Tageau

Das Credo von Tageau: Weniger Ideen sollen an fehlendem Startkapital scheitern. 

Tageau und der Weg zum Business-Netzwerk der Ideen

Man muss kein Geld in die Hand nehmen, um ein Unternehmen auf die Beine zu stellen. Das zumindest meint Dorian Hildebrandt. Er ist Geschäftsführer und Mitgründer des Darmstädter Startups Tageau, das Jungunternehmer und Fachleute zusammenbringen will. Erfahrene Strategen, Grafiker oder Programmierer können auf der Plattform Zeit und Expertise in Startups investieren. Im Gegenzug erhalten sie Unternehmensanteile. Anfang Juni ging die Work-Investment-Börse an den Start. Das Credo: Weniger Ideen sollen an fehlendem Startkapital scheitern.

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Die Plattform funktioniert ähnlich wie ein herkömmliches Job-Portal: Der Ideengeber stellt seinen Ansatz in einem Inserat vor und schreibt die zu besetzende Position aus.

Wer zum Beispiel eine App entwerfen will, aber keine Ahnung vom Programmieren hat, kann über Tageau also etwa App- oder Web-Developer ansprechen. Gleichzeitig gibt der Antragsteller an, wie viele Anteile es für das Engagement gibt. Das Kapital, das nicht ins Personal fließt, kann so in Produktion und Vermarktung gesteckt werden. Wird die App ein Erfolg, kann der ausgeschüttete Gewinn um ein Vielfaches höher ausfallen als das Honorar, das der Developer im Normalfall erhalten hätte. Grundsätzlich können Auftraggeber so akquiriertes Personal für die geleistete Arbeit aber auch bezahlen – mit Geld.

In Zukunft will sich das Unternehmen auch um vertragliche Angelegenheiten zwischen Startup und Mitunternehmern kümmern. Bislang sind die Partner dabei noch auf sich alleine gestellt.

Eine Finanzierungsrunde hat Tageau noch nicht abgeschlossen, setzt aber auch im eigenen Team auf Work-Investments: Alle Mitarbeiter sind am Unternehmen beteiligt. Auf lange Sicht tragen könnte sich die Seite über kostenpflichtige Premium-Accounts oder Werbung. Wie genau das Monetarisierungsmodell aussehen wird, steht allerdings noch nicht fest. Konkrete Maßnahmen sollen bis Ende des Jahres greifen.

Warum das nötige Kleingeld erst einmal überflüssig und der klassische Investor entbehrlich sein kann, kommentiert Dorian Hildebrandt im Interview.

Dorian, wie kamt Ihr dazu, eine Startup-Börse ins Leben zu rufen?

Während des Studiums hatte ich zunächst etwas anderes vor. Der Plan war, gemeinsam mit einem ehemaligen Studienkollegen einen interaktiven Veranstaltungsort für Erlebnismarketing aufzuziehen. Dann kam schnell die Erkenntnis, dass es zu viel Geld braucht, um Fachkräfte zu engagieren, die wir für die Umsetzung benötigen. Unser Netzwerk war begrenzt und das Startkapital hätte längst nicht gereicht. In Gesprächen mit anderen Gründern haben wir erkannt, dass wir nicht die einzigen sind, die dieses Problem haben. Aus unserem Umfeld hieß es immer wieder „Ich habe diese Idee, aber…“. Nur weil Banken einen Kredit ablehnen oder Investoren das Potential noch nicht erkennen, bedeutet das noch lange nicht, dass deine Idee schlecht ist. Das wollten wir einfach nicht so stehen lassen.

Dorian Hildebrandt

Tageau-Gründer Dorian Hildebrandt

Was hat Euch damals genau gefehlt?

