Stylistpick Hallett

Stylistpick: Viele bekannte Investoren an Bord

Schuhe und Accessoires, persönlich für die Kunden zusammengestellt – an diesem (Grund-)Konzept haben sich bekanntlich schon einige Startups versucht. Eines davon ist das 2010 von Felix Leuschner in London gegründete Stylistpick (www.stylistpick.com). Mit Index Ventures und Accel Partners wurden schnell namhafte Investoren gefunden, auch Passion Capital engagierte sich bei dem Jungunternehmen. Auf mindestens 19 Millionen US-Dollar belief sich das Funding laut Crunchbase zuletzt, tatsächlich dürfte der Wert aber deutlich höher liegen.

Nun wechselt Stylistpick den Besitzer: Zum 1. August wird das Startup vom britischen Großhändler Hallett Retail übernommen. Dessen eigenes – und noch sehr junges – Angebot Fuse Fashion, das einen vergleichbaren Fokus hat, soll nach der Transaktion vollständig in Stylistpick aufgehen. Parallel werde der Stylistpick-Firmensitz von Clerkenwell im Norden Londons zum Hallet-Büro in Finchley verlegt, heißt es von dem Unternehmen. Auffällig dabei ist, dass Fuse Fashion kaum im Schuhsegment aktiv ist – Stylistpick hatte sich zu Beginn stark auf diesen Bereich konzentriert.

Schuh-Abos funktionieren nicht

Zuletzt hatte Stylistpick sein Schuh-Abo-Modell allerdings aufgegeben und sich als Online-Shop mit einem breiteren Produktangebot positioniert – ein erstes Anzeichen, dass das Geschäftsmodell nicht gut von den Kunden angenommen wurde. Mit Kleidung und Bademode wurde das ursprüngliche Angebot an Schuhen und Accessoires bei Preisen von vier bis 119 Britischen Pfund erweitert. Auf Basis der Marke scheint der neue Eigentümer Hallet nun einen zusätzlichen Absatzkanal für die eigenen Produkte aufbauen zu wollen.

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Ein Kaufpreis für das Jungunternehmen, das derzeit auf rund eine Million registrierte Mitglieder verweist, wurde nicht genannt. Sollte es stimmen, dass sich Stylistpick, wie zu vernehmen war, zuletzt in finanziellen Schwierigkeiten befunden hat, dürfte aber kaum eine signifikante Summe geflossen sein. Auch hierzulande hatte sich das Geschäftsmodell bereits als überaus schwierig erwiesen, zuletzt musste Team Europes ChicChickClub die Segel streichen. Auch um das US-amerikanische Vorbild Shoedazzle, das verstärkt mit Berühmtheiten aus TV, Musik und Film auf sich aufmerksam machen wollte, ist es – zumindest was geschäftliche Erfolge angeht – auffällig ruhig geworden.

Kurzfristig charmant, langfristig schwierig

Letztendlich dürften sich die Nutzerzahlen, insbesondere aber auch die Umsätze pro registriertem Mitglied, nicht so entwickelt haben, wie es für den (betriebs-) wirtschaftlichen Erfolg notwendig gewesen wäre. Letztendlich appellieren die Abo-Angebote an die Entdecker-Freude der Nutzer. Was bei den ersten Lieferungen sicherlich funktionieren mag, wird mit jeder Folgelieferung allerdings schwieriger. Die Konsequenz: Die Kunden werden kritischer und lassen sich auch vom Anspruch einiger Anbieter wie Stylistpick, mit individuell abgestimmten Produkten aufzuwarten, nicht mehr halten. Ohnehin wird letzteres mit zunehmender Kundenzahl immer schwieriger. Mitunter waren einige Anbieter zudem in Verruf geraten, weil sie die Kunden mit fragwürdigen AGBs in den Abonnements halten wollten.

Hallett Retail ist bereits seit längerer Zeit mit einer ganzen Reihe seiner Marken Zulieferer für Stylistpick, etwa den Young Fashion Labels Closet, Cutie und Pippa Dee. Nach der Übernahme sollen auch die verbleibenden der insgesamt 36 zu Fusefashion gehörenden Marken über die Plattform vertrieben werden. Große Ideen zur Zukunft von Stylistpick scheint man bei Hallett Retail derweil nicht zu haben – dramatische Veränderungen am Geschäftsmodell soll es jedenfalls nicht geben.

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Andreas Kollegger
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