Wer die letzten drei Gründertagebucheinträge gelesen hat, kann vielleicht erahnen, wie stolz wir auf unser Unternehmen sind. In den letzten zwei Jahren haben wir den Namen StudyHelp nicht nur im Nachhilfemarkt Paderborn, sondern auch deutschlandweit und im Internet populär machen können (Mark Zuckerberg und diversen Energydrink-Herstellern sei Dank).

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene „Einfach mal machen“ – Folge 1 des Gründertagebuchs

Die eigenen Eltern, die unsere Unternehmung vorher nur belächelten, verstehen inzwischen, dass es uns ernst ist und wir doch nicht nur mit Spielgeld spielen. Und Bekannte, die unsere Lernvideos peinlich fanden, verstummen angesichts der 2.500 Studenten, die in der ersten Jahreshälfte 2015 unsere Uni-Kurse in Paderborn besuchten. Gründer zu sein heißt also anscheinend nicht nur ins kalte Wasser springen, sondern lange Zeit auch gegen den Strom zu schwimmen.

Das Risiko eingehen oder den Job als Ingenieur nehmen?

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Da unser Fokus nach gefühlten 20 Semestern nicht mehr zu 100 Prozent auf unserem Studium lag, kam das Ende unserer Studentenzeit für uns alle etwas überraschend – schneller als erwartet. Somit standen wir plötzlich unwillkürlich vor der alles entscheidenden Frage: Wie gut ist unsere Idee wirklich? Wollen und können wir mit StudyHelp unseren Lebensunterhalt verdienen? Ist vielleicht der sichere und gutbezahlte Job als Ingenieur in der freien Wirtschaft, von dem uns all unsere Eltern immer noch überzeugen wollen, doch verlockender? Nudeln mit Ketchup oder 300 Gramm argentinisches Filetsteak?

Wer sich mit diesen Fragen identifizieren kann, weiß, wie wir uns fühlen.

Aber wir sind nicht Gründer geworden, um nach dem Startschuss aufzugeben. Das unternehmerische Risiko schwebt zwar wie ein Damoklesschwert über all unseren Köpfen, aber den Kopf jetzt in den Sand zu stecken ist keine Option. Zu sehr glauben wir an unsere Geschäftsidee, um jetzt die Reißleine zu ziehen. Zu gut kommen unsere Kurse bei den Schülern und Studenten an. Zu viel Zeit, Nerven und Schweiß haben wir in unser Unternehmen gesteckt, um jetzt den konventionellen Weg einzuschlagen. Die Neugier, wie sich unser Baby weiterentwickelt, wenn wir in Vollzeit 200 Prozent unserer Energie in das Geschäft stecken, ist schlichtweg zu groß.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene „Paderborn is not enough“ – Folge 2 des Gründertagebuchs

Nachdem wir bereits in der ersten Jahreshälfte 2015 unseren Umsatz des letzten Jahres übertreffen und sogar verdoppeln konnten, haben wir den Entschluss gefasst, erste Kontakte mit Investoren aufzunehmen. Passend zu unserer Entwicklungsstufe soll es ein Business Angel sein, der an uns und unser Geschäftsmodel glaubt. Es war also Überzeugungsarbeit angesagt, aber wie? „Einfach mal machen“, das war selbst uns in dieser Situation zu riskant. Einen Business Angel zu finden ist schon eine andere Hausnummer. Aber wie stellt man so was an? Wieder einmal Neuland.

Einen Business Angel finden

Schritt 1 laut Gründerhandbuch: Erstelle ein Pitch-Deck – bitte was? Schon mal was von gehört. Muss man sowas haben? Anscheinend schon. Im Studium ist der ein oder andere von uns irgendwann mal über diesen Begriff gestolpert, aber wie so etwas aussieht, wusste keiner so genau. Was macht man also, wenn man nicht weiter weiß? Richtig! Man holt sich Input von befreundeten Startups, aus dem Internet und von unseren Coaches ein.

Was uns beim Aufbau von den uns zur Verfügung gestellten Decks auffiel?

Folie 1: Wie weit kann man das Unternehmen skalieren?

Folie 2: Wie weit kann man das Unternehmen skalieren?

Folie 3: Wie weit kann man das Unternehmen skalieren?

Tja, gute Frage: Inwieweit kann man denn unser Unternehmen skalieren? Mit unserem Angebot an Prüfungsvorbereitungskursen speziell für Studenten und Schüler bewegen wir uns ja eigentlich auf zwei komplett unterschiedlichen Märkten, obwohl das Produkt nach außen hin relativ identisch wirkt. Doch ganz über einen Kamm geschoren werden können die Kurse nicht. Die Skalierbarkeit von Abitur-Vorbereitungskursen ist dank Zentralabitur weitaus größer als die von universitären Vorbereitungskursen.

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Aber Hürden existieren ja, um genommen zu werden. Daher sahen wir das Pitch-Deck (ähnlich wie damals den Uni-Kurs für Businesspläne) als einmalige Gelegenheit, um unser Geschäftsmodell zu überarbeiten und die Skalierbarkeit unserer Angebote zu vereinfachen. Schlussendlich konnten wir Synergien zwischen den verschiedenen Märkten herstellen, von denen jedes unserer Produkte profitieren kann. Die Basis unseres Pitch-Decks war somit definiert.

Hinzu kamen noch eine Prise Zahlen, eine Idee Statistiken und eine ordentliche Portion Businessmodell-Canvas – et voilà, fertig war das Deck. Ein weiteres Beispiel dafür, dass man in der Praxis mehr lernt als im Studium selbst – aber sagt das lieber nicht den Studenten, sonst haben wir bald keine Kundschaft mehr…

Das Tagesgeschäft muss weiter laufen

Suche nach einem geeigneten Business Angel? Läuft! Aber nebenher muss auch das tägliche Geschäft weiterlaufen. Das bedeutet momentan: Das Angebot unserer Matheabitur-Vorbereitungskurse ausweiten, diese sollen nun auch schon im Herbst stattfinden. In den Kursen werden die Schüler mit Hilfe unserer drei „Abi-Hefte“ auf die finale Jahrgangsstufe inklusive Abschlussprüfung ihrer schulischen Laufbahn vorbereitet. Frei nach dem Motto „Stillstand ist Rückstand“ erweitern wir unser Portfolio derzeit auch um die Sparte Latinumbestehen.de. Dieser Online-Kurs befindet sich momentan in der finalen Beta-Phase und soll im letzten Jahresdrittel allen Schülern und Studenten, die ihr Latinum absolvieren möchten, als Unterstützung dienen.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene „Motivationsschub 3000“ – Folge 3 des Gründertagebuchs

Vieles haben wir in den letzten zwei Jahren schon erreichen können, doch im gesamten betrachtet, ist das erst die Spitze des Eisbergs. Aus einer einfachen Idee konnten wir ein schnell wachsendes Unternehmen aus dem Boden stampfen. Das Wichtigste bei der ganzen Gründerei ist es einfach Leidenschaft und Handlungswillen an den Tag zu legen. Man muss sich bewusst sein, dass ein Leben als Gründer ein Leben voller Kompromisse ist: wenig Freizeit, hohes finanzielles Risiko und Mitmenschen, die unentwegt versuchen, einem den Gründerteufel auszutreiben.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, sollte den Schritt zum Gründerdasein „einfach mal machen“. Es winken Spaß bei der Arbeit, Selbstverwirklichung und mit viel Glück auch Gänsehaut-Momente in Weingarten in Süddeutschland. Was die Zukunft für StudyHelp mit sich bringen wird, kann niemand von uns genau sagen. Wir „machen einfach mal“ weiter.