In drei Monaten zum Freelance-Web-Developer: Spyros Fotiou

Ein Beitrag von Rosie Allabarton, Content Manager bei CareerFoundry, aus dem Englischen übersetzt von Fahrendorff.

Tech Bootcamps: Online- vs. Offline-Lernen

In den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl der Tech Bootcamps, die spezifisches Training in Tech-Skills anbieten, vervielfacht. Von Web-Entwicklung für Front- und Backend bis hin zu UX Design und digitalem Marketing: Online- und Offline-Schulen bieten die Möglichkeit, den wachsenden Bedarf an diesen stark nachgefragten Fähigkeiten zu decken. Allein im nächsten Jahr werden über eine Million neue Jobs im Tech-Sektor in ganz Europa entstehen.

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Da die traditionellen Bildungseinrichtungen wie Schulen und Universitäten nur sehr langsam auf die neuen Anforderungen reagieren, ist es inzwischen an Startups, Unternehmern und Selbstständigen, diese Fähigkeiten an die nächste Generation weiterzugeben – Fähigkeiten, auf die die zukünftige Tech-Industrie mehr als angewiesen ist. Die steigende Nachfrage nach spezifischen Tech-Skills will eine steigende Anzahl an speziellen Online- und Offline-Anbietern nun decken.

Ortsgebundene Schulen wie General Assembly haben bereits viel Erfolg darin, Tech-Enthusiasten zu begeistern, die praktische Anleitung von Experten auf ihrem Feld sowie intensives Training suchen. Auf der anderen Seite haben Online Tech Bootcamps wie CareerFoundry großen Erfolg mit Kursen, die ausschließlich online stattfinden und zusätzlich einen Mentor bereit stellen, der per Chat, E-Mail oder Skype jederzeit zur Verfügung steht.

Die Pros und Contras des Offline-Angebots

Der große Vorteil an Offline-Programmen ist ihre Intensität und die Tiefe der Kurse. Kurse sind meist ganztägig angelegt und erfolgen mit einem ständigen Support durch Experten, die jede Frage direkt beantworten können. Innerhalb der Umgebung, die ein Offline-Tech-Bootcamp schafft, können alle Teilnehmer direkt von der Community und ihren Mentoren lernen. Mit dieser Rundumbetreuung durch Experten, andere Teilnehmer und den Zugriff auf alle notwendigen Tools, wirken Offline-Angebote umfangreicher als ihre Online-Pendants es je sein könnten.

Allerdings bringen diese Angebote auch unvermeidliche Nachteile. Die Lernerfahrung ist vielleicht strukturiert, doch das bedeutet auch: statisch. Die Studenten müssen Zeit mitbringen und vor Ort sein, wenn sie die Kurse belegen, ansonsten können sie kaum wirklich lernen. Wenn man in seiner Nähe keine dieser Schulen hat, gibt es kaum Möglichkeiten, an ihren Angeboten teilzunehmen. Die Intensität dieser Kurse ist sicherlich für viele Leute interessant, die viel in kürzester Zeit lernen wollen. Doch selbst für diejenigen, die am richtigen Ort leben, wird es schwierig, wenn sie noch einen Job haben oder eine Familie (oder beides!). Das kann eine Teilnahme unmöglich machen.

Schlussendlich ist es auch eine Frage des Geldes: Offline mit Mentoren zu arbeiten kann leicht mehrere tausend Euro im Monat kosten, was sich viele nicht leisten können. In einer idealen Welt könnte jeder immer an einem realen Ort lernen – umgeben von anderen Studenten und Lehrern, sowie den besten Lehrmitteln, die er braucht. Natürlich ist es heute so, dass diese Möglichkeit immer öfter nicht gegeben ist, da die Teilnehmer entweder nicht das nötige Geld besitzen, am falschen Ort leben oder keine Zeit haben, sich für diese Art Bootcamp zu verpflichten. Hier setzt Online-Lernen an.

