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Die SMS war mal so etwas wie der Goldesel der Telcos. Die Kurznachrichten kosten die Telekommunikationsunternehmen so gut wie nichts, vom Kunden können Fantasiepreise von 9 oder 19 oder noch mehr Cent verlangt werden – und trotzdem werden SMS milliardenfach verschickt. Doch seit mit WhatsApp, Telegram, iMessage oder Line Messenger-Apps den gleichen Service umsonst anbieten, sinkt die Zahl der SMS-Nutzer – und die Telcos müssen kräftige Umsatzeinbußen hinnehmen.

Die Deutsche Telekom hat sich nun vorgenommen, im Messenger-Markt Anteile zurückzuerobern. Gelingen soll das einem Dienst namens Immmr, an dem die konzerneigene Entwicklungsabteilung T-Labs seit 2014 arbeitet. Die App wurde im Frühjahr beim Mobile World Congress in Barcelona vorgestellt und wird nun in einem ersten Testmarkt gelauncht.

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Die Telekom preist den Service als das „erste geräte- und netzwerkunabhängige Kommunikationskonzept“ an; Technologievorstand Claudia Nemat erklärt, mit Immmr bringe die Telekom „die mobile Kommunikation unserer Kunden in die Cloud“ – bei Beobachtern sorgen diese Ankündigungen für Hohn und Spott.

„In welcher Welt lebt die Deutsche Telekom?“, fragt etwa Blogger und Berater Thomas Knüwer. Der Dienst sei eine „Totgeburt“, trotz der langen und aufwändigen Entwicklung sei nur ein „Krüppel“ herausgekommen. Er ist sich sicher: „Nichts, aber auch wirklich nichts, deutet darauf hin, dass dieser Dienst die vorhandenen Messenger gefährden könnte.“

Tatsächlich erscheint rätselhaft, wie die Telekom mit ihrem neuen Produkt gegen Player wie WhatsApp bestehen will – zumal auch Facebooks Messenger und Apples iMessage längst viele der angekündigten Funktionen besitzen. Vor allem mit der Möglichkeit, Anrufe und Nachrichten von verschiedenen Endgeräten aus zu verwalten, wird für Immmr geworben – aber das können die meisten Konkurrenten ebenfalls.

Dabei ist Immmr nicht der erste Versuch der Telekom, mit einer Weiterentwicklung der SMS zu punkten. 2012 launchte der Bonner Konzern in Zusammenarbeit mit anderen Telcos den Dienst Joyn (bei der Telekom heißt der Service Message+) – doch signifikante Nutzungszahlen erreichte man nie. Auch die Deutsche Post versuchte sich 2014 an einem eigenen Messenger namens Simsme, dem ein Erfolg ebenfalls verwehrt blieb.

Weil man bei der Telekom frühere Fehler vermeiden wollte, wurde Immmr ganz Startup-mäßig entwickelt: 2015 wurde Immmr ausgegründet, ein inzwischen 70-köpfiges Team arbeitet im T-Lab-Standort in Berlin-Schöneberg in direkter Nachbarschaft zum Telekom-Inkubator Hubraum. Entwickelt wird mit Sprints nach den Vorgaben agiler Methoden; für Mitarbeiter gibt es keine Präsenzpflicht.

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Immmr bezeichnet sich selbst auch als Startup (die GmbH gehört allerdings zu 100 Prozent der Telekom Innovation Pool GmbH). Die beiden Geschäftsführer, CEO Judit Andrási und CTO Marten Schönherr, kommen aus dem Konzern. Andrási war zuvor VP Strategy Europe, Schönherr bei T-Labs beschäftigt.

Laut dem Wirtschaftsmagazin Capital wird der erste Testmarkt für Immmr die Slowakei sein. Das Land bietet mit fünf Millionen Einwohnern zwar nur einen winzigen Markt, bei der Tochter Slovak Telekom setzt man aber auf viele technikbegeisterte und junge Kunden. Klappt der Versuch in der Slowakei, sollen Kroatien und schließlich andere Märkte folgen. Wann Deutschland dran ist, wird noch nicht verraten. Mitarbeiter der Telekom können sich aber bereits für eine Closed Beta anmelden.

Bild: Deutsche Telekom