Mit dem Tablet die Forscher von morgen ausbilden

Früher hieß es von den Eltern: „Nicht so lange Fernsehen!“ Heute hören Kinder wohl eher: „Kein iPad am Abendbrottisch!“ Die Zeit vor dem Bildschirm muss aber nicht nur mit sinnlosen Spielen oder Cartoons verbracht werden, Tablets können auch zum Lernen genutzt werden: Das Berliner Startup TechSpaghetti entwickelt browserbasierte Lernprogramme für 6- bis 12-Jährige, mit denen Kinder den Umgang mit digitalen Medien lernen sollen – zum Beispiel, wie man Soundtracks, Filme oder Animationen erstellt.

TechSpaghetti greift vor allem auf Freeware von Apple wie iMovie oder GarageBand zurück, die dann in den Lernprogrammen anschaulich für Kinder erklärt werden. Derzeit wird an zwei Versionen gefeilt, einer für zu Hause und einer weiteren, die künftig auch in Schulen zum Einsatz kommen soll. In interaktiven Videos werden die Inhalte hier durch einen virtuellen „Co-Lehrer“ vermittelt. Dadurch sollen Lehrer unterstützend und fördernd auf die individuellen Lernbedürfnisse der Kinder eingehen können.

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Leah Hinton, Mitgründerin von TechSpaghetti, hat das interaktive Programm entwickelt. Als Digital-Arts-Lehrerin an der internationalen Berlin Metropolitan School kombiniert sie Kunst und Technologie, beispielsweise beim Erstellen von Filmen oder Musik. Durch ihre Lehrtätigkeit sei ihr bewusst geworden, wie interessiert Kinder an Tablets und Smartphones sind – und wie viel Potenzial in Technologie als Lern- und Kreativitätsvermittler stecke. Ihr Ziel sei es, Kindern einen Rahmen zu geben, in dem sie dieses Potenzial nutzen können, um sich kreativ auszudrücken und neue Fähigkeiten zu entwickeln.

„Niemand weiß, was die Welt von morgen für Kinder bereithält. Wir wissen aber, dass sie ganz anders sein wird als die Welt von heute,“ erklärt Mitgründer Elliot Tabachnik. „Das grundsätzliche Wesen der Arbeit verändert sich bereits rapide – viele der Laufbahnen, auf die wir Kinder vorbereiten, existieren heute schon nicht mehr. Wir müssen also kreative, wissensdurstige Forscher ausbilden, die unabhängig denken, Probleme lösen und Technologie zur Kommunikation nutzen können.“

Durch den Spaß am Basteln – zum Beispiel an Videos oder Audiostücken – können Kinder sich Fähigkeiten spielerisch aneignen und ausbauen – und so auch an Freunde und Familie weitergeben. „In der Schule kommen Kinder auf mich zu und bitten mich, ihre Arbeiten in der Klasse zu präsentieren, weil sie so stolz darauf sind“, berichtet Hinton. Wenn sich Kinder erst einmal das Wesentliche angeeignet hätten, würden sie die Möglichkeiten eines Mediums weiter ausschöpfen wollen, anstatt das Gelernte als abgeschlossene Aufgabe anzusehen und das Interesse zu verlieren.

Das 2013 gegründete Startup testet die Lernprogramme derzeit an der Berlin Metropolitan School, im August soll die Schul-Version gelauncht werden. Die Variante für zu Hause soll zu Weihnachten folgen. Geld verdienen will TechSpaghetti mit Abonnements und In-App-Käufen, so Tabachnik.

Bild: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von Lupuca; Artikel übersetzt von Lydia Skrabania; das Original erschien beim Gründerszene-Schwestermagazin VentureVillage.