Die Vor- und Nachteile des Online-Angebots

Wenn man ganz allgemein vom Lernen im Netz spricht, fallen sofort einige Nachteile auf. Man befindet sich hauptsächlich im Selbststudium mit Webseiten voller Text, nur unterbrochen von einigen Video-Tutorials, sodass man eine unwahrscheinlich hohe Selbstdisziplin und Motivation mitbringen muss, um erfolgreich zu sein. Im Gegenteil dazu ist man im Klassenverband immer von anderen Studenten umgeben, die Unterstützung geben können, ganz abgesehen von dem Lehrer.

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Online sind die meisten Studenten leider sich selbst überlassen. Wenn man an Online-Ausbildungen denkt, ist es ganz normal, dass man zuerst Video-Tutorials, E-Books, Podcasts und automatisierten Testfragen vorm inneren Auge auftauchen sieht. Dies sind alles wichtige Tools, die es ermöglichen, einer großen Anzahl von Studierenden schnell und einfach Wissen zu vermitteln. Allerdings erkennt man an den schwachen Beteiligungsraten bereits bestehender MOOCs (massive open online courses), dass es ohne Ermutigung oder Unterstützung für viele Studenten nicht möglich ist, ihr ganzes Potenzial zu realisieren. Viele von ihnen schaffen die Kurse nicht, und zwar einfach deshalb, weil diese sich gänzlich auf eine hohe Eigenmotivation der Studierenden verlassen.

Allerdings entwickelt sich das Internet stetig weiter und somit auch die Technik hinter den Lehrprogrammen. Das verschafft den Lehranbietern die Möglichkeit, ihre Kurse zu personalisieren. Dieser „gemischte Ansatz“ kombiniert den Mentor-zentrierten Ansatz der Offline-Angebote mit der Flexibilität der Online-Kurse. Dank Programmen wie Skype und Google Hangouts für Gespräche mit Mentoren und Lehrern und solchen wie der InvisionApp und Google Docs, die eine virtuelle Kollaboration ermöglichen, können Studenten online lernen und gleichzeitig mit ihrem Mentor oder ihrer Community interagieren. Diese Werkzeuge für Zusammenarbeit machen das Erlebnis des Online-Studierens weit weniger isoliert und entscheidend erfolgreicher für jeden Teilnehmer. Davon abgesehen scheiden Studenten signifikant weniger aus den Kursen aus, wenn sie sich in solch einem Netzwerk bewegen.

Aus der Arbeitslosigkeit zum Developer – in drei Monaten

Spyros Fotiou, ein Student des CareerFoundry Online-Web-Development-Kurses, ist ein Beispiel für jemanden, der direkt von dem Mentor gestützten Online-Lernen profitiert hat. Spyros hat sich mit dem Kurs in drei Monaten aus seiner Arbeitslosigkeit heraus zu einem Freelance-Web-Developer entwickelt (in diesem Video berichtet Spyros davon). Damit zeigt er, dass der gemischte Ansatz nicht nur Probleme des Zugangs und der Kosten lösen kann, sondern auch, dass der Mentor und die Community dabei helfen können, motiviert und fokussiert zu arbeiten. Dadurch konnte er weit mehr aus dem Kurs herausholen und sein Ergebnis maximieren. Der professionelle Mentor hat Spyros mit der nötigen Inspiration und Information versorgt, die er brauchte, um nun eine erfolgreiche Karriere im Tech-Sektor zu beginnen.

Tech Bootcamps werden weiter wachsen und sich entwickeln, sowie die gesamte Industrie, für die sie ausbilden. Bereits heute ist jedoch klar, dass eine Kombination der Vorteile des On- und Offline-Lernens die besten Resultate bringen kann. Die Studenten arbeiten am besten mit Flexibilität, Erreichbarkeit und Verfügbarkeit von Online-Materialien, zusammen mit einem Mentor, der konstant anleitet und inspiriert. Wie wir an Spyros Beispiel sehen, ist es genau dieser einzigartige Ansatz, der es Studenten auf der ganzen Welt ermöglicht, neue Karrieren zu beginnen und ihr Leben zu verändern.

FOTO: Career Foundry