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Das Tablet solle normale Bücher zu „SuperBüchern“ machen

Till Weitendorf reichert Kinderbücher wie Pettersson und Findus mit digitalen Inhalten an, etwa Animationen oder Lern-Spielen. „SuperBuch“ nennt er dieses Konstrukt. Dazu muss lediglich das Tablet oder Smartphone über die Buch-Illustration gehalten werden. Stichwort: Augmented Reality. SuperBuch ist ein zusätzliches Feature für die bereits vorhandenene TigerBooks-App, einer Art iTunes für Kindermedien.

Weitendorf ist CEO und Gesellschafter der Verlagsgruppe Oetinger und Geschäftsführer der Digital-Tochter StoryDocks, zu der TigerBooks und SuperBuch gehören. Das Unternehmen entwickelt und vermarktet als Company Builder Marken und Geschäftsmodelle für das digitale Storytelling. Weitendorf im Interview mit Gründerszene über das SuperBuch und die Digital-Ambitionen des Oetinger-Verlags.

Till, was passiert, wenn das Handy über das „SuperBuch“ gehalten wird?

Auf dem Display öffnen sich 3D-Szenen, Sounds, Animationen, Lese- und Lern-Spiele und viele weitere Funktionen. Und das ohne Mehrkosten für den Kunden.

Bisher ist das SuperBuch-Sortiment noch sehr überschaubar. Welche gedruckten Kinderbücher kommen überhaupt dafür in Frage?

Zum Start gibt es aktuell 18 Kinderbücher von neun unterschiedlichen Verlagen. Alle Titel sind bereits im Buchhandel erhältlich. Theoretisch kann jedes gedruckte Kinderbuch ein Upgrade zum SuperBuch erhalten. Voraussetzung ist natürlich, dass die audiovisuellen Features wie die Vorlesefunktionen oder Grafiken erstellt werden, die dann über eine App wiedergegeben werden. Diese Arbeit übernehmen wir bei TigerBooks nicht allein für die Titel der Verlagsgruppe Oetinger, sondern auch für die Titel der weiteren an der Kampagne teilnehmenden Kinderbuchverlage.

Till Weitendorf ist der CEO von Oetinger und Chef der Digital-Tochter StoryDocks

Werden dadurch nicht die Bücher entwertet, die von SuperBuch nicht unterstützt werden?

Kinderbücher werden so schnell ihren Charme für die junge Leserschaft nicht verlieren. Kinder sollen Bücher nach wie vor ganz klassisch lesen. Mit der digitalen Erlebniswelt und vielen interaktiven Features wollen wir neue Lesergruppen an Bücher heranführen und sie für Geschichten begeistern.

Bücher leben davon, dass sie inspirieren, Anreize geben und Raum für die eigene Fantasie lassen. Gibt die zusätzliche virtuelle Ebene nicht schon zu viel vor?

Wir teilen diese Bedenken nicht, sondern sehen in SuperBuch vielmehr eine Weiterentwicklung von Kinderbüchern. Die Illustrationen bilden den Ausgangspunkt, wir erweitern die Möglichkeiten der einzelnen Geschichten. Das gedruckte Buch steht nach wie vor im Mittelpunkt.

Sie wollen das gedruckte Buch stärken. Geht der Trend nicht aber hin zu E-Books?

In unseren Augen hat das gedruckte Buch gerade für die Zielgruppe Kinder damals wie heute einige Vorteile, wie Format, Stabilität oder Haptik, die Bücher zu einem unverzichtbaren Bestandteil jeder Kindheit machen. SuperBuch gehört zu StoryDocks. Unter diesem Dach haben wir Projekte versammelt, bei denen es darum geht, wie neue Technik die Art des Geschichtenerzählens sinnvoll erweitern kann. Zudem beobachten wir die Entwicklung der technologischen Möglichkeiten sehr genau, entwickeln und testen ständig neue Prototypen mit unseren Testnutzern und Partnern.

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Welche Produkte gibt es bei StoryDocks außer SuperBuch noch?

TigerBooks führt als Kindermedien-App viele bekannte Kinderhelden und Inhalte für Kinder auf einer Plattform zusammen. Dabei bietet die App Inhalte für Kinder von über 40 Verlagen. Im Mittelpunkt stehen die digitalen TigerBooks, mit denen junge Leser Abenteuer interaktiv erleben sollen. Mit der Software TigerCreate lassen sich interaktive E-Books und Apps kreativ gestalten und in alle Formate ausspielen. Mit technischen Specials erschaffen die Kunden digitale Medienerlebnisse. Framily.de ist ein Anbieter von personalisierten Kinderbüchern. Mit einer eigens entwickelten Software können Kunden die Bücher individuell gestalten. Onilo bietet Grundschulen und anderen öffentlichen Bildungseinrichtungen digitale Inhalte, die Einsteiger fürs Lesen begeistern sollen. Im Austausch mit Experten ist ein Angebot aus über 180 interaktiven Stories entstanden.

StoryDocks gehört zur Oetinger-Verlagsgruppe. Soll Oetinger so zum Digital-Verlag werden?

StoryDocks versteht sich vor allem als Partner der Verlage und Lizenzgeber. Das SuperBuch ist dafür ein gutes Beispiel. Wir entwickeln Produkte und Services auf Basis unseres Verständnisses für innovative Medienerlebnisse sowie der technologischen Möglichkeiten. Diese stellen wir dann auch Dritten zur Verfügung, damit auch sie davon profitieren und ihre Inhalte darüber digital präsentieren können.


So funktioniert das „Superbuch“:

Bild: Oetinger