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Conrad Fritzsch, Gründer und CEO von Tape.tv

Tape.tv: Entlassungen und Medialeistungen

Der Online-Musiksender Tape.tv (www.tape.tv) baut im großen Stil um – vor und hinter den Kulissen: So hat das Unternehmen zum einen gerade einen Mediadeal mit Media Ventures abgeschlossen. Die Beteiligung ist auf die nächsten drei Jahre angelegt, und es handelt sich bei dieser nach Unternehmensangaben um Medialeistungen in Höhe eines mittleren zweistelligen Millionenbetrags.

Außerdem verändert sich zum anderen die Mitarbeiterstruktur, weshalb aus den Geschäftsbereichen Kommunikation und Marketing elf Mitarbeiter entlassen wurden, während für Produkt, Redaktion und Business-Development bisher sieben neue Leute eingestellt worden sind; darunter auch der ehemalige DailyDeal-COO Jan Emich. Damit widerspricht Tape.tv-CEO Conrad Fritzsch zuvor kursierenden Gerüchten, dass das Unternehmen aufgrund schlechter Geschäftszahlen 25 seiner Mitarbeiter entlassen habe. Allem Anschein nach sind jedenfalls größere Umbauarbeiten im Gange, sicherlich auch um das Geschäftsmodell neu auszurichten.

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„Wachstumsschmerzen sind immer anstrengend. Man benötigt für jede Phase des Unternehmens die richtigen Mitarbeiter. Natürlich ist das immer ein schwerer Schritt,“ sagt Fritzsch gegenüber Gründerszene zu den Personaländerungen.

„Für die Monetarisierung von Musikfernsehen im Netz ist bei uns im letzten Jahr die Erkenntnis gereift, dass wir uns mehr für die Longtail-Nutzer interessieren“, erklärt Fritzsch. Also werde Tape.tv weiter zum Vollprogramm umgebaut – mit einem stärkeren Fokus auf eigenem, redaktionellem Content und noch besser personalisiertem Musik-Angebot.

Ende des Jahres soll außerdem ein großer Rollout in den Mobile-Bereich erfolgen: „Endlich kommt das von allen ersehnte mobile Jahrzehnt:
Man kann überall und auf jedem Device Musikfernsehen gucken. Und dafür müssen wir Tastemaker bleiben und auch mehr Mainstream werden“, so Fritzsch.

Bereits vor einem dreiviertel Jahr hatte das Unternehmen außerdem angekündigt, das kostenlose, werbefinanzierte Tape.tv in ein Freemium-Angebot mit kostenpflichtgen Premium-Inhalten umzuwandeln – ähnlich dem Spotify-Modell. Hinter den Kulissen wird allerdings noch an den Erlösverträgen für die Musiker gearbeitet. Das hätte schon beendet sein sollen, wie Fritzsch zugibt. Jenes Spotify mit seinen kritisiertem Erlösmodell aber habe viele Musiker vorsichtig werden lassen, „und reine Ad-finanzierte Modelle fliegen in Mobile nicht.“

„Online passiert draußen“

Mit dem jetzt erfolgten Mediadeal will Tape.tv die Reichweite vergrößern. Hinter der Kölner Beteiligungsfirma Media Ventures steckt der bekannte Medienunternehmer Dirk Ströer, der auch ein deutschlandweites Netz an Werbeflächen an U-Bahnen und Bushaltestellen unter seinem Familiennamen betreibt. Und genau jene sollen dazu beitragen, „die Botschaft in die Köpfe der Menschen da draußen zu pflanzen, dass du Musik überall schauen kannst“, wirbt Fritzsch, „nicht nur vor dem PC, sondern auch draußen, wenn du zum Beispiel 20 Minuten auf den nächsten Bus warten musst.“

Neuer Mediadeal, Re-Strukturierung des Unternehmens, Weiterentwicklung des Produkts Richtung Freemium und der Mobile-Rollout  – Fritzsch und sein Team haben in den kommenden Monaten einige Baustellen zu schließen. Die Wahrnehmung des 2008 als Musikvideo-Streamdienst gestarteten Unternehmens soll sich grundlegend ändern: „Wir wollen den Mehrwert bieten, den MTV einmal hatte. Das müssen wir aber auf die heutige Mediennutzung übertragen – und dafür Lösungen finden“, sagt Fritzsch.

Foto: tape.tv