Bobby Östberg, Gründer von Tailor & Tales

Bobby Östberg, Gründer von Tailor & Tales

Bobby Östberg: Von McKinsey zurück in die Startup-Szene

Eigentlich war Bobby Östberg schon früh in der Startup-Szene aktiv: Bereits während des Studiums im schwedischen Borlänge, wo er auch für das professionelle Skiteam trainierte, gründete er mit Unterstützung seiner Hochschule einen Inkubator. Nach seinem Abschluss entschied er sich jedoch für den konservativen Weg und arbeitete für die Unternehmensberatung McKinsey in New York. Nach über acht Jahren wollte Bobby Östberg (37) wieder sein eigenes Ding machen. Er zog nach Berlin. Dorthin, wo auch sein drei Jahre jüngerer Bruder Niklas Östberg den Lieferservice Delivery Hero leitet. „Es war der ideale Zeitpunkt für mich, um wieder in die Startup-Szene zurückzukehren“, sagt Bobby Östberg im Gespräch mit Gründerszene.

In der Hauptstadt angekommen, recherchierte der gebürtige Schwede zunächst monatelang für sein neues Geschäftsmodell. Im vergangenen Sommer schließlich startete Östberg dann Tailor & Tales, ein Startup für maßgeschneiderte Männerkleidung. Das Unternehmen blieb vorerst unter dem Radar – nur Freunde und Familie sollten den Service in den ersten Monaten ausprobieren.

Jetzt, rund 15 Monate nach dem Start, will Bobby Östberg die Massen gewinnen. Kein leichtes Unterfangen, schließlich versuchen bereits andere Startups wie Amerano oder YouTailor, ihre maßgeschneiderten Hemden oder Jacketts an den Mann zu bringen – bisher mit mäßigem Erfolg.

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Doch anders als die Wettbewerber produziert Tailor & Tales die Kleidungsstücke nicht selbst – das Unternehmen agiert lediglich als Verkäufer für maßgeschneiderte Hemden von bekannten Labels wie Eton oder Van Laack. Ein eigenes Fabrikanten- und Zuliefernetzwerk ist deswegen nicht nötig. Der Vorteil für die Kunden: Sie haben einen Ansprechpartner für verschiedene Labels, müssen sich nur einmal offline abmessen lassen und können dann immer wieder online Hemden verschiedener Labels bestellen.

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„Ich bin von der Idee sehr überzeugt, weil ich glaube, dass sie die Vorgehensweise der Kleidungsindustrie verändern wird“, schwärmt Östberg. Er glaubt, es werde nicht mehr lange dauern, bis maßgeschneiderte Hemden genauso viel wie Qualitätshemden von der Stange kosten. Tailor & Tales soll deswegen so etwas wie das „KaDeWe für maßgeschneiderte Kleidung“ werden. Der Grundstein dafür wurde am vergangenen Freitag gelegt: Im modernen Einkaufszentrum Bikini Berlin feierte Tailor & Tales die Eröffnung des ersten Geschäfts.

Von Berlin aus will Bobby Östberg sein Konzept nun international ausrollen. Vor allem in seiner Heimat Schweden habe er schon viele Freunde und die Familie überzeugen können, sagt Östberg. „Mehrere Business Angels“ seien bei Tailor & Tales eingestiegen.

Ob auch sein Bruder Niklas Östberg, der für seinen Lieferdienst Delivery Hero allein in diesem Jahr über 500 Millionen US-Dollar einsammeln konnte, investiert ist, verrät er nicht. Unterstützung bekommt er aber so oder so genug von ihm; „Mein Bruder und ich hatten schon immer ein sehr enge Beziehung“, sagt Östberg. „Seine Einstellung ist eine Inspiration für mich und er ist ein großartiger Partner in fast jeder Lebenslage.“

Bild: Bobby Östberg