Wir hätten uns damals eine Plattform gewünscht, auf der Gründer ihre Ideen auch ohne großes Startkapital umsetzen können. Wir wollten Unternehmensgründungen einfacher machen, für alle. So sind wir vom ursprünglichen Vorhaben abgeschweift und haben unser eigentliches Problem zur Lösung gemacht. Natürlich auch mit dem Hintergedanken, unser initiales Projekt mit einer solchen Plattform zu einem späteren Zeitpunkt umzusetzen. Wer eine Idee hat, braucht nicht einfach Geld, er braucht in erster Linie Leistung, die mit Geld eingekauft wird und ein Team, das an die Idee glaubt.

Euer Konzept fußt in erster Linie auf Work-Investments, bei denen Arbeitskraft mit Unternehmensanteilen entlohnt wird. Welches Grundproblem sieht Du beim klassischen Finanzierungsansatz?

Der Weg über Investoren ist oft umständlich: Für 30, 50 oder mehr Prozent deines Unternehmens bekommst du Kapital, das du wiederum an andere Dienstleister weitergibst. Investoren haben oft andere, strikt wirtschaftliche Interessen, die ein Startup von der eigentlichen Vision abbringen können. Diesen Investoren-Zwischenschritt wollten wir in der Seed-Phase ausradieren.

Entsprechende Mitstreiter können angehende Unternehmer zum Beispiel auch auf Mitgründer.com finden. Warum sollte man sich gerade auf Eurer Seite nach Mitunternehmern umsehen?

Da wir aus eigener Erfahrung wissen, wie sensibel Gründungsideen sind, waren wir mit bestehenden Angeboten der Mitgründervermittlung nicht zufrieden. Bei anderen Plattformen ist es oft so, dass jeder in vollem Umfang Zugriff auf Ideen hat. Man kann sich einfach anmelden und ohne jegliche Überprüfung auf deren Details zugreifen. Verglichen mit unseren Wettbewerbern legen wir viel Wert auf den Schutz der Gründungsidee und die Echtheit der Nutzerdaten.

Derzeit durchläuft jeder Nutzer einen kleinen Bewerbungsprozess und die Profile werden von Hand geprüft. Das soll zum einen Fake-Profile verhindern und zum anderen die Qualität der Nutzer und somit der potentiellen Mitunternehmer auf hohem Niveau halten. Dazu kommt, dass von jeder Idee vorerst nur ein Elevator-Pitch sowie die benötigten Positionen gezeigt werden. Alle weiteren Informationen müssen beim Gründer angefragt werden. Nur er kann einzelne Bewerber für die Vollansicht freischalten. So kann ich als Ideengeber gezielt nur denjenigen Zugriff geben, die auch wirklich relevant für mich sind ohne ein unnötiges Risiko des Ideenklaus einzugehen.

Bislang haben rund 20 Startups Inserate bei Euch geschaltet. Wie soll diese Zahl in einem Jahr aussehen?

Ziel ist es, Tageau zu einer ersten Anlaufstelle für Menschen zu machen, die etwas bewegen wollen – egal ob Gründer oder Experten. Wer eine tolle Idee umsetzen möchte, soll hierfür uneingeschränkt die Chance dazu bekommen. Das ist unser Ziel. Tageau ist auf dem Weg, in einem Atemzug mit Marken wie LinkedIn, Xing oder anderen Businessplattformen genannt zu werden.

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Ich erhoffe mir eine Art Goldgräber-Rausch unter gründungswilligen Experten, die besten Startups zu unterstützen, um das eine „Next big thing“ zu finden. Getreu dem Motto: Wenn neun von zehn Startups scheitern, beteilige ich mich an zehn Unternehmen, um das eine große zu finden. Wir wollen auf diese Weise Arbeitsleistung zum Investment machen. Die Nutzerzahlen können gar nicht hoch genug sein, denn davon lebt die Plattform. Auch wenn Prognosen schwer sind, haben wir uns zum Ziel gesetzt, dass wir in einem Jahr 300 Startups mit Personalbedarf und etwa 5.000 Nutzer auf der Seite haben. Der Traffic ist seit unserem Start Anfang Juni kontinuierlich nach oben gegangen – und das soll so weitergehen.

Bild: Screenshot Tageau