Panono

Von Wurf-Kameras bis Webseitenanalyse

Tech ist in Deutschland schnell ein Thema von zweitem Rang, im Spotlight stehen oft die bunten und offensiv werbenden E-Commerce-Unternehmen. Was von findigen Tüftlern oft abseits von viel medialer Aufmerksamkeit gebastelt und programmiert wird, kann – und sollte – sich überaus sehen lassen. Das Interesse vieler VCs liegt ohnehin schon eine Weile bei den kleinen, feinen Tech-Startups. Wirklich gute Ideen, sagen diese, brauchen auch nicht immer sofort(!) ein Geschäftsmodell.

Fünf Startups haben am Donnerstag in Berlin ihre Konzepte vorgestellt:

Panono – die Ball-Kamera

Einige Dutzend Kameras in einem Ball verbaut Panono (www.panono.com). Wozu? Der Ball wird in die Luft geworfen, am höchsten Punkt werden die Bilder geschossen und anschließend alles in der Cloud zu einem 360°-Bild zusammen gefügt. Das Ganze lässt sich dann idealerweise per Tablet mit Bewegungssensor ansehen – der Betrachter kann den Moment dann intensiver „neu erleben“ als mit einem herkömmlichen Foto, versprechen die Panono-Macher Björn Bollensdorff und Jonas Pfeil. Übrigens: Der Prototyp stammt aus dem 3D-Drucker.

Small Improvements – der elektronische Feedback-Bogen

Das Berliner Startup Small Improvements (www.small-improvements.com) will den berüchtigten Feedback-Prozess in Unternehmen vereinfachen. Dazu hat das Team um Gründer und Geschäftsführer Per Fragemann eine Webapp aufgebaut, über die übersichtlich und ohne die Mitarbeiter abzuschrecken die notwendigen Informationen eingesammelt werden können. Und das mit Erfolg, wenn man sich die Kundenliste ansieht – wobei die namhaftesten davon, so ist zu hören, gar nicht darauf stehen.

Lock8 – das empfindsame Fahrradschloss

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Nach dem Disrupt-Sieg und der gerade bekannt gegebenen Finanzierung vergleichsweise bekannt und längst jenseits der Konzept-Phase ist das intelligente Fahrradschloss Lock8. Das in Berlin und London ansässige Startup hat einen Vibrationssensor, ein Gyroskop, einen Temperatur- und einen Lichtsensor, ein smartes Kabel und einen GPS-Tracker mit einer App verbunden. Sobald jemand versucht, dass Schloss aufzubrechen, geht der Alarm los. Darüber hinaus verrät die App, wo das Rad geparkt ist. Und wer will, kann Freuden oder Bekannten auch das Schloss freigeben, Stichwort: Shareconomy.

Eyequant – das dritte Auge

Worauf schaut ein Nutzer zuerst beim Besuch einer Webseite? Diese Frage haben sich die Macher des von Fabian Stelzer geführten Eyequant (www.eyequant.com) gestellt. Und sie haben einen Algorithmus gebastelt – auf Basis von wissenschaftlicher Theorie und selbst statistisch untersuchtem Betrachterverhalten –, der die wahrscheinliche Aufmerksamkeitsverteilung der Nutzer hervorhebt. Helligkeit, Kontrast, Farben und mehr sind die Inhalte der „secret sauce“ hinter den Berechnungen. So können Unternehmen ihren Webauftritt analysieren und verbessern, wirbt Eyequant. Auch für mobile Websites soll das System bald funktionieren.

IL Numerics – der Zahlenjongleur

Den Programmieraufwand bei komplexen Berechnungen und Datenvisualisierungen zu verringern, hat sich ILNumerics (www.ilnumerics.net) auf die Fahnen geschrieben. Das Ganze ist als Mathe-Bibliothek für Programmiersprachen verfügbar und richtet sich an Wissenschaft, Forschung oder kann auch im Pharma-Bereich durchaus interessant sein. Case Studies hat ILNumerics auch parat, etwa zur Qualitätssicherung in der Halbleiterindustrie oder zur Ermittlung von Risikoverteilungen.

Demonstriert wurde all dies übrigens beim von Gabriel Matuschka und Florian Hübner initiierten, von Gründerszene organisierten und von YOU IS NOW und PayPal gesponsorten Berliner Tech Meetup – und es wurde angeregt diskutiert. Nur nicht über das liebe Geld, das war ein Tabu. Und das tut vielleicht ab und an auch mal ganz gut. Für den Gründergeist. KPIs, Metriken, Bewertungen oder Finanzierungssummen haben sicherlich ihren Platz. Eine gute Idee ist aber meist kein schlechter Start.

Hier einige Impressionen vom Meetup:

Bild: Panono