden relativ schnell fündig. Maximilian Fleitmann, einer der Studenten aus unserem Mechanik-Tutorium, der seit 2015 ebenfalls Gesellschafter unserer GbR ist, meldete sich, und die erste Website war schnell erstellt. Die gesamte Kursorganisation konnte endlich komplett online abgewickelt werden. Durch die riesige Nachfrage und den ersten kleinen Erfolg fand unsere Motivation, unser Angebot auszubauen, kein Ende.

Zufälligerweise belegten Carlo und ich genau in der Zeit ein Modul in der Uni, in dem ein Businessplan geschrieben werden musste. Eine perfekte Gelegenheit, das Geschäftsmodell genau abzustecken, Märkte zu analysieren und dafür noch eine Note kassieren. Gesagt, getan! Am Ende erhielten wir für unsere Arbeit „nur“ eine 2,0. Das kann aber nicht an der Idee gelegen haben, denn der Korrektor begann wenig später ein zweites Studium und nahm mehrfach an unseren Kursen teil.

Im zweiten Teil seines Gründertagebuchs berichtet Daniel über die Ausweitung des Kursangebots auf andere Städte und Schulen, über Zeitdruck, Skalierbarkeit und erste Erfolge auf YouTube.

Foto: Daniel Weiner