Der Gründer von Sunnybag: Stefan Ponsold, 32

Stefan Ponsold ärgerte es, dass der Akku seines Smartphones oft schon nach weniger als einem Tag leer war und es unterwegs keine Lademöglichkeit gab. Darum begann er, Alltagsgegenstände wie Rucksäcke und Taschen mit Solarzellen und einer mobilen Ladestation zu kombinieren. Für diese Idee gab der Österreicher sogar seinen gut bezahlten Job in einem Konzern auf – und gründete 2010 Sunnybag.

Laut Ponsold sollen die Solarzellen seiner Taschen 20 Jahre lang halten. Bei Sonnenschein braucht die Batterie zum Aufladen etwa zwei Stunden, bei bewölktem Wetter fünf. Elektronische Geräte können über eine USB-Schnittstelle betankt werden. Ein Solarrucksack kostet 149 Euro, ein einzelnes Solarpanel in Taschenbuchgröße 79 Euro.

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Bei der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ versprach Investor Ralf Dümmel dem Startup 200.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile. Eigentlich wollte Ponsold aber nur zehn Prozent abgeben, um den Vertrieb in Deutschland anzukurbeln. Trotzdem stimmte er zu. Doch der versprochene Deal wurde bislang nicht umgesetzt. Im Interview erklärt er, warum er Sunnybag gegründet hat und wieso sich der Auftritt bei den Löwen für ihn trotzdem lohnte.

Stefan, wofür braucht man einen Sunnybag überhaupt? Es gibt doch Akkupacks.

Wenn dein Akkupack leer ist und keine Steckdose in Sicht, dann war es das mit der Energieversorgung. Wer aber draußen länger unterwegs ist, zum Beispiel bei Wandertouren durchs Gebirge, im Urlaub am Strand oder auch bei einem Musikfestival, der kann immer wieder auf das größte Akkupack überhaupt zugreifen – die Sonne. Wir zapfen diese Ressource an.

Wie lange braucht ein Akku zum Laden?

Der Akku wird bei Sonnenschein innerhalb von etwa zwei Stunden aufgeladen. Die Idee ist, dass wir ein alltägliches Produkt durch einen Akku ergänzen, um Energie zu gewinnen. Den Rucksack oder die Tasche hast du ja sowieso täglich dabei. Warum also nicht Energie sammeln? Wenn du ihn täglich nutzt, dann wird der Akku auch bei Bewölkung und am Bürofenster über den Tag hinweg geladen. Dann ist am Abend der Akku voll und du kannst bei der Fahrt nach Hause den Saft zum Laden deines Smartphones nutzen.

Wie viel Strom lässt sich damit einsparen?

Wir haben bisher rund 50.000 Produkte mit unseren Solarpanalen verkauft. Die Durchschnittsleistung liegt bei etwa vier Watt. Hochgerechnet könnte man mit 200 Kilowatt Strom ein kleines Dorf von 30 bis 40 Haushalten damit versorgen – theoretisch.

Wie bist Du auf Sunnybag gekommen und was hast Du davor gemacht?

Ich habe bei einem Konzern in der Produktoptimierung gearbeitet und nebenher Innovationsmanagment studiert. Abends habe ich dann im Keller an der Elektronik für Solarzellen gearbeitet. 2010 gründete ich Sunnybag und zwei Monate später bekam ich den ersten Auftrag von Ärzte ohne Grenzen. Ich habe gemerkt, davon kann man leben. Ich habe meinen gut bezahlten Entwicklerjob gekündigt und mich selbstständig gemacht.

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Du warst auch bei der Sendung „Die Höhle der Löwen“. Zwei Investoren kritisierten, dass Dir die Emotionalität am Produkt fehle. Wie erklärst Du Dir das?

Das ist vielleicht von mir schlecht kommuniziert worden. Es gibt aber zahlreiche Geschichten, wo das anders ausgesehen hat. Beispielsweise als ich in Ghana war. Wenn unsere Produkte dort Leben retten können, weil sie etwa medizinische Geräte aufladen, dann geht einem das Herz auf.

Löwe Ralf Dümmel machte Dir ein Angebot. Allerdings zu anderen Konditionen als geplant: Er verlangte doppelt so viele Anteile. Hat sich der Deal gelohnt?

Ja, wobei wir bisher nur eine Vertriebskooperation geschlossen haben, weil alles andere länger dauert. Aber ich muss sagen, er hat uns wirklich viel geholfen nach der Show. Er hat einfach mehr Manpower und ist besser in Deutschland aufgestellt. Er ist wirklich ein Mentor für mich, der sich die Zeit nimmt.

Steht der Deal oder nicht?

Vorerst sind wir mit der Vertriebskooperation sehr zufrieden, die weiteren Schritte hängen vom Erfolg dieser ersten Zusammenarbeit ab.

Ist der Markteintritt in Deutschland trotzdem geglückt?

Wir haben schon einen guten Umsatz dieses Jahr in Deutschland erwirtschaftet, auch mit Ralf Dümmels Hilfe. Einige Händler, mit denen wir Gespräche führen, haben aber noch nicht fest zugesagt. Aber wir würden uns freuen, wenn nach der Sendung weitere Retailer auf uns zukommen. International machen wir bisher 45 Prozent unserer Umsätze in Europa, weitere 35 in den USA und 20 Prozent in Afrika.

Vielen Dank für das Interview, Stefan!

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Bild: Sunnybag / Sebastian Reich