Tastillery Gruender

Die Cousins Andreas und Waldemar Wegelin habe zusammen das Startup Tastillery gegründet

Die Geschichte von Tastillery beginnt mit einem Fauxpas. Es ist ein Abend im Jahr 2015, die Cousins Waldemar und Andreas Wegelin sitzen in der noblen Bar „Le Lion“ am Hamburger Rathausmarkt. Auf der Karte stehen ausgesuchte Sorten Whiskey, Rum, Gin und Wodka. Doch Andreas Wegelin will einen Whiskey Cola bestellen. „Ey, kannst hier doch keinen Whiskey Cola bestellen“, fährt Waldemar seinen Cousin an und ordert ihm einen Continental Sour, der ebenfalls Whiskey enthält. 

Mit der Unterhaltung im „Le Lion“ war die Idee für das Startup geboren, das die Wegelins im Januar 2016 gründeten. Das Konzept: Boxen mit jeweils fünf 50-Milliliter-Proben verschiedener Spirituosen, gefasst unter ein bestimmtes Thema. So befinden sich im Set „Fireside Stories“ drei Sorten Whiskey aus Japan, Schottland und Kentucky sowie ein Cognac aus Frankreich und Rum aus Barbados. Es gibt insgesamt fünf verschiedene Boxen, alle aufwendig designt. Eine sechste mit dem Namen „Mediterranean Garden“ mit verschiedenen Gin-Varianten soll bald dazukommen. Wem ein Drink in dem Set gefällt, der kann eine ganze Flasche im Online-Shop von Tastillery nachbestellen. So zumindest die Hoffnung der Gründer.

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„Wir wollen Menschen dazu inspirieren, besser zu trinken“, erklärt Waldemar Wegelin die Idee. Er will seine Kunden wegbekommen vom „Zwecktrinken“. Gerade für Regionen, in denen nicht jeder eine gute Bar wie das „Le Lion“ vor der Tür finde, sei das Produkt geeignet.

„Unsere Sets sollen als Türöffner fungieren“

Waldemar Wegelin, 34, war jahrelang in der Werbung tätig und entwarf internationale Kampagnen für Google, Microsoft, Nike oder Coca-Cola. Er ist der kreative Kopf hinter Tastillery, zuständig für die Marke, das Design. Man merkt ihm die Leidenschaft an, wenn er von seinem Startup spricht. Er hat eine angenehme Stimme, redet im Interview viel mehr als sein Cousin Andreas, 27, und zuständig für die Finanzen. Die Familie der beiden kommt aus Kasachstan, die Väter betreiben dort gemeinsam ein Weingut.

Jede Box mit ihren fünf Proben kostet bei Tastillery 39 Euro. Seit dem Start im Oktober 2016 konnten die beiden 1.400 Pakete verkaufen, was, das ist leicht errechnet, einen Umsatz von rund 55.000 Euro ergibt. „Unsere Sets sollen aber nur als Türöffner fungieren“, betont Waldemar Wegelin. „Eigentlich wollen wir, dass die Kunden dann im Shop ihre Lieblingsdrinks nachbestellen.“ 14 verschiedene Gin-Marken sind dort beispielsweise zu finden, die meisten kosten zwischen 30 und 50 Euro je Flasche. 

Allerdings sei der Anteil der Kunden, die nach einer Bestellung des Sets auch große Flaschen über Tastillery bestellen, bisher noch nicht sehr hoch, gibt Waldemar Wegelin zu. „Wir bauen aktuell die Plattform auf“, so der Gründer. „Außerdem muss der Kunde noch deutlicher auf unseren Shop hingewiesen werden.“ Das Geschäft laufe langsamer an als gedacht. Die Resonanz der Kunden sei aber „super“. 

70 Prozent der Kunden sind Frauen

Noch halten die beiden Gründer jeweils 50 Prozent an ihrem Unternehmen. Das Geld für den Start haben sie sich von ihrer Familie geliehen. Mit Investoren haben sie bisher nicht gesprochen. Die Wegelins wissen aber, dass das kompliziert werden könnte, schließlich stecken viele Business Angels oder VCs grundsätzlich kein Geld in Unternehmen, die Alkohol verkaufen. „Wir haben schon gemerkt, dass der Bereich für viele Investoren schwierig ist“, geben sie zu. Bisher reichten aber die Einnahmen aus, um weiter wachsen zu können. Einen festen Mitarbeiter beschäftigen die Gründer. 

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Was die beiden beruhigt: Auch andere Startups, die Alkohol verkaufen, sind aktuell erfolgreich. Als Beispiel nennen sie Wine in Black aus Berlin oder Geile Weine aus Mainz. Die wichtigsten Konkurrenten seien aber Online-Shops wie Whiskey.de, Rumundco.com oder GebruederGin.de. „Die meisten dieser Shops sind allerdings sehr männlich“, bemerkt Waldemar Wegelin. „Tastillery soll mit seinem schönen Design und den hellen Farben auch Frauen ansprechen – auch wenn das Produkt prinzipiell für Männer konzipiert ist“

Bisher seien 70 Prozent der Kunden weiblich, verraten die Gründer. Die meisten würden die Sets als Geschenk kaufen – beispielsweise zu Weihnachten. 

„Es ist nicht leicht, Leute davon abzuhalten, zu Bombay oder Gordon’s Gin zu greifen.“

Neben ihrem Online-Shop veranstalten die Cousins auch Tastings in ihrem Büro im Hamburger Stadtteil St. Georg. Häufig werden sie auch von Firmen für Verkostungen gebucht, aktuell etwa einmal pro Woche. „Am Anfang sagen die Leute uns dann immer Sachen wie ,Ich mag überhaupt keinen Whiskey’“, erzählt Waldemar. „Dann sagen wir immer ‚Warte mal ab!‘ und nach zehn Minuten haben sie einen Lieblings-Whiskey.“ So sind diese Events jedes Mal auch gutes Marketing für Tastillery. 

Dennoch ist die Zielgruppe der Hamburger sehr spitz: Die Kunden müssen neugierig sein, dürfen ihren Lieblingsdrink nicht schon gefunden haben – und müssen bereit sein, mehr als im Supermarkt zu zahlen. „Es ist tatsächlich nicht leicht, Leute davon abzuhalten, zu billigen Standardprodukten wie Bombay oder Gordon’s Gin zu greifen“, gibt Waldemar zu. „Aber der Trend geht zu gutem Essen – und guten Drinks.“

Unsere Redakteurin Hannah Scherkamp ist diese Woche für uns in Hamburg unterwegs. Wenn ihr Ideen für sie habt, schreibt ihr an hannah.scherkamp@ngin-food.com. 

Eine Kampagne für das Set „Smoking Guns“:

Bild: Tastillery