VK- Telegram-Gründer Pavel Durov

VK- und Telegram-Gründer Pavel Durov im Herbst 2013 in Berlin

Rechtsstreit auf den Britischen Jungferninseln

Wem gehört die Messenger-App Telegram? Darüber streiten sich gerade die Investoren der russischen Facebook-Kopie VKontakte und die Macher des Kurznachrichtendienstes. Das Ganze passt folgendermaßen zusammen: Gründer und offizieller Geldgeber der angeblich sicheren Messaging-App, deren Entwicklung nach eigenen Angaben in Berlin stattfindet, ist Pavel Durov – zusammen mit seinem Bruder Nikolai. Entstanden ist das Projekt allerdings, während die beiden Brüder CEO beziehungsweise CTO von VK.com waren, das sie ebenfalls einst gründeten.

Nun erhebt der russische Investmentfonds United Capital Partners (UCP), mit 48 Prozent neben Mehrheitseigner Mail.ru zweiter Anteilsinhaber von VKontakte, Anspruch am Telegram-Messenger. Eine entsprechendes Verfahren sei auf den British Virgin Islands angestrengt worden, berichtet East-West Digital News (EWDN). Weil die Smartphone-App während der VK-Zeit der Durov-Brüder entstanden und angeblich in der Frühphase auch mit den Geldern der VKontakte-Investoren finanziert wurde, sei VK.com auch der rechtmäßige Eigentümer, sagt UCP.

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Obendrein hätten es die Brüder, insbesondere Pavel Durov, versäumt, ihren Pflichten beim sozialen Netzwerk nachzukommen. Resultat: Dessen Weiterentwicklung sei blockiert worden und man habe Entscheidungen getroffen, die nicht im besten Interesse von VKontakte gewesen seien. So zitiert EWDN den russischen Fonds, der Telegram mittlerweile offenbar sogar als Konkurrenz zum sozialen Netzwerk sieht. Nach dem Verkauf von WhatsApp an Facebook hatte der als sicherer Messenger beworbene Dienst viel Publicity bekommen und konnte nach eigenen Angaben stattliche Downloadzahlen vorweisen.

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UCP erklärte darüber hinaus, man unternehme „Schritte, um das Interesse von VK zu schützen […] und letztendlich Telegram unter die Kontrolle von VK zu stellen“. Deshalb sei UCP dabei, Anteile an drei Unternehmen zu erwerben, „die verschiedene Teile des Telegram-Geschäfts verwalten“ – um diese Unternehmen in VK zu integrieren.

Allerdings erklärte Telegram-Gründer Durov gegenüber dem Wall Street Journal, die Unternehmen stünden lediglich mit der Registrierung des Markennamens in den USA in Verbindung. Damit seien die Technologie und das Unternehmen selbst nicht betroffen.

Gegenanklage wegen unrechtsmäßiger Anteilsübernahme

Und die Gegenseite? Die wehrt sich genau so aggressiv gegen die Anschuldigungen. Mail.ru und Durov haben sich den Angaben zufolge zusammengetan und letzte Woche einen Gegenangriff gestartet. Man stellt die Rechtmäßigkeit des Erwerbs des 48-prozentigen Anteils durch UCP im April 2013 in Frage. Der Fonds hatte die Anteile von zwei Mitgründern erworben. Dabei sei allerdings der Verpflichtung der Anteilseigner nicht genüge getan worden, die Pakete zunächst den bestehenden Investoren anzubieten.

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Mail.ru wiederum war in den Besitz der Mehrheit durch Durovs Verkauf seines 12-prozentigen Anteils an den Privatinvestor Ivan Tavrin gelangt. Der Vertraute von Mail.ru-Besitzer Alisher Usmanov hatte das Paket daraufhin an Mail.ru weitergereicht.

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Vor wenigen Tagen erst hatte die Auseinandersetzung einen ersten Höhepunkt erreicht, als Durov seinen Posten als CEO zunächst öffentlich quittierte, diese Entscheidung allerdings kurz darauf wieder zurückzog. Nach Angaben des Wall Street Journal habe er sich zum Bleiben entschlossen, „nachdem er erfahren hatte, wie das Unternehmen ohne ihn gemanagt werden sollte“.

Bild: Alex Hofmann