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Lieferando-Gründer und Takeaway-COO Jörg Gerbig

Ein Börsengang kann deutlich schlechter laufen. Am vergangenen Freitag wagte sich die Lieferando-Mutter Takeaway aufs Parkett der Amsterdamer Börse – und die Aktie gewann über den ersten Tag gleich an Wert. Der Preis stieg von 23 Euro bei der Ausgabe auf knapp 24,50 Euro am Börsenschluss.

Takeaway erzielte eine Marktkapitalisierung von fast einer Milliarde Euro und nahm 175 Millionen Euro ein. Profitabel ist das Unternehmen allerdings noch nicht, gerade auf dem deutschen Markt werden noch Millionen-Verluste geschrieben. Wir haben mit Lieferando-Gründer und Takeaway-COO Jörg Gerbig darüber gesprochen, wie der Schritt zur Profitabilität gelingen soll.

Jörg, seid Ihr mit dem Börsengang zufrieden?

Ja, wir sind sehr zufrieden. Das war ein super Schritt für unsere Firma. Das Geld können wir nun ins Wachstum investieren, vor allem in das der Kernmärkte und besonders in Deutschland. Außerdem wollen wir das Restaurantnetzwerk und den Kundenservice ausbauen.

Warum seid Ihr unprofitabel an die Börse gegangen?

Wir betrachten unsere Märkte einzeln, und in den Niederlanden sind wir sehr profitabel. In Deutschland geben wir derzeit noch viel Geld aus, um Neukunden zu gewinnen – was auch gelingt. Wir haben viele treue Bestandskunden, aber das gilt auch für unsere Wettbewerber. Kunden von einem Wechsel zu überzeugen, ist nicht leicht. Würden wir das Marketing jetzt einstellen, wären wir auch in Deutschland profitabel und würden wahrscheinlich weiter leicht wachsen, aber das ist nicht das Ziel. Wir sehen noch enormes Potenzial in Deutschland.

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Bis wann wollt Ihr in der Gruppe profitabel werden?

In zwei bis drei Jahren wollen wir insgesamt und in Deutschland profitabel sein. Von den 175 Millionen Euro, die wir beim IPO eingenommen haben, verwenden wir 40 Millionen darauf, in der Gruppe den Break-Even zu erreichen. Den Kauf von Just Eat in Belgien sowie den Niederlanden in Höhe von 22,5 Millionen Euro haben wir mit Fremdkapital finanziert. Dies werden wir ebenso zurückzahlen wie eine Finanzierungslinie über rund 20 Millionen Euro. Das verbleibende Geld deckt unter anderem die Ausgaben für den IPO-Prozess und macht uns in der Zukunft flexibel.

Warum ist der deutsche Markt so schwierig? Liegt es an dem Wettbewerb?

Ich habe vor sieben Jahren Lieferando gegründet und muss sagen, dass das Wettbewerbsniveau zurückgegangen ist. Damals gab es Lieferservice.de, Pizza.de, Lieferheld und eben Lieferando.de. Das ist heute nicht mehr so. Neu sind zwar Logistikanbieter wie Deliveroo und Foodora, aber die sehen wir eher in einem benachbarten Markt, in dem auch wir aktiv sind.

In Deutschland ist die Herausforderung eher, dass der Markt im Vergleich zum niederländischen einige Jahre hinterher hängt. Man muss noch viele Leute darauf hinweisen, dass man online Essen bestellen kann. Auch muss man noch mehr Restaurants auf die Plattformen bekommen. In den Niederlanden hingegen haben wir bereits eine Penetration von 80 Prozent der Restaurants.

In Eurem Heimatmarkt habt Ihr eine Gewinnmarge von 63,2 Prozent. Lässt sich diese hohe Marge in Zukunft auch auf andere Märkte übertragen?

Ja, das sehen wir als möglich an. Wir betreiben unser Geschäft in allen Ländern ähnlich. So haben wir beispielsweise eine IT-Plattform, die wir in allen Märkten ausrollen. Dadurch haben wir überall eine ähnliche Kostenstruktur. Es wird ein paar Jahre dauern, aber wenn wir eine bestimmte Skalierungsstufe erreicht haben, sind wir zuversichtlich, solche Margen auch in anderen Märkten zu erreichen.

Kann man gegen ein so immens finanziertes Unternehmen wie Delivery Hero überhaupt ankommen?

Ich kann sagen, dass wir in unseren Kernmärkten Deutschland, Österreich, Polen gegenüber unserem Wettbewerber Marktanteile gewonnen haben. Gerade in Polen und Österreich waren wir einmal deutlich kleiner, jetzt sind wir dort größer als der direkte Wettbewerber.

Woran liegt das? An den Marketingausgaben?

Marketing ist nur eine Komponente des Erfolgs. Gerade 2014 und 2015 hat unser Wettbewerb laut der Marktforschungsgesellschaft Nielsen mehr Geld für Offline-Marketing ausgegeben, aber Marktanteile verloren. Geld und effektives Marketing sind also nur ein Faktor. Entscheidend sind auch das Restaurantnetzwerk, der Kundenservice und die Technologie.

Wollt Ihr weiter expandieren?

Wir fühlen uns in den Märkten wohl, in denen es uns gibt. Und wir sehen da noch starkes Wachstumspotenzial. Neue Markteintritte sind im Moment nicht geplant.

Danke für das Interview, Jörg.

Bild: Takeaway.com